Wodka, Weiber, Wasserleiche – ein Krimi aus dem Oderland

Wer „Wodka, Weiber, Wasserleiche“ als Titel für einen Krimi wählt, will dem Leser wahrlich weiß machen, dass Wörter wunderbare Ware sind. Wahnhaft fast werden Worte wagnerhaft wundersam gefügt, um wieder und wieder wabernd im Stabreim zu wallen. Und wenn alles gut geht, wundert sich der werte Leser, dass er trotz wuchtiger Wortanfänge auch noch ein witziges Werk wahrgenommen hat.

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„Oder Florida“ – der Nachwende-Bildungsroman von Christian Bangel

Christian Bangel: Oder Florida
Christian Bangel: Oder Florida

Lange bevor die Republik geschockt auf die Wahlerfolge der AfD geschaut hat, suchten junge Ostdeutsche nach ihrer Identität. „3. Generation Ost“ nannten sie sich. Sie wollten verstehen, was sie von ihren gleichaltrigen Westdeutschen unterscheidet. Ohne die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie funktioniert das nicht. Umso besser, dass Christian Bangel jetzt einen tragisch-witzigen Roman geschrieben hat, der seine eigene Biografie als Material genau in diesem Sinne nutzt. Und dennoch sehr viel Spaß macht.

Christian Bangel ist 1979 in Frankfurt (Oder) geboren. Die prägenden Jahre seines Erwachsenwerdens sind von einer enormen Freiheit geprägt. Aber auch von den Ängsten der Eltern vor Arbeitslosigkeit, seinen eigenen Ängsten von der Gewalt der Neonazis und der Ungewissheit, was aus der eigenen Heimatstadt wohl werden wird. das einzig Gewisse war die Ungewissheit. Starke Menschen nutzen das, indem sie ihren Freiraum aktiv nutzen. Andere suchen Halt bei neuen Autoritäten.

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Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen

Foto: Andreas Oppermann
Howard Griffiths, Siegfried Matthus und die Solisten beim Applaus.

Die Konstellation hat es in sich: Ein ehemaliger DDR-Staatskünstler schreibt eine musikalische Vision über den Protestanten Luther, das bei der Welturaufführung auch vor polnischen Katholiken intoniert wird. Da ist theologisch und weltanschaulich „Musike drin“. Auf jeden Fall stellt sich sofort die Frage, ob es künstlerisch gelingt, den Text so in Musik zu setzen, dass sich der Sinn der Worte vermittelt, selbst wenn man sie nicht verstehen kann. „Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen“ weiterlesen

Sören Bollmann schockt mit einem Serienmörder an Viadrina-Studentinnen

Sören Bollmann: Angst in der halben St<adtSören Bollmann hat als Krimi-Autor seine Erfüllung gefunden. Schon zum dritten Mal schickt er seinen Frankfurter Kommissar Matuszek zusammen mit dessen Słubicer Kollegen Miłosz auf Mörderjagd. Diesmal steht ein Serienmörder im Mittelpunkt des Buches. Der verbreitet Angst und Schrecken vor allem an der Viadrina, der Frankfurter Universität. Denn die drei ersten Opfer sind allesamt Studentinnen. „Sören Bollmann schockt mit einem Serienmörder an Viadrina-Studentinnen“ weiterlesen

Deutsch-Polnische Musikfesttage starten mit Fazil Say

Howard Griffiths

„Kontraste“ ist das Motto der diesjährigen Deutsch-Polnischen Musikfesttage an der Oder. Schon das erste Konzert lebte dieses Motto intensiv aus. Erst ein Violinkonzert von Fazil Say und dann die orientalischen Phantasien von Nikolai Rimsky-Korsakow, die „Scheherazade“. Jenes leicht, luftig und voller Rhythmus, das andere schwer, fast schwül und voller Pathos.

Iskandar WidjajaHoward Griffiths ist mit der Türkei fest verbunden. Jahrelang lebte er dort. Fazil Say hat er in dieser Zeit kennen und schätzen gelernt. Und zum Glück für die Konzertbesucher in Frankfurt hat er dessen Komposition nun auch zu Gehör gebracht. Iskandar Widjaja spielte die Solovioline facettenreich und voll menschlicher Wärme und Aykut Köselerli sein Schlagzeug als emotionaler Taktgeber bei dem abwechslungsreichen und voller Spannungen und Wechseln in Dynamik und Rhythmik reichen Violinkonzert. Zusammen mit dem BSOF schufen sie einen akustischen Raum mit zauberhaften, verwunschenen und kraftvollen Momenten.

Nach der Pause drückte der schwere Rimsky-Korsakow mit seinem russisch-imperialen Träumen vom Orient die Leichtigkeit und Vielfalt Fazil Says weg. Wer ich in dessen Melodien verloren hatte, der wurde auf dramatische Weise in eine andere Welt gestoßen. Musikalisch war auch das überzeugend. Aber der Zauber ging etwas verloren. Natürlich passt das wunderbar unters Motto „Kontraste“. Viel verschiedener kann die musikalische Aneignung des Orients kaum sein. Zumindest für ein Orchester. Und auch nicht viel erfüllender.

