Herbststimmung auf Schloss Saaleck und am Schlossberg

Jan Beißen macht das Frankenderby zum Regionalkrimi

Jan Beißen: LokalderbyWenn der Club gegen Fürth spielt, dann ist das sehr viel mehr, als ein normales Fußballspiel. Es ist das traditionsreichste Derby schlechthin, auch wenn die Spiele nur noch in der 2. Liga stattfinden. Früher aber wurde bei diesen Spielen die Deutsche  Meisterschaft entschieden. Und zeitweise bestand die Deutsche Nationalmannschaft nur aus Spielern dieser beiden Vereine. Insofern bietet ein solches Spiel tatsächlich einen sehr guten Rahmen für einen Krimi.

Jan Beinßen, der mit seiner Reihe um den Nürnberger Hobbyermittler Paul Flemming eine feste Größe im Regionalkrimi-Geschäft ist, geht mit der großen Tradition allerdings nicht sonderlich respektvoll um. Nicht umsonst nennt er den achten Fall Paul Flemmings „Lokalderby“. Für echte Fans ist das wahrscheinlich eine Zumutung, weil das Derby damit zu einem Provinzkick abgestuft wird. Und als Mordopfer sucht sich Beinßen einen Busfahrer aus. Ganz so, als würden sich nicht Präsidenten, Trainer oder Wirtschaftsgrößen aus der Sponsorenszene anbieten. Zwar läßt er auch überzeugte Fans zu Wort kommen, die von der einstigen Größe dieser Begegnung erzählen. Aber all das ist eher von distanziertem Kopfschütteln getragen.

Vor allem bei den Schilderungen der harten Fanszene zeugen von einem gesunden Kopfschütteln des Autors über deren Motivation. Dennoch entwickelt sich der Fall des toten Busfahrers zu einem passablen Krimi, bei dem dubiose Machenschaften um und auf dem Platz das nötige Gewicht bekommen. Für Flemming wird der Fall sogar gefährlich. Insgesamt ist der Fall dann aber etwas zu konstruiert. Dubiose Spielerfrauen, seltsame Vereinsverantwortliche und ein bis zwei Fährten zu viel, hemmen die Spannung eher, als sie zu steigern. Dennoch lässt sich der Krimi gut lesen, auch für Fans.

Heimat (21) – Nürnberg gegen Union Berlin

Der Club gegen Union in der Alten Försterei am 7. November 2015
Der Club gegen Union in der Alten Försterei am 7. November 2015

Die eigene Heimat muss nicht die Heimat der eigenen Kinder sein. Wer mit seinen Kindern umgezogen ist oder vor deren Geburt die Region der eigenen Kindheit verlassen hat, merkt das immer wieder an Kleinigkeiten. So richtig deutlich wird dies aber, wenn der Sohn zum selben Fußballspiel geht wie man selbst, sich aber in der Kurve des Gegners heimisch fühlt. Da steht man dann in der Alten Försterei bei einem Spiel von Union Berlin auf einmal im Gästeblock oder direkt daneben. Das eigene Kind singt unweit des Capos der Union-Ultras Lobgesänge auf die Eisernen. Und noch schlimmer: Es jubelt, wenn im Netz des 1. FC Nürnberg das Netz zappelt.

Das fühlt sich dann ein bisschen falsch an. Der eine feiert, während der andere die Arme über dem Kopf zusammenschlägt, weil der Torwart mit einem veritablen Patzer Union wieder ins Spiel bringt. In der Masse der Jubler oder der der Entsetzten ist rationale Neutralität nicht möglich. Es zählt nur das Gefühl der Zugehörigkeit. Der Franke feiert die Franken. Der Fast-Berliner die Köpenicker.

Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, welche Kraft, welche Freude, welches Leiden ein Fußballspiel auslösen kann. Man uniformiert sich mit Trikot, Schal oder Vereinslogo. Man ist und will Teil einer Gruppe sein, die sich in der Regel aus regionaler Verbundenheit zu einem Verein bekennt. Und das lässt sich auch gar nicht ablegen. Jeder Versuch scheitert. Es ist allenfalls möglich, Sympathie für den Club des Sohnes zu fühlen. Aber echtes Fan-Sein ist eigentlich ausgeschlossen. Das wäre ja so, als würde man seine Heimat vergessen wollen. Wie absurd!

