Sören Bollmann schockt mit einem Serienmörder an Viadrina-Studentinnen

Sören Bollmann: Angst in der halben St<adtSören Bollmann hat als Krimi-Autor seine Erfüllung gefunden. Schon zum dritten Mal schickt er seinen Frankfurter Kommissar Matuszek zusammen mit dessen Słubicer Kollegen Miłosz auf Mörderjagd. Diesmal steht ein Serienmörder im Mittelpunkt des Buches. Der verbreitet Angst und Schrecken vor allem an der Viadrina, der Frankfurter Universität. Denn die drei ersten Opfer sind allesamt Studentinnen. „Sören Bollmann schockt mit einem Serienmörder an Viadrina-Studentinnen“ weiterlesen

Sören Bollmann schreibt einen Krimi über Grenzkriminalität

Sören Bollmann: Einbruch in der halben Stadt Jetzt also Einbruch! Sören Bollmann kommt mit seinem zweiten Krimi in der Realität an. Hieß der erste noch „Mord in der halben Stadt“, kommt nun „Einbruch in der halben Stadt“. In Frankfurt (Oder) wird durchaus mehr eingebrochen als gemordet. Für die Phantasie des Autors und der Leser gibt es bei diesem Buch also vielmehr Anknüpfungspunkte als beim ersten. Aber ganz will sich Bollmann darauf wohl nicht verlassen. Zu einem Krimi gehört ein Toter. Und so gibt es auch in diesem einen. Obwohl er eigentlich überflüssig ist. Sowohl für die Spannung, als auch für die Leser und erst recht für die Geschichte, die der Frankfurter hier erzählt.

„Einbruch in der halben Stadt“ ist ein echter Zuwachs an Lesegenuss. Nicht nur, weil zwischen den beiden Buchdeckeln jetzt 434 Seiten statt der 288 im ersten Fall der Kommissare Matuszek und Milosz stecken. Viel wichtiger ist, dass der Fall so nachvollziehbar ist. Da wird eingebrochen. Da treffen sich rechts und links der Oder Jugendbanden, denen der Alltag im doch eher langweiligen Frankfurt bzw. Slubice nichts bietet. Da gibt es Akteure der lokalen Wirtschaft, die sich viel zu wichtig nehmen. Und da gibt es ein ganz normales Leben in der Doppelstadt, das das jeweils andere Ufer annimmt, erkundet und teilweise sogar lieb gewonnen hat. In diesen Passagen ist Bollmann richtig gut. Da es die meisten Passagen des Krimis sind, ist das Buch diesmal auch wirklich empfehlenswert.

Trotz Einbruchsserie und Mord wird die Stadt diesmal zum wichtigsten Bestandteil des Buches. Sie ist nicht nur Ort, sondern auch Akteur. Bollmann macht sich seine Kenntnis von Frankfurt und Slubice zu Nutzen, um hier das Stadion und die belebten Lokale und dort das Lichtspielhaus der Jugend, das Restaurant im obersten Stock des Oderturms oder die verfallene Kaserne, in der einst das Oberkommando des Heeres der Roten Armee in der DDR seinen Sitz hatte, als Schauplätze zu entdecken. Noch viel wichtiger ist aber, dass Bollmann dabei auf Klischees verzichtet. Das gilt vor allem für die Kommissare, die in diesem Fall zunächst inoffiziell zusammen ermitteln, weil sie sich kennen. Sie verzichten auf offizielle Anfragen und helfen sich einfach. Und die Jugendbanden sind sich auch ganz ähnlich. Egal ob in Slubice oder Frankfurt, sie bewegt das gleiche. Nur die Vorurteile, mit denen die Deutschen und vor allem die Polen zu kämpfen haben, sind andere. Auch die beobachtet Bollmann aber ganz genau.

Und so entsteht ein Roman, der mehr liefert, als nur nette Unterhaltung. Bollmann gelingt ein kleines Sittenbild der Doppelstadt. Das ist viel mehr, als man von einem Regionalkrimi erwarten darf. Und das ist vor allem ein gutes Omen für den dritten Fall von Matuszek (das ist übrigens der Deutsche) und Milosz.

Mehr Krimis von Bollmann aus der Halben Stadt
Fall 1 – Mord in der Halben Stadt
Fall 2 – Einbruch in die Halbe Stadt
Fall 3 – Angst in der Halben Stadt

 

Sören Bollmann macht Frankfurt und Slubice zur Krimi-Stadt

Sören Bollmann: Mord inder halben Stadt
Sören Bollmann: Mord inder halben Stadt

Mord in der halben Stadt“ heißt der Debüt-Krimi von Sören Bollmann. Er schildert den ersten Mordfall des Frankfurter Kommissars Bernd Matuszek und seines Slubicer Kollegen Wojtek Milosz. Ein bekannter Frankfurter Bauunternehmer wird ermordet in den Oderwiesen Slubices gefunden. Daraus entwickelt sich ein spannender Fall rund um Prostitution, Stasi-Akten und die Frankfurter Kommunalpolitik. Wobei es nicht um einen Schlüsselroman geht, indem das reale Leben der Stadt verklausuliert geschildert wird. So verfilt, wie Bollmann Frankfurt schildert, ist die Stadt nicht. Bollmann vermeidet zum Beispiel die Nennung echter Parteiennamen. Bei ihm heißen sie „blaue ParteI“ oder orange. Auch die binationalen Verstrickungen sind so nicht passiert, könnten aber tatsächlich auftreten. Insofern macht Sören Bollmann alles richtig. Er schriebt einen spannenden Krimi rund um Mord, Bestechung, Prostitution und das mit Kommissaren, die leben, lieben und auch mal abstürzen können.