Mehr von den 61. Deutsch-Polnischen Musikfesttagen:
Deutsch-Polnische Musikfesttage starten mit Fazil Say  
BigBand des BSOF feiert Astor Piazolla in Zielona Gora

 

Karl Schlögel zieht Lektionen aus dem Ukraine-Krieg

Karl Schlögel: Entscheidung in KiewDer Krieg Russlands in der Ukraine hat Europa viel nachhaltiger verändert, als es den meisten politischen Beobachtern und der Öffentlichkeit bewusst ist. Davon ist Karl Schlögel überzeugt. Der Osteuropa-Historiker, der bis zu seiner Emeritierung an der Viadrina in Frankfurt (Oder) lehrte, hat in seinem neuen Buch nicht nur eine Einordnung der russischen Aggression vorgelegt, sondern auch eine persönliche Überprüfung des eigenen Denkens über die ukrainische Geschichte. Dazu hat er sich vor allem seiner wichtigsten Methode bedient, der Städteporträts, bei denen er die historischen Schichten der Stadtgeschichte freilegt.

Doch die ersten knapp 100 Seiten seiner „ukrainischen Lektionen“ – so der Untertitel des Buches – sind ein Essay, in dem er fragt, warum die Ukraine nach wie vor nicht als selbständiges Subjekt im Westen wahrgenommen wird. Schlögel schildert, wie auch er Kiew und die anderen Städte der Ukraine immer aus der Sicht des russischen, beziehungsweise sowjetischen Imperiums wahrgenommen hat. Als Orte in der Peripherie wurden sie immer auf Moskau und das Reich bezogen. Ihre Eigenständigkeit ist dabei vergessen worden. Und doch ist die Ukraine ein Land mit einer lange historischen Tradition, mit einer Sprache, die kein russischer Bauerndialekt ist, sondern eigenständig ist. Wer das vergisst und immer nur den Blickwinkel der imperialistischen Herrscher in Moskau einnimmt, denkt die Ukraine zwangsläufig als Teil Russlands – und wird damit einem der größten europäischen Länder nicht gerecht.

Ein weiteres Problem ist nach Schlögels Sicht die Gleichsetzung von Russland und der Sowjetunion, wenn es um den 2. Weltkrieg geht. Schlögel wählt deshalb des Begriff „Sowjetmensch“, wenn er von den Opfern in generalisierter Form spricht. Denn die deutsche Wehrmacht und die SS haben auf dem Gebiet der Sowjetunion vor allem in Weißrussland und der Ukraine ihren brutalen Krieg geführt. Millionen sowjetischer Zwangsarbeiter waren Ukrainer – mehr als Russen. Und bei Rückzug fielen der „verbrannten Erde“ tausende ukrainische Dörfer und Städte zum Opfer. Schlögel wirbt dafür, sich das bewusst zu machen, um die Ukrainer besser verstehen zu können.

In seinen Städteporträts der wichtigsten ukrainischen Städte legt er die historischen Schichten frei, die in ihn zu entdecken sind. Und dabei ist er wiederum sehr genau in den Benennungen. Sowjetische, russische, ukrainische Einflüsse werden als solche benannt, genauso wie jüdische, griechische, polnische oder deutsche. Wer sich mit Schlögel auf den geistigen Stadtrundgang durch Kiew macht, erlebt die enorme Vielfalt der Stadt, sieht die Narben, die deutsche und  sowjetische Diktatoren und ihre Schergen hinterlassen haben, lernt wo welcher Opfer gedacht wird – und wie enorm der Blutzoll im Krieg war – und in der Ära Stalins. Schlögel zeigt aber auch die Schönheit und die positiven Hinterlassenschaften. Er enthält sich eines Urteils. Und wird den Städten so gerecht.

Das gilt auch und gerade für Donezk, der inzwischen teilweise zerstörten Stadt des angeblichen Bürgerkriegs, der de facto das Ergebnis russischer Aggression mit russischen Soldaten und russischen Waffen ist. Schlögel war erst in diesem Jahr wieder in der Stadt. Er erzählt von den Menschen, die geflohen sind, von ganzen universitären Lehrkörpern, die ihre Tätigkeit in andere ukrainische Städte verlegt haben. Gerade am Beispiel Donezk macht er deutlich, wie nachhaltig die Veränderungen durch die russische Aggression für ganz Europa sind.

Ein Urteil und viele Unklarheiten – Urteil im Maskenmann-Prozess

Der Maskenmann ist verurteilt. Das Landgericht Frankfurt (Oder) schickt den Angeklagten lebenslänglich hinter Gitter. Die Deutlichkeit, mit der das Gericht von der Schuld des angeklagten Dachdeckers aus Berlin überzeugt ist, verblüfft im ersten Moment, denn die 59 Prozesstage brachten vor allem eines zu Tage: Zweifel an der Anklage, Zweifel an der Polizeiarbeit und – noch schlimmer – Zweifel an der Verfassung der gesamten Justiz- und Ermittlungsbehörden in Brandenburg. 

