Heimat (19) – Wo die Polizei einem vertraut

Nachts um kurz nach zehn. Es ist dunkel. Menschen sind kaum auf der Straße. Und die Zahl der Autos ist auch sehr beschränkt. Ich fahre mit unserem Viano durch Hammelburg. Mein Kennzeichen outet mich als Ostdeutschen. Ich bin also ein Fremder in der fränkischen Kleinstadt.

Das denkt sich auch die Polizei. Sie hält mich an. Ist sehr höflich, als sie um meine Papiere bittet. Und spricht es deutlich aus: „Verkehrskontrolle. Sie fahren mit einem fremden Kennzeichen. Kann ich bitte Ihre Papiere sehen?“ Das ist freundlich und direkt. Genauso wie meine Antwort: „Ich habe keine Papiere dabei. Sie sind in der elterlichen Wohnung.“ „Ach, Sie stammen von hier?“ „Ja, ich bin in Hammelburg geboren.“ „Und bis wann waren Sie dann hier?“ „Endgültig bin ich mit dem Ende des Studiums weg. Aber ich bin war hier auch in der Schule.“

So blänkeln wir hin und her. Wir klären, dass das Auto auf mich zugelassen ist. Von Satz zu Satz wird der Dialekt stärker. Bis wir darauf kommen, dass ich mit einem Kollegen des Polizisten in einer Klasse war. Spätestens dann ist alles klar. Auch wenn ich ein fremdes Kennzeichen habe, gehöre ich doch hier her. Und mit diesem Vertrauen im Rücken, entschuldige ich mich für die vergessenen Kfz-Papiere. Auf die leichte Mahnung, sie in Zukunft dabei zu haben, folgt der schöne Satz: „Sie sind ja eine vertrauenswürdige Person. Schönen Abend noch. Und nichts für ungut wegen der Kontrolle.“

So ist das mit der Heimat. Sie erzeugt ein schönes Gefühl von Vertrauen und Sicherheit – manchmal sogar direkt durch die Polizei.

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
(3) Leberkäsweck
(4) Bilder aus Hammelburg
(5) Schlesisch Blau in Kreuzberg
(6) Danke Biermösl Blosn!
(7) Weinlaub und Weintrauben
(8) Laufwege in Buchenwäldern
(9) Fränkische Wirtschaft
(10) Bamberger Bratwörscht am Maibachufer
(11) Weißer Glühwein
(12) Berlin
(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
(18) Federweißen aus Hammelburg
(19) Wo die Polizei einem vertraut
(20) Erinnerungen in Aschaffenburg
(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Hammelburg Einst und Jetzt (12) – Kissinger Straße

Hindenburg Straße  (1935)

Der Blick von der Amtsgerichtskreuzung in Richtung Marktplatz zeigt die Kissinger Straße in der Hammelburger Altstadt. 1935 war die Straße nach dem Feldmarschall und Reichspräsidenten Hindenburg benannt, der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und damit die Nationalsozialisten an die Macht brachte.

Die auffälligste Veränderung ist neben den Leuchtreklamen am Deutschen Haus zu sehen. Nur noch das Erdgeschoss ist in Sandstein. Alles andere wurde mit Fachwerk neu aufgesetzt und erweitert. Bis in die 1990er-Jahre war im Deutschen Haus eine typische Wirtschaft. Heute ist ein Hotel und mit der Wandelbar eine neue Form Gastronomie im Deutschen Haus.

Kissinger Straße

 

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Hammelburg Einst und Jetzt (11) – St. Nepomuk

St. Nepomuk vor dem Brunnen auf dem Marktplatz (vor 1925)

Beim St. Nepomuk denkt man in der Regel an einen Brückenheiligen. In Hammelburg ist das anders. Da stand er nie auf einer Brücke. Auf der alten Saale-Brücke, die von der Wehrmacht kurz vor Ende des Krieges in die Luft gesprengt wurde – und damit als eine der ältesten Brücken Deutschlands vernichtet wurde – stand ein Marien-Bildnis.

Den St. Nepomuk hat der Fürstabt zu Fulda Amandus von Buseck im Jahr 1756 schaffen lassen. Aufgestellt wurde er auf dem Marktplatz vor dem schönen Renaissance-Brunnen, auch wenn er da eigentlich nicht hingepasst hat. In Aufnahmen, die vor 1933 entstanden sind, ist er auf diesem Platz zu sehen. in späteren befindet sich der St. Nepomuk auf dem Viehmarkt vor der Rückseite des Bürgerspitals. Dort steht er auch heute noch und belohnt den Besucher, der ihn nicht nur von vorne betrachtet. Denn auf seiner Rückseite ist ein Engel zu sehen. Früher sah man diesen vom Brunnen aus. Und damit sicherlich deutlich häufiger als heute.

