Nicole Chevalier triumphiert als Semele an der Komischen Oper

Barock-Opern haben oft die Tendenz zur Länge. Auch Semele von Georg Friedrich Händel hat die Schleifen ständiger Wiederholungen. Manche Arie besteht nur aus vier bis acht Versen, die variiert und wiederholt werden. Umso erstaunlicher ist die Wirkung, wenn Musik, Gesang und eine phantastische schauspielerische Leistung das Publikum so in den Bann schlagen, dass selbst dreieinhalb Stunden wie im Flug vergehen. Genau das gelingt der Komischen Oper mit dieser Semele! „Nicole Chevalier triumphiert als Semele an der Komischen Oper“ weiterlesen

Barrie Kosky feiert die jiddische Operette New Yorks

Barrie Kosky (Foto: Jan Windszus Photpgraphy)
Barrie Kosky (Foto: Jan Windszus Photpgraphy)

Es ist ein Segen, wie offensiv Barrie Kosky seine Identität lebt. Der Australier, dessen Vorfahren Juden aus Ungarn, Polen und Russland waren, ist Intendant der Komischen Oper. Er ist bekennender Schwuler und hat kein Problem damit die Fülle seiner (Minderheiten-) Identitäten offensiv zu leben. Das ist ein Segen. Denn Barrie Kosky ist Teil einer Vielfalt, die noch vor 30 oder 40 Jahren in Deutschland keine Chance hatte. Jetzt aber lädt Kosky zu einem jiddischen Liederabend. Zusammen mit den Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneiderman feierte er damit einen fulminanten Erfolg. Und das völlig zu Recht.

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Blasmusik der Fanfare Ciocarlia feiert das Leben

Eine rumänische Zuhörerin tanzt für Fanfare Ciocarlia und das Publikum im Lido

Es sind nur zwei Takte und schon bewegt sich das ganze Lido. Das gute Dutzend der Fanfare Ciocarlia bläst in die Instrumente, die Kraft der ihrer Lungen erfüllt den Saal. Der Rhythmus von Pauke und Schlagzeug wird durch die Tuba massiv verstärkt. Die Melodiebögen von Trompeten, Saxophon und Klarinette liegen über dem stampfenden Sound. Sofort spürt jeder, dass diese Musiker ihre Stücke lieben. Und alles bewegt sich. Sofort. „Blasmusik der Fanfare Ciocarlia feiert das Leben“ weiterlesen

Howard Griffiths läutet sein letztes Jahr in Frankfurt mit Gypsy-Musik ein

Neujahrskonzert 2019 in Frankfurt (Oder)Der Reigen der Abschiedskonzerte hat begonnen. Am Dienstag hat Howard Griffiths sein letztes Neujahrskonzert als Ganeralmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt in der Konzerthalle gegeben. Wie immer hat er die Zuhörer dabei mit besonderer Musik überrascht. Diesmal war es ungarische Musik mit dem Lakatos Ensemble. „Howard Griffiths läutet sein letztes Jahr in Frankfurt mit Gypsy-Musik ein“ weiterlesen

Daniel Barenboim und Martha Argerich verschmelzen an zwei Flügeln

Daniel Barenboim und Martha Argerich bei den Festtagen 2017
Daniel Barenboim und Martha Argerich bei den Festtagen 2017

An einem Flügel mit vier Händen spielen Martha Argerich und Daniel Barenboim schon beeindruckend harmonisch. Aber als sich Barenboim an seinen eigenen Flügel setzt, verschmelzen die beiden zu einer so ungeheuer kraftvollen Einheit, dass sich das Publikum in der Berliner Philharmonie kaum noch zu Husten wagt. Das Duo-Recital von Argerich und Barenboim im Rahmen der Festtage 2017 wird für beide zu einem Triumph. „Daniel Barenboim und Martha Argerich verschmelzen an zwei Flügeln“ weiterlesen

Der düstere Parsifal der Staatsoper

Die Herrn des Konzertchors als verzückte Gralsritter und Knappen (Staatsoper Berlin | Foto: Ruth Walz)
Die Herrn des Konzertchors als verzückte Gralsritter und Knappen (Staatsoper Berlin | Foto: Ruth Walz)

