Eine Reise durch Polen entlang einer vergessenen Grenze

Grenzen sind unverrückbar. Nach fast 75 Jahren Frieden in Europa – oder zumindest in dessen größtem Teil – ist dies für viele Europäer eine Gewissheit. Und doch haben sich gerade in Europa die Grenzen immer wieder verschoben. Ganz besonders häufig im Raum zwischen Elbe und Memel. Im Mai 2018 entdeckten Studenten der Viadrina in Frankfurt (Oder) eine Grenze, die es nicht mehr gibt: die zwischen Deutschland und Polen der Jahre 1918 bis 1939. „Eine Reise durch Polen entlang einer vergessenen Grenze“ weiterlesen

Marta Kijowska beantwortet die Frage: Was ist mit den Polen los?

Die Frage haben sich in den vergangenen drei Jahren viele Freunde Polens gestellt: „Was ist mit den Polen los?“ Marta Kijowska stellt sie sich auch und versucht sie für sich und uns zu beantworten. Gut 100 Jahre nach der staatlichen Neugründung 1918 macht sich die Autorin, Übersetzerin und Journalistin auf einen aufschlussreichen Weg durch die jüngere Geistes- und Kulturgeschichte des wichtigsten östlichen Nachbarn Deutschlands. Dabei spielt die PiS, die aktuell regierende nationalkonservative bis nationalistische Partei zwar ein wichtige, aber nicht dominierende Rolle in Kijowskas „Porträt einer widersprüchlichen Nation“ – so der Untertitel. „Marta Kijowska beantwortet die Frage: Was ist mit den Polen los?“ weiterlesen

Peter Robb erklärt Sizilien in all seinen Dimensionen

Peter Robb: Sizilianische Schatten„Sizilianische Schatten“ heißt ein Buch über Sizilien, das den Leser so gefangen nimmt, wie es die Mafia mit der sizilianischen Gesellschaft einst tat. Peter Robb, ein Australier, der mehr als 15 Jahre in Süditalien und auf Sizilien lebte, ist der Autor dieser fulminanten Reportage.

Leider gibt es das Buch nicht mehr im Buchhandel. 2000 ist es bei DuMont erschienen, vier Jahre nach der englischen Erstveröffentlichung. Auch wenn es also über 20 Jahre alt ist, hat es nichts von seiner Faszination verloren. Es lohnt sich, beim ZVAB auf die Suche nach einem antiquarischen Band zu gehen. „Peter Robb erklärt Sizilien in all seinen Dimensionen“ weiterlesen

Günter de Bruyn erzählt von der verhängnisvollen Altersliebe des Staatskanzlers Hardenberg

Günter de Bruyn: Die Somnambule oder Des Staatskanzlers TodGünter de Bruyn ist inzwischen 89 Jahre alt. Er lebt in der Nähe von Beeskow und schreibt noch immer. Gerade ist sein neues Buch erschienen:  „Die Somnambule oder Des Staatskanzlers Tod“. In ihm geht es um einen alten Mann, der sich noch einmal in eine junge Frau verliebt. Auch, weil er es nicht erträgt, alt zu werden. Ein Stoff, der in einer älter werdenden Gesellschaft sicherlich nicht außergewöhnlich ist. Aber weil es sich um eine wahre Geschichte handelt, hat sie einen ganz besonderen Reiz. „Günter de Bruyn erzählt von der verhängnisvollen Altersliebe des Staatskanzlers Hardenberg“ weiterlesen

Naimark erinnert an den Völkermörder Stalin

Norman M. Naimark: Stalin und der GenozidDas Buch ist zwar schon knapp fünf Jahre alt. Aber „Stalin und der Genozid“ von Norman M. Naimark ist gerade jetzt eine wichtige Abhandlung über die Verbrechen der KPdSU in den 1920er bis 190er Jahren. Denn das Regime Wladimir Putins bezieht sich ganz offen auf Stalin. Bei offiziellen Anlässen sind Stalin-Banner zu sehen, die Denkmäler aus der sowjetischen Zeit werden weiter geehrt und all jene, die wie Memorial die Vergangenheit aufarbeiten wollen, leben gefährlich. „Naimark erinnert an den Völkermörder Stalin“ weiterlesen

Die Horen suchen den europäischen Blick auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs

Die Horen: August 1914 Allerorten wird an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Der Bundespräsident reist nach Frankreich und Belgien, die Zeitungen füllen Seiten mit historischen Betrachtungen und Auszügen aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln und Tagebüchern. Überall ist der Rückblick auf den mörderischen Krieg Thema. Die Literaturzeitschrift „Die Horen“ hat auch einen Beitrag dazu geleistet. Einen Beitrag, der sehr lesenswert ist. „Die Horen suchen den europäischen Blick auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs“ weiterlesen

Hammelburg Einst und Jetzt (9) – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt

Blick von Schloss Saaleck auf Hammelburg um 1960

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Anblick Hammelburgs vor allem im Hintergrund verändert. Ob Krankenhaus oder Erdfunkstelle, ob Hochhaus oder Gewerbegebiet in Westheim, die Stadt hat sich schon sehr verändert.