St. Nepomuk auf dem Viehmarkt vor dem Bürgerspital im Juli 2014

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Hammelburg Einst und Jetzt (10) – Freibad (heute Saaletalbad)

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Am 10. Mai 1974 ist in Hammelburg das Freibad eröffnet worden. Das Bild entstammt einer Broschüre zur Eröffnung und ist wenige Wochen zuvor aufgenommen worden. Die Rutsche ist noch nicht fertig; genauso wie der Sprungturm, an dem die Leiter und die Geländer noch fehlen.

Heute heißt das Freibad „Saaletalbad“. Von der klaren Sicht auf das Becken ist nichts mehr zu sehen. Zum einen, weil der Baumbestand in den vergangen 40 Jahren zu schönen schattenspendenden Bäumen herangereift ist. Viel massiver ist aber der Umbau zu erkennen. Das Nichtschwimmerbecken mit Rutsche und 20-Meter-Bahnen im hinteren Teil gibt es nicht mehr. Es wurde beim Umbau zugeschüttet. Stattdessen ist das um eine Bahn verkleinerte 50-Meter-Becken um einen Nichtschwimmerbereich erweitert worden. Und die Bademeisterkabine befindet sich jetzt fast direkt am Becken.

Trotz aller Umbaumaßnahmen ist der Sprungturm aber erhalten worden. Eine Attraktion, die nach wie vor viel genutzt wird. Und die 50-Meter-Bahnen wurden im Kern auch nicht angetastet. Zum Glück. Statt Spaß-Wahnsinn existiert nun eine schöne Mischung aus Schwimmbad, Sprungturm und vielen Möglichkeiten zum Spielen und Räubern – etwa auf den beiden Beach-Volleyballplätzen.

Saaletalbad Hammelburg
Saaletalbad Hammelburg

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Spectaculum in Hammelburg vor 25 Jahren

Es war die Idee des Pfarrgemeinderats in Hammelburg. Zum 600. Grundsteinjubiläum der Stadtpfarrkirche im Jahr 1989 sollte etwas ganz Besonderes geschehen. Ein Theaterstück, bei dem die Zeit der Grundsteinlegung vor den Augen der Zuschauer wiederbelebt wird. Als Werner Bergmann, der im Frobenius Gymnasium schon viele Jahre Theatergruppen geleitet hatte, gefragt wurde, ob er sich so etwas vorstellen könnte, ließ er sich nicht zweimal fragen. Lediglich Mitstreiter benötigte er.

Sein Kollege Erhard Schenk war sofort dabei. Und einige Schauspiel-Verrückte, um die herum die große Gruppe entstehen sollte, benötigte er auch noch. Irgendwann zwischen Abitur und Zeugnisausgabe fragte er mich und die anderen. Und dann begann für ihn und Erhard Schenk die Arbeit an den Texten, bevor nach den Sommerferien die ersten Proben begannen und weitere Akteure für die vielen Rollen gewonnen werden mussten.

Spectaculum 1989 in Hammelburg

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Spectaculum 1989 in Hammelburg

Es sollte etwas entstehen, das nicht aus heutiger Perspektive über das Mittelalter erzählte, sondern die Texte der Zeit zu einem großen Bilderbogen des Denkens, Fühlens und Glaubens der Menschen vor 600 Jahren aufzeigte. Und das mit der Kirche als Mittelpunkt. Weshalb Werner Bergmann auch sofort daran dachte, um die Kirche herum zu spielen, auf dass die Zuschauer die Kirche bei fast allen Szenen fest im Blick hätten.

Ausgangspunkt des Spectaculums ist ein Disput zwischen einem frommen Mönch (Hans-Jürgen Burdack) und Luzifer (ich) über die Verführbarkeit der menschlichen Seelen. Luzifer schickt einen Verführer (Ulrike Scheblein) aus, um mit tatkräftiger Unterstützung der sieben Todsünden die Menschen vom Weg des rechten Glaubens abzubringen. In diesem Rahmen spielen sich an unterschiedlichen Orten rund um die Kirche und das Rote Schloss die Szenen ab, die unterschiedliche Texte des Mittelalters dem Publikum nahe bringen. Von Walther von der Vogelweise bis Hans Sachs, von philosophischen Gedanken bis zotigen Schwänken.