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
(3) Leberkäsweck
(4) Bilder aus Hammelburg
(5) Schlesisch Blau in Kreuzberg
(6) Danke Biermösl Blosn!
(7) Weinlaub und Weintrauben
(8) Laufwege in Buchenwäldern
(9) Fränkische Wirtschaft
(10) Bamberger Bratwörscht am Maibachufer
(11) Weißer Glühwein
(12) Berlin
(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
(18) Federweißen aus Hammelburg
(19) Wo die Polizei einem vertraut
(20) Erinnerungen in Aschaffenburg
(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Heimat (20) – Erinnerungen in Aschaffenburg

Markt in Aschaffenburg auf dem Schlossplatz

Als Kind gehörten die Fahrten nach Aschaffenburg zum Familienalltag. Die Großeltern lebten dort, der Vater war hier aufgewachsen. Die Mutter verbrachte ihre Jugend in der Stadt am Main. Und bei vielen Schwimmwettkämpfen waren die Becken von Hallen- und Freibad der Ort für jugendliche Niederlagen und Siege, wenn Poseidon Aschaffenburg als Veranstalter auftrat.

VieDie ehemalige Schlosserei Chevalierle Jahre später beim Spaziergang durch Aschaffenburg prasseln  Erinnerungen an etliche Momente von damals ins Gedächtnis. Es sind vor allem Töne, die dieses Gefühl von Heimat auslösen. Es ist der Klang des Dialektes, der so sehr Hessisch ist und doch auch fränkische Anteile hat. Einer Mundart, die aus dem Namen der Schlosserei, in der mein Vater als 14jähriger in die Lehre musste, um zum Ernährer der Familie zu werden, ein völlig anderes Wort formte. Beim „Schwalje“ hat er gelernt. Dass der Betrieb hinter dem Theater, in der gleichen Gasse wie der  „Schlappeseppl“ eigentlich „Chevalier“ hieß, habe ich erst bei einem späten Besuch als Erwachsener begriffen. Es ist der Tonfall, den mein Vater nie ablegte. Und so höre ich bei jedem aufgeschnappten Wort auch ihn.

Pompejanumstraße 4 in Aschaffenburg

Vor dem Haus, in dem meine Mutter in Aschaffenburg wohnte, beschäftigt mich ein anderer Gedanke. Hier war ich nie. Ihre Familie lebte nur relativ kurz in Aschaffenburg. Dennoch steckt auch in diesem Haus, das schräg gegenüber dem Pompejanum liegt, ein Keim von Heimat. Hätte sie hier nicht gelebt, hätte sie meinen Vater nicht kennengelernt. Ich kenne das nur aus Erzählungen, aus der mündlichen Familiengeschichte, die hier in den Steinen eines Hauses, das ich nicht kenne, Gestalt annimmt. Und so geht es mit vielen anderen Orten in der Stadt weiter. Aus dem Klang des Dialekts, den Eindrücken von den Gebäuden und der Erinnerung an Erlebtes und sehr viel nur Erzähltes formt sich ein wohliges Gefühl.

Blick aufs Pompejanum in Aschaffenburg

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Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
(3) Leberkäsweck
(4) Bilder aus Hammelburg
(5) Schlesisch Blau in Kreuzberg
(6) Danke Biermösl Blosn!
(7) Weinlaub und Weintrauben
(8) Laufwege in Buchenwäldern
(9) Fränkische Wirtschaft
(10) Bamberger Bratwörscht am Maibachufer
(11) Weißer Glühwein
(12) Berlin
(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
(18) Federweißen aus Hammelburg
(19) Wo die Polizei einem vertraut
(20) Erinnerungen in Aschaffenburg
(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Reisetagebuch von 1802 – Ein faszinierender Urlaub in Deutschland

 Heinrich und Christine Gondela: Auf der Reise ins ParadiesZwei Monate quer durch Deutschland – das war der Plan  von Christine und Heinrich Gondela. Von Bremen über Braunschweig, Leipzig, Meißen nach Dresden. Und dann weiter durchs Elbsandsteingebirge nach Karlsbad, Bayreuth, Bamberg und Würzburg in Richtung Heidelberg und die Pfalz, um schließlich über Frankfurt und Marburg, Kassel, Hannover zurück nach Bremen. Eine Reise, bei der sich ein Bremer Senator und seine Frau auf die Suche nach Sehenswürdigkeiten aus Kultur und der Natur machten.

