Barrie Kosky feiert die jiddische Operette New Yorks

Barrie Kosky (Foto: Jan Windszus Photpgraphy)
Barrie Kosky (Foto: Jan Windszus Photpgraphy)

Es ist ein Segen, wie offensiv Barrie Kosky seine Identität lebt. Der Australier, dessen Vorfahren Juden aus Ungarn, Polen und Russland waren, ist Intendant der Komischen Oper. Er ist bekennender Schwuler und hat kein Problem damit die Fülle seiner (Minderheiten-) Identitäten offensiv zu leben. Das ist ein Segen. Denn Barrie Kosky ist Teil einer Vielfalt, die noch vor 30 oder 40 Jahren in Deutschland keine Chance hatte. Jetzt aber lädt Kosky zu einem jiddischen Liederabend. Zusammen mit den Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneiderman feierte er damit einen fulminanten Erfolg. Und das völlig zu Recht.

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Fundstück im Antiquariat (4): Ein Theaterzettel von 1931

Theaterzettel der Aufführung der "Großherzogin von Gerolstein" vom 21. Dezember 1931
Theaterzettel der Aufführung der „Großherzogin von Gerolstein“ vom 21. Dezember 1931

Das DinA 5-Blatt ist eher unscheinbar. Allenfalls das vergilbte Papier weckt automatisch Interesse. Der Theaterzettel vom 21. Dezember 1931 wurde bei einer Aufführung der Jacques-Offenbach-Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ in der Berliner Volksbühne verteilt. Also Unterhaltung, die ganz nett sein kann. Aber dennoch bleiben die Augen genau an ihm haften. All die anderen werden zügig durchgesehen und weggelegt. Aber an genau diesem einen stoppt das routinierte Blättern.

Der zweite Blick offenbart es dann: Da steht Walter Mehring als Übersetzer. In der Gesamtausgabe wird das nicht erwähnt. Und auch sonst ist der Ausflug in die Operette nicht so geläufig. Die nächste Überraschung schlummert im Inneren. Denn das Blatt wirkt gar nicht so, als sei es gefaltet. Ist es aber! Und auf Seite drei steht dann sogar ein kleiner Text Mehrings, den ich auch nicht kenne!

Ein echter Fund also. Ein große Freude – und wieder einmal auch verwirrend. Denn just an einem 21. Dezember gilt es jedes Jahr einen wichtigen Geburtstag in der Familie zu feiern. Von einem Familienmitglied, das auch noch in Berlin auf die Welt kam.

Weitere Fundstücke im Antiquariat:
Walter Mehrings Autograph
Ludwig Börnes Verhaftung
Kostbarkeiten bei Alfred Polgar
Ein Theaterzettel von 1931
Die Verlustanzeige von Karl Frucht
Andreas Oppermann erinnert 1860 an Palermo

Anna Netrebko singt Souvenirs

Anna Netrebko: Souvenirs
Anna Netrebko: Souvenirs

Wenn Opern-Sängerinnen Solo-Alben besingen, dann ist der Kitsch nicht weit. Das liegt zum einen an der Musik. Arien sind hoch gekünstelte Lieder. Zum anderen ist es auch der Gestus, mit dem eine Sopranistin ihre Stimme einsetzt. Anna Netrebko, die derzeit wohl populärste und bekannteste Sopranistin schafft es immer wieder die Grenzlinie von Kitsch und Kunst, von Dramatik und Gefühl genau auszumessen.

Ihr neues Album Souvenirs kommt ohne ihren Partner Rollando Villazón aus. Netrebko sammelte dafür Lieder, die sie ihr Leben lang begleiteten. Das sind nicht nur Opern-Arien, sondern auch Volkslieder wie das jidische „Schlof sche, mein Vögele“. Anna Netrebko überrascht immer wieder mit Liedern, die so gar nicht nach Oper klingen. Und dennoch funktionieren sie ähnlich. Dabei entsteht im Ohr so viel Gefühl, dass es manchmal schon wie Kitsch wabert. Aber dann, wenn man sich fallen lässt, dann fängt einen die Stimme Netrebkos und trägt in eine Welt voll Leidenschaft, Trauer und Liebe. Deshalb ist dieses Album mit seinen 18 Liedern ein echter Genuss. Vor allem, wenn der Lautstärkenregler auch mal kräftig aufgedreht wird. Das wirkt. Mitten ins Herz!