Ich lernte so schon viele Texte über dieses Theaterspielen kennen, die in meinem Studium dann ausführlicher gelesen wurden. Und ich machte die Erfahrung, dass Theater etwas Rauschhaftes haben kann. Als Luzifer, als Teufel die Zuschauer in den Bann zu schlagen, war Berauschend. Vor allem bei der dritten Aufführung, der zusätzlichen, weil die Nachfrage nach diesem so besonderen Theater so groß war. Da hatte es nachmittags geregnet, die Kabel waren nass. Wir mussten kurzfristig in die Kirche umziehen. Und in der Kirche, am Altar das teuflische Spiel zu spielen war fast schon irre (so wie die Rolle ja in der Zwangsjacke etwas irrsinniges hatte).

Aus der Idee des Pfarrgemeinderats, ein Theaterstück für ein Jubiläum anzuregen, war im Sommer 1989 in Hammelburg ein erstaunliches Gemeinschaftserlebnis geworden. Da spielten alle Generationen zusammen Theater. Da trafen sich Soldaten und Schüler, Lehrer und Zahnärzte, Redakteure und Leser ein Jahr lang zum Proben. Sie setzten etwas um, das die meisten anfangs für zumindest eine leichte Form des Größenwahns hielten. Und sie alle bannten die Zuschauer, die sich nicht nur von den sich geißelnden Mönchen angesprochen fühlten. Obwohl es nur dreimal aufgeführt wurde, ist dieses erste Spectaculum noch immer in der Erinnerung präsent.

P.S. Ich hoffe, die Fotografen der Aufnahmen haben nichts gegen die Veröffentlichung nach 25 Jahren hier bei mir.

Die Lauscher der NSA in der alten Heimat

Es war Anfang der 80er-Jahre, als die Deutsche Bundespost in Hammelburg eine Erdfunkstelle bauen wollte. Satelliten-Verbindungen zum Telefonieren in die Welt und TV-Übertragungen aus aller Welt, das wollte der Vorgänger der Telekom dort abwickeln. Unterschriften wurden gesammelt, im Gymnasium und andernorts diskutiert – und die Nachbarn aus Fuchsstadt ergriffen die Chance, um das Wunderwerk der modernen Kommunikation auf die eigene Gemarkung zu holen. In der Hoffnung auf eine touristische Attraktion machte der Gemeinderat den Weg zum Bau der Anlage frei, während in Hammelburg über die Verschandelung des Saaletals und das Pro und Contra geschlossener, beziehungsweise transparenter, in die Erde eingelassener Parabolspiegel debattierte wurde.

Und dann stand sie da. War als Attraktion nachts sogar beleuchtet, damit die Autofahrer auf der nahen Autobahn das Wunderwerk bestaunen konnten. Bis die Telekom die Parabolspiegel verkaufte. An eine US-Firma, die sich sicher war, dass solche Anlagen doch noch Geld bringen würden. Und dann wuchsen immer mehr Lauscherohren im Saaletal. Immer kleiner wurden sie, viele sind selbst vom Weinberg kaum noch zu sehen. Etwa 50 sind es inzwischen.

Als die Enthüllungen von Edward Snowden bekannt wurden, musste ich sofort an die Erdfunkstelle denken. Schließlich sind es ja US-Firmen, die gesetzlich dazu verpflichtet sind, der NSA und den anderen Geheimdiensten Daten zur Verfügung zu stellen. Aber all die Jahre, in denen ich quasi in Blickweite der Spionage-Lauscher lebte und all die vielen Jahre, in denen ich bei den Spaziergängen auf Heimaturlaub auf sie hinab blickte, war der Gedanke daran nicht vorhanden. Erst Snowden und in der Folge das Rechercheprojekt von Süddeutscher Zeitung und Norddeutschen Rundfunk öffnete die Augen, was da in der Heimat Bedrohliches gewachsen ist. Das ist schon ein seltsames Gefühl, dass es richtig war Anfang der 80er-Jahre gegen die Anlage gewesen zu sein – aber aus einem viel bedrohlicherem Grund, als wir damals dachten.

P.S: Und das alles nur, weil die Luft in Hammelburg so gut ist. Denn deshalb hatte sich die Bundespost das Saaaletal ausgesucht. Wegen der klaren Luft und den wenigen Störungen, die das auf die Satelliten-Kommunikation garantierte.