„Auf die Reise ins Paradies – Das Reisetagebuch von Heinrich und Christine Gondela aus dem Jahr 1802“ ist ein echtes Fundstück. In der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek ist die Handschrift entdeckt und Michael Rüppel herausgegeben worden. Insofern erscheint der Text tatsächlich jetzt zum ersten Mal. Denn die Gondelas hatten ihn nur für den privaten Gebrauch angefertigt. Er ist in schriftlicher Form das, was noch vor wenigen Jahren Fotoalben von Urlaubsreisen waren. Zwar hat Heinrich Gondela auch einige Zeichnungen angefertigt, doch die Füller der Eindrücke ließen sich nur schriftlich festhalten. Da ein Urlaub vor mehr als 200 Jahren noch nichts Selbstverständliches war, legte das Ehepaar großen Wert darauf, noch viele Jahre von der Reise zehren zu können. Deshalb schrieb auch Christine das Tagebuch auf. Ihre Schrift war gut leserlich, anders als die ihres Mannes.

Die Bremer hatten ein Ziel im Süden: Christine brachte ein Weingut im Badischen in die Ehe mit ein. Hier wollten sie hin. Aber der Weg dahin sollte nicht direkt sein, sondern den Blick für Neues eröffnen. Was sie zum Beispiel über Dresden schreiben, lässt sich teilweise noch heute nacherleben. Etwa der Besuch der Kunstgalerie, der Frauenkirche oder des Grünen Gewölbes. All das beschreiben die beiden ganz genau – bis hin zu einzelnen Bildern aus der Galerie. Aber etliches ist für uns heute natürlich auch ganz fremd. Vor allem die Beschreibungen des Reisens selbst. Ob Achsbrüche, schlechte Straßen oder die Einkehr in den Poststationen, wo die Pferde gewechselt wurden. Auch diese Aspekte der Reise schildern Christine und Heinrich Gondela ganz genau – uns ermöglichen uns so einen faszinierenden Blick ins Reisen des frühen 19. Jahrhunderts.

Mindestens genauso spannend ist das, worauf sich die Reisenden neben Natur und Kultur noch konzentrieren. In Bamberg und Würzburg besuchen sie die Spitäler. Das Bamberger galt damals als das modernste Deutschlands und das Julius-Spital in Würzburg stand ihm nicht viel nach. Wer käme von uns auf die Idee, seinen Urlaub mit dem Besuch von Krankenhäusern zu verbringen? Für uns heute sind diese Aspekte des wunderbaren Reisetagebuchs ein echter Gewinn. Insgesamt entsteht ein Zeitpanorama Deutschlands von 1802. Denn die Gondelas nehmen auch die politischen Diskussionen der Zeit auf. Etwa die Besetzung der Bistümer Bamberg und Würzburg durch bayerische Truppen, die beide ein Jahr später Bayern zugeschlagen wurden. Oder die Frage, die die Heidelberger bewegte, ob die Pfalz bayerisch bleibt oder zu Baden kommt. All das schildern die beiden mit Klarheit.

„Die Andere Bibliothek“ hat das Buch mit vielen Stichen aus den frühen 19. Jahrhundert ergänzt. Für uns, die wir eher Fotoalben als Reisetagebücher gewohnt sind, eine schöne Ergänzung für die Augen und die Vorstellungskraft.

Mehr von der Anderen Bibliothek auf diesem Blog…

Heimat (19) – Wo die Polizei einem vertraut

Nachts um kurz nach zehn. Es ist dunkel. Menschen sind kaum auf der Straße. Und die Zahl der Autos ist auch sehr beschränkt. Ich fahre mit unserem Viano durch Hammelburg. Mein Kennzeichen outet mich als Ostdeutschen. Ich bin also ein Fremder in der fränkischen Kleinstadt.

