Berliner Fußballplätze: Poelchau Schule in Charlottenburg

„Hier sieht es ja nich genauso aus wie vor 30 Jahren.“ Der Ausruf eines Vaters klingt völlig plausibel. Obwohl. Vor 30 Jahren waren die Lampen bestimmt noch alle in Ordnung. Und der Gesamteindruck der Poelchau-Schule war sicherlich auch besser.

Bezeichnend ist das Schild, das den Bau als Eliteschule des Sports und Berliner Olympiastützpunkt ausweist. Es ist nicht ausgeblichen, es ist farblos verdreckt.

Aber der Berliner Senat hat offenbar erkannt, dass hier etwas passieren muss. Der Platz ist schon ein ganz moderner Kunstrasenplatz. Das Schulhaus der Poelchau Schule ist in Gerüst und Planen verhüllt. Es wird saniert. Nötig ist es. Für die Schule, für die Schüler, für die Lehrer und vor allem für ein gutes Sportklima an der Poelchau.

Mehr Berliner Fußballplätze:
SV Schmöckwitz Eichwalde
SSV Köpenick-Oberspree
HSG Blau-Weiß Hohenschönhausen
VfB Einheit Pankow
Poelchau Oberschule Charlottenburg
Borussia Pankow 1960
Blau Gelb Berlin
Frohnauer SC
SV Nord Wedding 1893
SC Borussia 1920 Friedrichsfelde
BSV Eintracht Mahlsdorf
VfB Hermsdorf
FC Viktoria 1899 Berlin
VfB Biesdorf
BSV Hürtürkel
RFC Liberta – Scharnweberstraße
Tennis Borussia Berlin – Hans-Rosenthal-Sportanlage
Concordia Wilhelmsruh – Nordendarena

Aleppo in Zeiten des Krieges

Pass von Rudolf Tillmetz, ausgestellt vom Konsulat in Aleppo.
Pass von Rudolf Tillmetz, ausgestellt vom Konsulat in Aleppo.

Am 12. September 1917 bekam Rudolf Tillmetz (1880 – 1966) vom Auswärtigen Amt in Berlin den Auftrag, nach Aleppo aufzubrechen. Der Kunstmaler sollte an der Deutschen Schule unterrichten. Das Auswärtige Amt ordnete an, dass ihm alle Stellen dabei helfen sollten.

Seit drei Jahren führte das Deutsche Reich Krieg. Auch im Osmanischen Reich war es nicht mehr überall ruhig. Aber eine Stadt wie Aleppo schien auf jeden Fall sicherer und deutlich besser versorgt als München. Insofern war ein Engagement an der dortigen Schule ein gutes Angebot für den Bruder meines Urgroßvaters.

Heute ist wieder Krieg. Aber nicht n Deutschland – nur in Syrien. Der Chef des Auswärtigen Amtes ist mit Beschwichtigungen beschäftigt. Hilfe für jene, die seit 19 Monaten gegen den Diktator Assad kämpfen, gibt es von Guido Westerwelle nicht. Die Altstadt, die Rudolf Tillmetz kannte, gibt es wegen des Beschusses durch Assads Truppen von der Zitadelle aus – und durch die Luftwaffe – nicht mehr. Und unzählige Menschen, die auf die Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des gesamten Westens gehofft hatte, sind gefallen.

Selbst am Ende des 1. Weltkrieges ging das Leben in Aleppo weiter – trotz des neuen Status als französische Kolonie. Die Stadt hat diesen Krieg überstanden. Rudolf Tillmetz auch. Seit vielen Jahren will ich Aleppo besuchen. Immer wieder hat es nicht geklappt. Vor 20 Jahren reichte es immerhin für Damaskus, aber nicht für Aleppo. Aleppo bleibt ein Traum. Inzwischen leider einer, der nie mehr so erfüllt werden kann, wie ich es immer wünschte. Und das auch, weil uns im Westen Aleppo und Syrien ziemlich egal ist. Leider.