Der ganze Kommentar steht auf rbb-online.de…

Staatsorchester verzaubert 350 Kinder in Orchestermäuse

"Orchestermäuse" in Frankfurter Kleist-Forum

Howard Griffiths hat eine neue Leidenschaft: Wenn ihm im Hotel langweilig wird, dann setzt er sich hin und schreibt ein Libretto für Kinder. Nach „Die Hexe und der Maestro“ sind es jetzt die „Orchestermäuse“. Wieder hat der Schweizer Fabian Künzli die Musik dazu geschrieben. Und wieder haben die beiden ein Bühnenvergnügen für uns mit Kindern geschrieben, das Lust auf Oper, Musical, Orchester und Gesang macht. In Frankfurt (Oder) hatten die Orchestermäuse jetzt ihre Welturaufführung – mit 350 Kindern aus Ostbrandenburg, einem lustvollen Brandenburgischen Staatsorchester und einem Maestro, der mit seiner Freude an Musik und Spiel alle ansteckt, die sich ihm nähern.

"Orchestermäuse" in Frankfurter Kleist-Forum

Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein ganzes Mausvolk flieht durch den Zauberwald vor den Katzen, mit denen sie einst in Frieden lebten. Wenn da nicht eine vorlaute Maus für Ärger gesorgt hätte. Als neue Heimat suchen sie sich die Konzerthalle aus, geraten dort aber mit dem Orchester aneinander. Denn die musizieren, wenn die Mäuse schlafen wollen. Die nach allerlei Turbulenzen söhnen sich alle im Zauberwald miteinander aus und singen gemeinsam. Ein schönes Märchen, das vor allem durch den Witz der Texte und die schwungvolle Musik überzeugt.

"Orchestermäuse" in Frankfurter Kleist-Forum

Vor allem aber durch die Inszenierung von Be van Vark, die sich mit Howard Griffiths wunderbar versteht. Sie hat die unendlich mühevolle Arbeit mit etlichen Workshops mit den Kindern künstlerisch geleitet und zu einem amüsanten und energiegeladenen Bühnenevent formte. Howard Griffiths wiederum gelingt es erneut, sein Brandenburgisches Staatsorchester so für die Arbeit mit den Kindern zu begeistern, dass sie Instrumenten-Workshops durchführten und letztendlich eine Spielweise wählen, die es den Kindern ermöglicht, zu den Stars des Nachmittags zu werden.

"Orchestermäuse" in Frankfurter Kleist-Forum

Das Publikum in Frankfurt (Oder) ist begeistert. Denn die Kinder tanzen, singen, musizieren. Sie realisierten eine überzeugende Videoinstallation, mit der die Frankfurter Konzerthalle ins Kleist-Forum holt. Und alles zusammen ist irgendetwas zwischen Oper und Musical oder szenischem Musiktheater. Vor allem aber ist es einfach großartig! Eine Welturaufführung in Frankfurt (Oder), an die sich alle Zuschauer und vor allem alle Beteiligten noch sehr lang erinnern werden.

Sören Bollmann schreibt einen Krimi über Grenzkriminalität

Sören Bollmann: Einbruch in der halben Stadt Jetzt also Einbruch! Sören Bollmann kommt mit seinem zweiten Krimi in der Realität an. Hieß der erste noch „Mord in der halben Stadt“, kommt nun „Einbruch in der halben Stadt“. In Frankfurt (Oder) wird durchaus mehr eingebrochen als gemordet. Für die Phantasie des Autors und der Leser gibt es bei diesem Buch also vielmehr Anknüpfungspunkte als beim ersten. Aber ganz will sich Bollmann darauf wohl nicht verlassen. Zu einem Krimi gehört ein Toter. Und so gibt es auch in diesem einen. Obwohl er eigentlich überflüssig ist. Sowohl für die Spannung, als auch für die Leser und erst recht für die Geschichte, die der Frankfurter hier erzählt. „Sören Bollmann schreibt einen Krimi über Grenzkriminalität“ weiterlesen

Karl-Ludwig von Klitzing schreibt spannende Erinnerungen mit „Atemlos“

Karl-Ludwig von Klitzing: AtemlosDer Mauerfall und die friedliche Revolution in der DDR jähren sich in diesem Jahr zum 25. Mal. Einer der Akteure in Frankfurt (Oder) war Karl-Ludwig von Klitzing. Schon am 1. November 1989, also acht Tage vor dem Mauerfall, forderte er vor 35.000 Demonstranten auf dem Frankfurter Brunnenplatz: „Wir brauchen eine vollkommene Demokratisierung, Reisefreiheit, Rede- und Pressefreiheit.“ Von Klitzing war Arzt und hat jetzt ein Erinnerungsbuch geschrieben. „Karl-Ludwig von Klitzing schreibt spannende Erinnerungen mit „Atemlos““ weiterlesen