Aber manches ist zu klischeehaft. Da ist der treue polnische Familienvater und auf der anderen Seite der deutsche Macho, der von einer jungen polnischen Studentin gezähmt wird. Da ist die Stasi-Geschichte, die irgendwie auch erwartbar ist. Und da ist eine sprachliche Kleinigkeit, die für einen wirklich guten Regionalkrimi fehlt: Bollmann gibt seinen Figuren nicht die sprachlichen Besonderheiten der Region. Matuszek verwendet zum Beispiel kaum Plusquamperfekt, obwohl das hier so charakeristisch ist. Matuszek war zum Beispiel nicht in Bansin gewesen, sondern er war nur in Bansin. Mit solchen Elementen spielt Bollmann gar nicht, obwohl es andere Regionalkrimis gibt, die komplett im Sprachduktus einer Region geschrieben sind und so die Identifikation erleichtern.

Dennoch ist der Krimi lesenswert. Und da Sören Bollmann schon seit 14 Jahren in Frankfurt (Oder)  lebt, wird er bei den nächsten Krimis noch nachlegen können. Die deutsch-polnischen Verhältnisse sind ihm vertraut. Vielleicht hilft ihm das, auf das eine oder andere Klischee verzichten zu können. Dann kann eine richtig gute Krimi-Reihe daraus werden.

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Michael Kurzwelly lebt und denkt Nachbarschaft ohne Grenze

Michael Kurzwelly mit der Fahne von Nowa Amerika
Michael Kurzwelly mit der Fahne von Nowa Amerika

Michael Kurzwelly hat eine Vision: Der Aktionskünstler aus Frankfurt (Oder) denkt das deutsch-polnische Grenzgebiet ohne Grenze. Für ihn gibt es die Nachbarstädte Frankfurt (Oder) und Slubice nicht mehr. Für ihn gibt es nur Slubfurt -eine Stadt, die rechts u n d links der Oder liegt.

Was auf den ersten Blick etwas verrückt wirkt, ist zu einem dauerhaften Kunstprojekt geworden. Die Idee dahinter: eine Grenze ist absurder als die Stadt Slubfurt – Realität ist das, was man lebt.

In Frankfurt (Oder) ist Michael Kurzwelly nicht nur bekannt. Der Künstler ist auch immer wieder Teil des Stadtbildes. Dann steht er mit seinen dunklen Locken auf einer Mauer oder inmitten einer Gruppe lachender und staunender Menschen. Er hält eine Fahne hoch und spricht bei seiner Stadtführung über Slubfurt oder Nowa Amerika.

Slubfurt ist seine Idee: Eine Stadt, die Slubice und Frankfurt (Oder) ersetzt hat. Und Nowa Amerika ist die logische Weiterentwicklung dieser Vision von der Überwindung der deutsch-polnischen Grenze. Jetzt aber für den gesamten Raum östlich und westlich von Oder und Neiße.

Michael Kurzwelly: „Als ich mit meinen persönlichen Erfahrungen hierherkam – ursprünglich aus Bonn kommende, dann 1999 nach Poznan, wo ich acht Jahre lebte, bevor ich hierher kam – habe ich mich von Anfang an dazwischen gefühlt. Weder in den einem Raum ganz beheimatet, noch in dem anderen. Ich habe mir dann gedacht: wenn ich mich hier zuhause fühlen soll, dann kann mein Raum nicht Frankfurt sein, der kann nicht Slubice sein, der muss Slubfurt sein.“

Slubfurt also ist die zentrale Idee, der Ausgangspunkt für die Vision von Michael Kurzwelly. Der Aktionskünstler lebt diese Idee nicht nur zweisprachig. Er lebt auch von ihr. Etliche Projekte rund um Slubfurt und Nowa Amerika schafften es, gefördert zu werden. Reiseangebote und Stadtführung ernähren ihn genauso wie sein Lehrauftrag bei den Kulturwissenschaftlern der Viadrina. Inzwischen ist aus der verrückten Idee der grenzfreien Raumeroberung eine Vision geworden, die von der Politik auch geehrt wird.

Kurzwelly: „Ich freue mich darüber. Das ist auch ein Stück weit Bestätigung. Ich glaube, jeder Mensch braucht etwas Bestätigung. Von der Stadt Slubice bin ich ja sogar zum Ambassador, zum Botschafter, ernannt worden.“

1963 wurde Kurzwelly in Darmstadt geboren. Aufgewachsen ist er in Bonn, wo er auch Kunst studierte. Nach Jahren in Posen lebt er nun schon mehr als ein Jahrzehnt in Slubfurt – oder Frankfurt (Oder). Hier will er auch bleiben:

Kurzwelly: „Erstens Mal ist Slubfurt und Nowa Amerika so eine Art Lebensaufgabe geworden. Ich könnte mir nicht vorstellen, hier wegzuziehen.“

Das Interview mit Michael Kurzwelly in der rbb-Mediathek…