Blick auf die Zitadelle von Aleppo um 1914
Blick auf die Zitadelle von Aleppo um 1914

Kerstin Schoor entdeckt deutsch-jüdische Literatur

In Bad Saarow (Oder-Spree) hat die Literaturwissenschaftlerin Kerstin Schoor neue Spuren entdeckt. Hier lebte ein jüdischer Autor während des Dritten Reiches. Das Haus, in dem Gustav Hochstetter wohnte, steht noch. Die Eigentümerin hat die Professorin der Viadrina in Frankfurt (Oder) darauf aufmerksam gemacht. Denn bei der Antrittsvorlesung von Kerstin Schoor war sie dabei.

Die Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration hat Kerstin Schoor seit April inne. Ihr Schwerpunkt war bisher die Erforschung des literarischen Lebens von Juden in Berlin nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Mehr als 1000 deutsch-jüdische Autoren publizierten bis 1938 in Berlin, auch der Mann aus Radinkendorf. Diese erstaunliche – und selbst in der Fachwelt eher unbekannte – Geschichte recherchierte die Literaturwissenschaftlerin.

Im Antenne Gespräch spricht sie über die Schwierigkeit, Tagebücher von Menschen zu lesen, die später ermordet wurden. Sie erzählt von der Bereicherung ihres Lebens, wenn sie mit Überlebenden sprechen konnte. Und sie schildert, wie sie Brandenburg und Berlin sowohl literarisch als auch wissenschaftlich interessiert.

Der Link zum Antenne Gespräch als Audio…

Heimat (15) – Glockenläuten in der Kleinstadt

Iphofen

Die Kleinstadt ruht. Am Sonntagmorgen regt sich fast nichts. Keine Autos fahren. Keine Stimmen dringen durch das gekippte Fenster. Selbst die verbliebenen Herbstvögel halten still.

Dann schlägt die hohe Kirchenglocke. Tiefere fallen mit ein. Seit Jahrhunderten hat sich daran nichts geändert. Der Ruf zum Kirchgang erfüllt das ganze Städtchen. Langschläfer werden wach.

Für einige Minuten breitet sich eine friedvolle Unruhe in mir aus. So klingt es am Sonntagmorgen in der Heimat. Und in mir klingt dieses Gefühl von Vertrautheit nach, schwingt sonore Behaglichkeit – und erst viel später dringt das Leben mit all seiner Widersprüchlichkeit wieder in mich vor.

Mehr Heimat:
(1) Mein Sprungturm
(2) Stänglich vom Schwab
(3) Leberkäsweck
(4) Bilder aus Hammelburg
(5) Schlesisch Blau in Kreuzberg
(6) Danke Biermösl Blosn!
(7) Weinlaub und Weintrauben
(8) Laufwege in Buchenwäldern
(9) Fränkische Wirtschaft
(10) Bamberger Bratwörscht am Maibachufer
(11) Weißer Glühwein
(12) Berlin
(13) Geburtstage bei Freunden aus dem Heimatort
(14) Gemüse aus dem eigenen Garten
(15) Glockenläuten in der Kleinstadt
(16) Italienische Klänge
(17) Erstaunliches Wiedersehen nach 20 Jahren
(18) Federweißen aus Hammelburg
(19) Wo die Polizei einem vertraut
(20) Erinnerungen in Aschaffenburg
(21) Nürnberg gegen Union Berlin
(22) Der DDR-Polizeiruf 110 „Draußen am See“

Jonathan Littell erschüttert mit seinen Notizen aus Homs

Jonathan Littell: Notizen aus Homs
Jonathan Littell: Notizen aus Homs

Mitten in Homs genießt Jonathan Littell am 27. Januar einige Stunden Ruhe ohne Beschuss. Selbst ein Spaziergang war ihm und dem Fotografen Read möglich: „Das Licht verändert sich pausenlos, während die Wolken vorbeiziehen. In den Pfützen spiegeln sich der Himmel und die Fassaden der Häuser.“ Ein Moment der Idylle verschafft ihm und dem Leser Ruhe zum Durchatmen. Aber der Spaziergang öffnet auch den Blick für die Gewaltbereitschaft des Assad-Regimes in Syrien: „Durch die Treppenhausöffnungen sieht man die Zitadelle, ganz nah, keine 200 Meter entfernt.“ 200 Meter. Für die Scharfschützen der syrischen Armee ist das keine Entfernung. Und deshalb nehmen sie ständig dieses Viertel mit Rebellen in Homs unter Beschuss.

