Brygida Helbig sucht ihre Heimat und entdeckt deutsch-polnische Schicksale

Europa ist in einem Ausmaß verworren, das der Einzelne oft kaum durchblicken kann. Zwar wird in allen Ländern so getan, als sei Nation und Land, als sei Bürger und Nationalität eine geradezu heilige Einheit. Aber wer sich etwas mehr Mühe gibt, wird in der Geschichte vieler Familien kreuz und quer über den Kontinent Zusammenhänge finden, die genau diese Einheit in Frage stellen – und damit auch das, was wir so leichthin Identität nennen. Brygida Helbig, eine Polin aus Stettin, die schon lange in Berlin lebt, hat das anhand ihrer Familiengeschichte getan. „Kleine Himmel“ ist die literarische Verarbeitung dieser verwirrenden Familiengeschichte aus Mitteleuropa, die in Galizien, Polen, Deutschland, der Ukraine und Kasachstan spielt. „Brygida Helbig sucht ihre Heimat und entdeckt deutsch-polnische Schicksale“ weiterlesen

Aus dem Zugfenster von Frankfurt (Oder) nach Cottbus

Frankfurt und Cottbus verbindet eine Bahnstrecke, auf der die Gemächlichkeit noch zuhause ist. Für die gut 90 Kilometer benötigt die Bahn eine Stunde und 18 Minuten. Auf der einen Seite ist das ziemlich lang. Auf der anderen aber auch Zeit zum Entspannen. Wer die Zeit nutzt und nicht schläft, Musik hört oder liest, sondern einfach nur zum Fenster hinausschaut, der sieht auf dieser Fahrt entlang der Oder-Neiße-Grenze all das, was den Osten ausmacht.

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Brandenburg ist kulturell gespalten

Ein Kommentar

Die Wahlergebnisse in Brandenburg sind einschneidend. Die AfD triumphiert, die Grünen legen kräftig zu – und die drei Parteien, die im Land seit 1990 regiert haben, verlieren massiv. Und das in einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit auf Rekordtief ist, die Haushaltseinkommen steigen, die Kriminalität sinkt und die Renten im Osten überproportional gestiegen sind.  Aber für solche Erfolge werden Regierungsparteien offenbar nicht mehr belohnt. „Brandenburg ist kulturell gespalten“ weiterlesen

Zum 65. Geburtstag streunt Karl-Markus Gauß durch sein Zimmer

Karl-Markus Gauß: Abenteuerliche Reise durch mein ZimmerKarl-Markus Gauß wird heute 65 Jahre alt. Kurz zuvor ist sein neues Buch erschienen. In einem Alter, in dem die meisten Menschen zum Rentner werden, blickt auch er zurück. Aber er macht das nicht in einer autobiografischen Erzählung, in der aus Ereignissen die passende vergangene Zukunft konstruiert wird. Gauß schaut sich vielmehr in seiner Wohnung um und destilliert aus Gegenständen eine Vergangenheit, die ihn selbst und seine Familie vor allem in einen europäischen Kontext stellt. Was sich jetzt vielleicht etwas konstruiert und anstrengend liest, ist aber ein fröhlicher Genuss. Denn Gauß entführt den Leser Seite um Seite in (Gedanken-) Welten, die anregend und vor allem den eigenen Blick erweiternd sind. „Zum 65. Geburtstag streunt Karl-Markus Gauß durch sein Zimmer“ weiterlesen

Poros der Komischen Oper bleibt nette Unterhaltung

Zwar heißt der Eroberer in Indien Alexander, aber er ist kein Grieche. Sir Alexander ist englischer Eroberer voll Würde und Verstand. Ganz anders als Poros, der indische König, auf dessen Reich es Alexander abgesehen hat. Denn der ist voller Emotionen, voller Liebe und Eifersucht. Und natürlich geht es ihm um Ehre und Pflicht. Wo Alexander ganz kühl abwägt und die eigenen Gefühle für den Erfolg unterdrückt, ist Poros zu keinem klaren Gedanken fähig, weil ihn stets seine Gefühle übermannen. „Poros der Komischen Oper bleibt nette Unterhaltung“ weiterlesen