Heimat (18) – Federweißen aus Hammelburg

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Wie Sauna ohne Aufguss, wie Schwimmen ohne Wasser, wie Bücher ohne Buchstaben – so ist ein Herbst ohne Federweißen. Mindestens einmal im Oktober müssen es einige Gläser des gärenden Traubenmostes aus Hammelburg sein. Das geht natürlich nur, wenn ich es während der Weinlese in die Heimat schaffe. Zum Glück klappt es eigentlich jedes Jahr. Ansonsten würde sich der Herbst ja anfühlen wie Schwimmen ohne Wasser oder ein Buch ohne Buchstaben…

Federweißen in Flaschen, wie man ihn in den Supermärkten ja auch in Berlin kaufen kann, ist keine echte Alternative zum heimischen Getränk. Denn meist ist er zu süß und nicht weit genug vergoren, um gut zu schmecken. Sonst könnte er ja nicht so weit transportiert werden. Beim Winzer daheim aber kann ich mir den Federweißen so abfüllen lassen, dass ich ihn zusammen mit Freunden auch einige Tage später trinken kann. Dafür geht er in den Keller und füllt meinen Kanister mit noch jungem Federweißen, der dann tatsächlich acht Tage später genau so weit vergoren war, dass er süffig war ohne zu süß zu sein.

Und so war das Schoppenglas auch in diesem Jahr wieder ein Genuss. Ein seltener, besonderer Genuss, weil es den Federweißen ja nur so selten gibt.

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
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(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
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(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
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(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
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(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Fragen kultureller Divergenz zum Schoppen

Ein herrlicher Sonntag. Die Sonne scheint. Das Freibad ist mittags noch lange nicht überfüllt. Das Bahnenziehen hat gut getan. Die Kühle das Wassers wirkte belebend. Und die Begegnung mit einem alten Freund ist eine Freude. Und zwar eine so große, dass irgendwann die Frage kommt: „Ein Frühschoppen wäre doch jetzt fein?“

Und so gehen wir zum Kiosk im Freibad, freuen uns auf das Bier, auf den Augenblick, in dem der erste Schluck die Kehle prickeld kühlt, auf die gesellige Satt- und Zufriedenheit, die sich einstellen wird. Bis die Frage der kleinen Tochter kommt: „Warum gehen Männer im Freibad eigentlich shoppen?“

Ja warum eigentlich? „Weil das früher üblich war. Vor allem am Sonntag nach der Kirche.“ Das antworte ich planlos vor mich hin – und merke erst dabei, dass das Kind etwas ganz anderes meinte. Shopppen! Einkaufen! Und nicht Schoppen, Frühschoppen. Das in Berlin geborene Kind kennt das gar nicht. Und hier? In Hammelburg wüsste wohl jedes Kind mit dem Wort etwas anzufangen. So sind sie, die kulturellen Unterschiede. Und um diese zu überwinden, lässt sich ein Prost nicht vermeiden. Mit einem frischen, kühlen Hefeweizen.

Hammelburg Einst und Jetzt (9) – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt

Blick von Schloss Saaleck auf Hammelburg um 1960

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Anblick Hammelburgs vor allem im Hintergrund verändert. Ob Krankenhaus oder Erdfunkstelle, ob Hochhaus oder Gewerbegebiet in Westheim, die Stadt hat sich schon sehr verändert.

Blick von Schloss Saaleck auf Hammelburg im Mai 2013

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
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(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Heimat (17) – Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren

Mit Herbert Trimbach in Bad Freienwalde
Mit Herbert Trimbach in Bad Freienwalde

Bad Freienwalde ist fast 600 Kilometer von Hammelburg entfernt. Ganz im Osten kurz vor der polnischen Grenze liegt die Kleinstadt. Hier habe ich einen alten Hammelburger getroffen. Und das nach 20 Jahren das erste Mal wieder.

Damals, Ende der 80er, Anfang der 90er hätten wir uns beide wohl nicht vorstellen können, jemals nach Bad Freienwalde zu kommen. Aber jetzt stehen wir hier und diskutieren mit vielen anderen über die Zukunft der Feuerwehr. Herbert Trimbach als Abteilungsleiter des Potsdamer Innenministeriums und ich als Journalist des rbb.

Es ist ein Stammtisch, bei dem wir uns treffen, der Antenne Stammtisch. Früher sahen wir uns auch oft am Stammtisch, beim Siggi in der Wirtschaft am Viehmarkt bei unfiltriertem Bier. Da war Herbert Trimbach Stadtrat in Hammelburg und beim Siggi trafen sich Vertreter aller politischen Gruppierungen, um zu diskutieren – und das nicht nur über Politik.

Jetzt, nach 20 Jahren, gab es kein unfiltiertes Bier. Viel Zeit zum Austausch alter Erinnerungen blieb auch nicht. Aber dieses Treffen war ein Stück Heimat – sprachlich und weil es Erinnerungen zu Tage förderte. Da ist dann Bad Freienwalde auf einmal ganz nah bei Hammelburg.

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
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(12) Berlin
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(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
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(18) Federweißen aus Hammelburg
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