Düster ist der Gesamteindruck an diesem Krafreitag in der Staatsoper. Im Rahmen der Festtage wird der „Parsifal“ in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakow aus dem Jahr 2015 gegeben. Geprägt ist sie von der Konzentration auf den Stoff in einer sehr gedämpften, getragenen, düsteren und eher hoffnungslosen Interpretation. Daniel Barenboim und seine Staatskapelle intonieren das monströse Werk von Richard Wagner dynamisch und dramatisch.  „Der düstere Parsifal der Staatsoper“ weiterlesen

Anne-Sophie Mutter nimmt es mit jedem Huster auf

Anne-Sophie Mutter
Tosender Applaus für Anne-Sophie Mutter

Ein ganz zarter Strich über die Saiten ihrer Violine, ein Hauch von einem Ton, der sich in der ganzen Berliner Philharmonie ausbreitet, ein winziges akustisches Funkeln – und direkt danach ein Aufschrei! Auch der kommt aus der Violine von Anne-Sophie Mutter. Sie erzeugt Kontraste mit ihrem Instrument, wie es nur ganz wenige können. Varianz, Intensität, Melancholie und Freude. Wer sie bei den Festtagen mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim erlebt, weiß instinktiv, wie außerordentlich dieses Konzert ist. „Anne-Sophie Mutter nimmt es mit jedem Huster auf“ weiterlesen

Der Tannhäuser von Sasha Waltz überwältigt

(Foto: Staatsoper/(c) Bernd Uhlig)
Venus verführt Tannhäuser in ihrer Liebeshöhle. (Foto: Staatsoper/(c) Bernd Uhlig)

Am Anfang ist dieser Trichter. Ein weißer Trichter und sonst nichts. Nur die wunderbar zarten Töne der Tannhäuser-Ouvertüre sind noch im Raum. Aber der Blick ist auf diesen Trichter gerichtet, der an das Innere eines Auges erinnert. Was aber ist hinter der Öffnung? Doch diese Frage stellt sich nicht lange. Dann beginnt sich der Trichter zu füllen. Und zu beleben mit (fast) nackten Leibern, die sich anzüglich und lüstern bewegen. Das hier ist die Liebeshöhle, in der Venus die Lust lebt. In der Tannhäuser sieben Jahre die Wonnen der leiblichen Liebe (er)lebt. Die Ouvertüre wird bei Sasha Waltz schon ein ganz besonderer Tanz voller Bezüge und Andeutungen, die in den folgenden fast vier Stunden immer wieder in Erinnerung gerufen werden. „Der Tannhäuser von Sasha Waltz überwältigt“ weiterlesen

Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen

Foto: Andreas Oppermann
Howard Griffiths, Siegfried Matthus und die Solisten beim Applaus.

Die Konstellation hat es in sich: Ein ehemaliger DDR-Staatskünstler schreibt eine musikalische Vision über den Protestanten Luther, das bei der Welturaufführung auch vor polnischen Katholiken intoniert wird. Da ist theologisch und weltanschaulich „Musike drin“. Auf jeden Fall stellt sich sofort die Frage, ob es künstlerisch gelingt, den Text so in Musik zu setzen, dass sich der Sinn der Worte vermittelt, selbst wenn man sie nicht verstehen kann. „Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen“ weiterlesen

Rainald Grebe seziert in Schwedt die Provinz

Schwedt ist Provinz. Niemand, der das behauptet, wird damit den Schwedtern auf die Füße treten. Wenn Rainald Grebe das sagen würde, wären sie ihm zumindest nicht böse. Seit er in seinem Brandenburg-Lied das Autohaus in Schwedt besungen hat, sind Grebe und Schwedt fast schon ein Begriffspaar. und darauf kann dann auch der Schwedter stolz sein. Denn das ist ja auch ein Merkmal von Provinz: Auch wenn man veräppelt wird, freut man sich über die überregionale Wahrnehmung. Und wenn der Scherz zu Lasten des Provinzlers mit der eigenen Erfahrung übereinstimmt, dann passt das schon.

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