Marcus Jeroch jongliert im BKA Erkenntnis ins Hirnp

Wenn Marcus Jeroch die Texte und Gedichte von Friedhelm Kändler oder Ernst Jandl spricht, zitiert, rezitiert und geradezu verbal jongliert, dann ist das Publikum im BKA hingerissen zwischen Staunen und Lachen. Was der schmale Mann auf seiner Bühne an Worten hervorbringt, steckt voller Blödsinn und Humor, Erkenntnis und tieferem Sinn. „Marcus Jeroch jongliert im BKA Erkenntnis ins Hirnp“ weiterlesen

Manfred Maurenbrecher schreibt mit Grünmantel eine Uckermark-Satire

Manfred Maurenbrecher: Grünmantel

Die einen wollen Natur und Landschaft schützen, die anderen wollen von ihr leben. Das ist ein alter Konflikt, der überall ausbricht, wo Städter aufs Land ziehen, um die Ruhe zu genießen. Manfred Maurenbrecher hat sich diese Konstellation in etlichen Varianten vorgenommen und in „Grünmantel“ angesiedelt. Der fiktive Ort liegt in der Uckermark und so prallen hier Ost und West, Stadt und Land, Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. „Manfred Maurenbrecher schreibt mit Grünmantel eine Uckermark-Satire“ weiterlesen

Hammelburg Einst und Jetzt (13) – Hochhaus Breslauer Straße 2

Wer von Osten, also von Elfershausen, Westheim oder Feuerthal nach Hammelburg fährt, für den ist das Hochhaus in der Breslauer Straße 2 ein dominanter Anblick (auch wenn die beiden Fotos den Blick von Südwest auf das Hochhaus zeigen). Als die Wohnungsbaugenossenschaft Hammelburg den Neunstöcker baute, war das Gebäude enorm dominant. Nach mehr als vier Jahrzehnten ist es eingewachsen und nach der Sanierung vor wenigen Jahren fügt es sich fast harmonisch am Abhang des Hammelberges ins Baugebiet und die Landschaft ein.

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad) 
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße
(13) – Hochhaus Breslauer Straße 2

Eine Reise durch Polen entlang einer vergessenen Grenze

Grenzen sind unverrückbar. Nach fast 75 Jahren Frieden in Europa – oder zumindest in dessen größtem Teil – ist dies für viele Europäer eine Gewissheit. Und doch haben sich gerade in Europa die Grenzen immer wieder verschoben. Ganz besonders häufig im Raum zwischen Elbe und Memel. Im Mai 2018 entdeckten Studenten der Viadrina in Frankfurt (Oder) eine Grenze, die es nicht mehr gibt: die zwischen Deutschland und Polen der Jahre 1918 bis 1939. „Eine Reise durch Polen entlang einer vergessenen Grenze“ weiterlesen

„Der neuzigste Geburtstag“ von Günter de Bruyn überzeugt

Günter de Bruyn: Der neunzigste GeburtstagGünter de Bruyn ist inzwischen 92 Jahre alt. Noch immer schreibt und veröffentlicht der große Schriftsteller aus Görsdorf bei Beeskow alle ein bis zwei Jahre ein Buch. In den vergangenen Jahrzehnten hat er vor allem Bücher über die preußische Geschichte, Literatur und Schlösser geschrieben. Doch das jüngste ist wieder ein Roman. „Der neunzigste Geburtstag“ ist ein Buch über das Zusammenwachsen Deutschlands, das Altern und über die Auswirkungen der Flüchtlingskrise 2015. „„Der neuzigste Geburtstag“ von Günter de Bruyn überzeugt“ weiterlesen