Das denkt sich auch die Polizei. Sie hält mich an. Ist sehr höflich, als sie um meine Papiere bittet. Und spricht es deutlich aus: „Verkehrskontrolle. Sie fahren mit einem fremden Kennzeichen. Kann ich bitte Ihre Papiere sehen?“ Das ist freundlich und direkt. Genauso wie meine Antwort: „Ich habe keine Papiere dabei. Sie sind in der elterlichen Wohnung.“ „Ach, Sie stammen von hier?“ „Ja, ich bin in Hammelburg geboren.“ „Und bis wann waren Sie dann hier?“ „Endgültig bin ich mit dem Ende des Studiums weg. Aber ich bin war hier auch in der Schule.“

So blänkeln wir hin und her. Wir klären, dass das Auto auf mich zugelassen ist. Von Satz zu Satz wird der Dialekt stärker. Bis wir darauf kommen, dass ich mit einem Kollegen des Polizisten in einer Klasse war. Spätestens dann ist alles klar. Auch wenn ich ein fremdes Kennzeichen habe, gehöre ich doch hier her. Und mit diesem Vertrauen im Rücken, entschuldige ich mich für die vergessenen Kfz-Papiere. Auf die leichte Mahnung, sie in Zukunft dabei zu haben, folgt der schöne Satz: „Sie sind ja eine vertrauenswürdige Person. Schönen Abend noch. Und nichts für ungut wegen der Kontrolle.“

So ist das mit der Heimat. Sie erzeugt ein schönes Gefühl von Vertrauen und Sicherheit – manchmal sogar direkt durch die Polizei.

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
(3) Leberkäsweck
(4) Bilder aus Hammelburg
(5) Schlesisch Blau in Kreuzberg
(6) Danke Biermösl Blosn!
(7) Weinlaub und Weintrauben
(8) Laufwege in Buchenwäldern
(9) Fränkische Wirtschaft
(10) Bamberger Bratwörscht am Maibachufer
(11) Weißer Glühwein
(12) Berlin
(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
(18) Federweißen aus Hammelburg
(19) Wo die Polizei einem vertraut
(20) Erinnerungen in Aschaffenburg
(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Hammelburg Einst und Jetzt (12) – Kissinger Straße

Hindenburg Straße  (1935)

Der Blick von der Amtsgerichtskreuzung in Richtung Marktplatz zeigt die Kissinger Straße in der Hammelburger Altstadt. 1935 war die Straße nach dem Feldmarschall und Reichspräsidenten Hindenburg benannt, der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und damit die Nationalsozialisten an die Macht brachte.

Die auffälligste Veränderung ist neben den Leuchtreklamen am Deutschen Haus zu sehen. Nur noch das Erdgeschoss ist in Sandstein. Alles andere wurde mit Fachwerk neu aufgesetzt und erweitert. Bis in die 1990er-Jahre war im Deutschen Haus eine typische Wirtschaft. Heute ist ein Hotel und mit der Wandelbar eine neue Form Gastronomie im Deutschen Haus.

Kissinger Straße

 

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

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Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

Die Transparente sind in Elfershausen nicht zu übersehen. Überall im Ort gibt es Hinweise auf die große Nord-Süd-Stromtrasse, die entlang der A 7 das Saaletal nach dem Willen der Bundesregierung queren soll. Der Unmut über die Verschandelung der Landschaft ist groß. Und damit auch der Unmut über die Energiewende.

Wer durch das Dorf geht, sieht auf vielen Haus- und Scheunendächern Photovoltaikanlagen. Erneuerbare Energien sind den Elfernshäuserern also nicht fremd. Hier erzeugen sie regenerativen Strom, nutzen die Chancen, die vor allem unter rot-grün für Häuslebauer und Landwirte geschaffen wurden. Grüner Strom für gutes Geld. Sie sind Teil einer Bewegung, die Deutschland zu dem Land gemacht, in dem der Umstieg von Atom- und Kohlestrom auf Sonne, Wind, Wasser und Biogas den großen Energieversorgern das Leben schwer macht.

Keine 30 Kilometer südlich von Elfershausen ist das Atomkraftwerk Grafenreinfeld. Es soll im Mai 2015 stillgelegt werden. Schweinfurts Industrie benötigt auch dann noch sehr viel Strom. Mengen, die von den tatsächlich sehr vielen Solaranlagen auf den Dächern der Region nicht gedeckt werden können. Und weil Grafenreinfeld kein Einzelfall in Bayern ist, könnte es dort in den kommenden Jahren zu Stromengpässen kommen. Deshalb will der Bund den Windstrom von der Küste, aus Schleswig-Holstein, Brandenburg oder Niedersachsen und von den projektierten Offshore-Windparks mit der großen Nord-Süd-Stromtrasse mach Bayern bringen.

