Jan Beißen macht das Frankenderby zum Regionalkrimi

Jan Beißen: LokalderbyWenn der Club gegen Fürth spielt, dann ist das sehr viel mehr, als ein normales Fußballspiel. Es ist das traditionsreichste Derby schlechthin, auch wenn die Spiele nur noch in der 2. Liga stattfinden. Früher aber wurde bei diesen Spielen die Deutsche  Meisterschaft entschieden. Und zeitweise bestand die Deutsche Nationalmannschaft nur aus Spielern dieser beiden Vereine. Insofern bietet ein solches Spiel tatsächlich einen sehr guten Rahmen für einen Krimi.

Jan Beinßen, der mit seiner Reihe um den Nürnberger Hobbyermittler Paul Flemming eine feste Größe im Regionalkrimi-Geschäft ist, geht mit der großen Tradition allerdings nicht sonderlich respektvoll um. Nicht umsonst nennt er den achten Fall Paul Flemmings „Lokalderby“. Für echte Fans ist das wahrscheinlich eine Zumutung, weil das Derby damit zu einem Provinzkick abgestuft wird. Und als Mordopfer sucht sich Beinßen einen Busfahrer aus. Ganz so, als würden sich nicht Präsidenten, Trainer oder Wirtschaftsgrößen aus der Sponsorenszene anbieten. Zwar läßt er auch überzeugte Fans zu Wort kommen, die von der einstigen Größe dieser Begegnung erzählen. Aber all das ist eher von distanziertem Kopfschütteln getragen.

Vor allem bei den Schilderungen der harten Fanszene zeugen von einem gesunden Kopfschütteln des Autors über deren Motivation. Dennoch entwickelt sich der Fall des toten Busfahrers zu einem passablen Krimi, bei dem dubiose Machenschaften um und auf dem Platz das nötige Gewicht bekommen. Für Flemming wird der Fall sogar gefährlich. Insgesamt ist der Fall dann aber etwas zu konstruiert. Dubiose Spielerfrauen, seltsame Vereinsverantwortliche und ein bis zwei Fährten zu viel, hemmen die Spannung eher, als sie zu steigern. Dennoch lässt sich der Krimi gut lesen, auch für Fans.