Blick von Schloss Saaleck auf Hammelburg im Mai 2013

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad) 
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße
(13) – Hochhaus Breslauer Straße 2

Hammelburg Einst und Jetzt (7): Blick auf Kloster Altstadt und Schloss Saaleck

Blick auf Kloster Altstadt und Schloss Saaleck um 1915 Blick auf Kloster Altstadt und Schloss Saaleck um 1915
Blick auf Kloster Altstadt und Schloss Saaleck im Juli 2012 Blick auf Kloster Altstadt und Schloss Saaleck im Juli 2012

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad) 
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße
(13) – Hochhaus Breslauer Straße 2

Fridericiana (IV) – d’Apriles feines Buch über die Aufklärer im Umfeld Friedrichs

Iwan-Michelangelo D'Aprile: Friedrich und seine Aufklärer
Iwan-Michelangelo D’Aprile: Friedrich und seine Aufklärer

Dieses Buch über die Aufklärung im Umfeld Friedrich II. aus dem Hause der heimischen MOZ hätten die Stadtverordneten von Frankfurt (Oder) mal lesen sollen. Und zwar vor der Abstimmung über den Namen des Karl-Liebknecht-Gymnasiums! Dann hätten sie festgestellt, dass es in Frankfurt Bezüge zu vielen positiven historischen Menschen gibt, die es allemal wert wären Namensgeber einer Schule zu sein – statt des Begründers einer in ihrer Geschichte regelmäßig die Menschenrechte mit Füßen tretenden kommunistischen Partei.

20 knappe Biografien hat der Potsdamer Historiker Iwan-Michelangelo d’Aprile geschrieben. Wobei das Wort Biografie etwas zu groß ist für diese Schlaglichter. Alle porträtierten spielen als Reformer im Zeitalter der Aufklärung in Preußen eine wichtige Rolle. Sie reformieren die Schulen, organisieren Universitäten erstmals wissenschaftlich oder begründen die moderne Staatsführung.

Die 100 Seiten lesen sich schnell, da d’Aprile eine klare Sprache hat. Die vielen Bilder runden den Eindruck von den Männern ab, die für ihr aufgeklärtes Denken oftmals auch persönliche Schwierigkeiten bis hin zur Haft auf sich nahmen. Vor allem nach Friedrich II. Tod war die Gefahr wieder größer, wegen eigenständigem Denken mit dem König oder dem Adel in Konflikt zu geraten.

Einige von ihnen haben an der Viadrina studiert oder lehrten dort. Etwa Christian Thomasius, der nach seinem Wechsel nach Leipzig die erste Vorlesung in Deutsch und nicht in Latein veranstaltete und der für die klare Trennung von Theologie und Wissenschaft eintrat. Eine Tradition, in die sich ein Frankfurter Gymnasium gut stellen ließe. Oder Gotthold Ephraim Lessing, der eine Minna von Barnhelm erstmals in Frankfurt zur Aufführung brachte – und damit dem Bürgertum das Theater eroberte. Auch er wäre ein guter Schulpatron. Oder Hans von Held, der an der Viadrina studierte und einer de wichtigsten Journalisten der Aufklärung war. Auch diese Tradition des Kampfes um Pressefreiheit wäre ein schöner Bezug für ein Gymnasium. Aber auf solche Ideen kamen in Frankfurt (Oder) die Kämpfer für die Aufrechterhaltung der SED-/DDR-Tradition nicht. Kein Wunder, Freiheit ist keine Bezugsgröße für sie. Sehr zum Leidwesen der Schüler.

Mehr Fridericiana:

I. Norbert Leitholds Panorama überzeugt
II. Wo steht das Erbstück richtig? 
III. Friederisiko zeigt den Preußenkönig in allen Farben

Fridericiana (III) – Friederisiko zeigt den Preußenkönig in allen Farben

Der Alte Fritz in vielen Farben
Der Alte Fritz in vielen Farben

Friederisiko, die Ausstellung zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs, zeigt Friedrich II. so bunt und vielseitig wie diese Büsten eines hießigen Künstlers aus dem Museumsshop. Da gibt es Räume über den Politiker, den Mann, das Kind, den Kunstfreund, den Feldherren, den Patriarchen und immer wieder ganz einfach über den Menschen. Mehr kann eine Ausstellung nicht schaffen. Und der Besucher kann das gar nicht alles ausfnehmen. Deshalb bin ich mir sicher, dass ich diese Ausstellung noch mindestens einmal besuchen werde.

Denn der Rahmen für die Jubiläumsschau ist das Neue Palais in Potsdam. Dieses Schloss, das Friedrich als Gästehaus und Zeichen seiner Macht hat bauen lassen, wurde extra restauriert. Etliche Räume waren noch nie zugänglich. Jetzt sind sie es – und sie blenden. Denn sie sind Ausdruck des Kunstsinns Friedrichs, der Verschwendungssucht, des Machtbewusstseins und der Freude am – teils witzigen – Detail.

Die Audio-Guides erklären das alles sehr gut. Die Fassung für Kinder ist aber wieder einmal packender. Hier wird nicht nur doziert, sondern in einem szenischen Gespräch mit gut ausgewählten Tönen eine enorme Anschaulichkeit erzeugt. Die vielen seltenen Exponate tun ein Übriges, um den Besucher gut zu informieren und Friedrich nahe zu bringen. Aber natürlich fordert allein ihre Fülle von mehreren hundert Stück die volle Konzentration des Besuchers. Mir war es für das erste Mal zu viel. Aber ich bin nicht satt. Ich bin nur überwältigt. Das wird sich mit dem Katalog aber bewältigen lassen. Und dann will ich da noch einmal hin. Oder vielleicht sogar zweimal! Und das sieht auch mein Sohn genauso.

Mehr Fridericiana:
I. Norbert Leitholds Panorama überzeugt
II. Wo steht das Erbstück richtig?
IV. d’Apriles feines Buch über die Aufklärer in Umfeld Friedrichs