Jonathan Littell war vom 16. Januar bis zum 2. Februar in Homs. Während ich einem jungen Mann lauschte, der aus dem Tagebuch einer jungen Frau aus den 20er-Jahren vorlas, hielt er sich da auf, wo Menschen auf ein Leben ohne Diktatur hofften. Während ich wohlig in einem hippen Neuköllner Raum zusammen mit zwei Freundinnen anläßlich eines Geburtstages lauschte, wie eine junge Frau ihre erste Liebe in ihrem Tagebuch diskutierte, war Littell da, wo Frauen und Kinder, wo Männer, die sich gegen Assad auflehnen –  und mit dem Leben bezahlen. Während wir Geburtstag feierten, wurden in Homs von Heckenschützen ermordeten beedigt. Für sie gibt es keine Geburtstage mehr. Littell besuchte die Untergrund-Hospitale, diskutierte die vergebliche Hoffnung auf Hilfe aus dem Westen, ertrug den Anblick von toten Männern, die von der Armee des eigenen Landes hingeschlachtet wurden.

Diese Diskrepanz macht den ruhigen und sachlichen Text Littells immer wieder unerträglich. Und doch muss er gelesen werden. Littells Buch ist ein Dokument, das zeigt, wie wir alle in Syrien versagt haben. Littell war vor dem großen Bombenangriff Assads auf Homs in der Stadt. Viele seiner Gesprächspartner leben nicht mehr – sie sind einige Tage nach Littells Ausreise von Assads Armee ermordet worden. Und das nur, weil sie Freiheit wollten, weil sie nicht mehr einem Diktator dienen wollten. Zu diesem Zeitpunkt hatten Islamisten kaum Einfluss auf Littells Gesprächspartner. Aber je länger der Westen zuschaut, wie Tausende, Zehntausende Syrer sterben, umso leichter wird die tatkräftige Hilfe von radikalen Islamisten angenommen. Denn es geht um das Überleben. Und in dieser Situation ist die tatsächliche Hilfe wichtig –  und nicht absurde Beschwörungen eines Friedens mit dem Diktator, den es nicht geben kann.

Littells Buch „Notizen aus Homs“ ist ein erschütternd starkes Buch. Am 29. Januar, an meinem eigenen Geburtstag, hat Littell von einem ehemaligen Gefängnisarzt geschildert bekommen, wie Ärzte Folter dulden oder gar selbst foltern. Zur gleichen Zeit, als ich in der Märchenhütte in Berlin Mitte ein hinreißend lustiges Märchenthaeterstück sah, erlebte Littell, wie Opfer von Scharfschützen nur mit Mühe gerettet werden können – und ein anderer Mann an seinen Verletzungen stirbt. Und während ich mit meiner Familie beim Türken Köstlichkeiten aß, die Littell auch in Syrien bekam, wird ihm ein Handy gezeigt, das eine Projektil ablenkte. Dieses Handy hat einem Mann das Leben gerettet. Es hat die Kugel so abgelenkt und gebremst dass sie einige Zentimeter vor dem Herzen stoppte. An das Geburtstagsessen zu denken, während ich das Buch lese, ist irre. So wie diese Welt, in der wir immer viel zu wenig helfen, den Wahnsinn zu beenden.

Jonathan Litell: Notizen aus Homs, Hanser Berlin.

Berliner Fußballplätze – SG Blau-Weiß Hohenschönhausen

Zwischen Plattenbauten liegt der Platz der SG Blau-Weiß Hohenschönhausen. Die sind natürlich inzwischen saniert. Das Umkleidegebäude wird gerade saniert. Der große Platz zeigt sein Alter. Anders der neue Kunstrasenplatz. Der ist deutlich kleiner, fast nur ein Halbfeld, gilt aber als großer Platz.

Mehr Berliner Fußballplätze:
SV Schmöckwitz Eichwalde
SSV Köpenick-Oberspree
HSG Blau-Weiß Hohenschönhausen
VfB Einheit Pankow
Poelchau Oberschule Charlottenburg
Borussia Pankow 1960
Blau Gelb Berlin
Frohnauer SC
SV Nord Wedding 1893
SC Borussia 1920 Friedrichsfelde
BSV Eintracht Mahlsdorf
VfB Hermsdorf
FC Viktoria 1899 Berlin
VfB Biesdorf
BSV Hürtürkel
RFC Liberta – Scharnweberstraße
Tennis Borussia Berlin – Hans-Rosenthal-Sportanlage
Concordia Wilihelmsruh – Nordendarena

Erneut gelesen: Meine Nummer Eins – Teufelsreiter in Turkestan

Alim Hekmat: Teufelsreiter in Turkestan
Alim Hekmat: Teufelsreiter in Turkestan

Ein Zettel hinten im Buch verrät eine kleine Geschichte. Auf ihm steht der Titel „Teufelsreiter in Turkestan“ und eine Zahl, die Eins. Das sollte damals wohl der erste Versuch sein, meine Bücher zu katalogisieren. Viele können es noch nicht gewesen sein. Aber dass das Buch von Alim Hekmat die Nummer Eins trägt, ist berechtigt. Denn der Roman über einen jungen Stallburschen und ein rassiges Pferd ist auch heute noch spannend.

Es spielt im Norden Afghanistans. In Städten wie Kundus, Maza-i-Sharif und Baglan. Heute sind uns die bekannt. Die Bundeswehr ist dort stationiert, Anschläge werden verübt, Menschen sterben. Anders in diesem Buch, das ich mit zehn Jahren las – und jetzt als Vorleser wieder. Hier geht es um eine Freundschaft zwischen Uros, einem Waisenkind und Stallknecht und dem rassigen Hengst Rostam, der sich von seinem Herrn nicht reiten lässt, aber von Uros.

Alim Hekmat hat es wohl damals geschafft, in mir eine leichte Sehnsucht nach dem Orient zu entfachen. Seine Schilderung vom Leben, von den Sitten und dem Essen sind noch immer lesenswert. Das Jugendbuch hat sogar Fußnoten, um Begriffe und Bräuche zu erklären. Die Geschichte ist gut und packend erzählt. Selbst wenn man mit Pferden nichts am Hut hat, fasziniert die Freundschaft in dieser fremden Welt, die angesichts der Demütigungen und der später geglückten Versöhnung mit dem Herrn der Region alle Gefühle bedient, die Kinder durchleben, um erwachsen zu werden.

Eigene Kinderbücher wieder zu lesen, kam mir lange nicht in den Sinn. Die Nummer Eins hat sich gelohnt – und sie wird jetzt nicht mehr in eine Kellerkiste zurückgelegt. Nein, diese Nummer Eins bekommt einen schönen Platz zwischen all den anderen, die zu katalogisieren nie geklappt hat. Denn neue zu lesen war immer wichtiger, als gelesene zu erfassen.

Eigene Tomaten mit Basilikum verführen die ganze Familie

Vier Sorten Gartentomaten mit Basilikum

Der wahrscheinlich letzte Sommertag. Das muss beim Abendessen mit sommerlichen Genüssen begangen werden. Sechs verschiedene Tomatensorten wachsen im Garten. Der Basilikum beginnt zu blühen, muss also schnell abgeerntet werden, bevor die Blätter gelb werden und abfallen.

Was für eine Freude, wie die unterschiedlichen Tomaten schmecken. Was für ein Spaß, wie alle am Tisch den Duft vom großen Teller mit den geschnittenen Tomaten aufnehmen. Und welch eine Genugtuung, dass sich das stete Gießen, das Unkrautzupfen und letztlich das Zubereiten gelohnt hat. Denn wirklich alle lassen sich auf das Entdecken von Süße und Säure, von Festigkeit und Feuchtigkeit ein. Was für ein Genuss am letzten Sommerabend!