Eine Idee, die angesichts des aktuellen Situation gar nicht so falsch ist. Aber nur, wenn man vergisst, wie in den vergangenen 15 Jahren die Diskussion über die Energiewende lief. Da waren es vor allem CSU, CDU und FDP, die verzögerten, wo es nur ging. Jetzt sind es genau die Vertreter dieser Parteien, die den Widerstand gegen die Stromtrassen anführen. Und die Aktivisten der Energiewende, die stets für eine dezentrale Energieversorgung stritten, stehen auf einmal als die Verteidiger der Stromtrassen da. Denn die Blockade des frühen Umbaus des Energiesystems von zentral auf lokale und dezentrale Versorger führte dazu, dass es jetzt zu wenig Stromversorgung – gerade in Bayern und Baden-Württemberg – vor Ort gibt, um das Wegfallen eines Atomkraftwerkes zu kompensieren.

Wer die Energiewende heute also noch immer will, obwohl in der Vergangenheit die Weichen wegen der Blockierer falsch gestellt wurden, muss für die Stromtrassen sein. Und damit für eine weitere Verschandelung des Saaletals. Das ist absurd. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Trassen auch mit billigem Braunkohlestrom verstopft werden. Aber anders wird es nicht gehen. Ärgerlich ist nur, dass sich heute die gleichen Parteien und Politiker gegen die Stromtrasse stellen, die sich in der Vergangenheit gegen den schnellen Umbau des Stromsystems stellten. Und diejenigen, die solche Stromtrassen eigentlich nie wollten, weil sie keine zentralen Versorgunsgeinheiten mehr wollten, sind heute dafür.

Das ist schon seltsam. Und für die Elfershäusener, die keine Stromtrasse im Saaletal wollen, ist das auch kein Trost. Egal, ob sie eine Solaranlage auf dem Dach haben oder nicht.

 

Staubige Autos in Ramsthal

Autos in Ramsthal

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So grau wie die unverputzte Fassade ist der Staub auf den Autos. Am Ortsrand, noch hinter dem Sportplatz steht die Halle mit den vielen Autos. Die meisten Kadetts und Golfs, die vor 30 Jahren in Ramsthal und der ganzen Bundesrepublik die Straßen bevölkerten, sind längst verschrottet. Aber hier in dieser Halle haben sie überdauert. Die Staubschicht dämpft die Farbe so wie sie das Sonnenlicht die Farbfotos aus dieser Zeit entfärbt. Und so ist die Begegnung mit den Autos in Ramsthal eine verwirrende Begegnung mit er Vergangenheit.

Hammelburg Einst und Jetzt (11) – St. Nepomuk

St. Nepomuk vor dem Brunnen auf dem Marktplatz (vor 1925)

Beim St. Nepomuk denkt man in der Regel an einen Brückenheiligen. In Hammelburg ist das anders. Da stand er nie auf einer Brücke. Auf der alten Saale-Brücke, die von der Wehrmacht kurz vor Ende des Krieges in die Luft gesprengt wurde – und damit als eine der ältesten Brücken Deutschlands vernichtet wurde – stand ein Marien-Bildnis.

Den St. Nepomuk hat der Fürstabt zu Fulda Amandus von Buseck im Jahr 1756 schaffen lassen. Aufgestellt wurde er auf dem Marktplatz vor dem schönen Renaissance-Brunnen, auch wenn er da eigentlich nicht hingepasst hat. In Aufnahmen, die vor 1933 entstanden sind, ist er auf diesem Platz zu sehen. in späteren befindet sich der St. Nepomuk auf dem Viehmarkt vor der Rückseite des Bürgerspitals. Dort steht er auch heute noch und belohnt den Besucher, der ihn nicht nur von vorne betrachtet. Denn auf seiner Rückseite ist ein Engel zu sehen. Früher sah man diesen vom Brunnen aus. Und damit sicherlich deutlich häufiger als heute.

St. Nepomuk auf dem Viehmarkt vor dem Bürgerspital im Juli 2014

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße