Die Zwerge von Breslau

Wer sich in Breslau nicht nur die schön restaurierten Giebel, Fenster und Wandmalereien anschaut, wer nicht nur Ausschau nach den vielen Kneipen und Restaurants hält, sondern auch ab und an den Blick über das Kopfsteinpflaster schweifen lässt, der kann sie nicht übersehen: die Zwerge. Überall sind die kleinen Kunstwerke aus Bronze in der Stadt verteilt. Wer sie wahrnehmen will, muss genau hinsehen. Dann wird er mit viel Humor überrascht. „Die Zwerge von Breslau“ weiterlesen

Sorge um lieb gewonnene Türken

Atatürk als Kühlschrankmagnet
Atatürk als Kühlschrankmagnet

Batman, Erzrum, Samsun, Adana, Trabzon, Izmir, Ankara und Istanbul waren vor sechs und sieben Jahren Stationen mehrerer Türkei-Reisen. Das Goethe-Institut hatte sie im Rahmen des Projekts PASCH – Partnerschulen vermittelt. An Schulen, die vor Atatürk-Gedenken nur so strotzten, sollte Deutsch als feste Fremdsprache etabliert werden. Und um das zu unterstützen durften Muttersprachler Theaterkurse, Musikprojekte und Workshops zum Gestalten von und Schreiben für Schülerzeitungen an eben diesen Partnerschulen abhalten. Eine bereichernde Erfahrung, die ich nicht missen will. „Sorge um lieb gewonnene Türken“ weiterlesen

Daniel Barenboim und Martha Argerich verschmelzen an zwei Flügeln

Daniel Barenboim und Martha Argerich bei den Festtagen 2017
Daniel Barenboim und Martha Argerich bei den Festtagen 2017

An einem Flügel mit vier Händen spielen Martha Argerich und Daniel Barenboim schon beeindruckend harmonisch. Aber als sich Barenboim an seinen eigenen Flügel setzt, verschmelzen die beiden zu einer so ungeheuer kraftvollen Einheit, dass sich das Publikum in der Berliner Philharmonie kaum noch zu Husten wagt. Das Duo-Recital von Argerich und Barenboim im Rahmen der Festtage 2017 wird für beide zu einem Triumph. „Daniel Barenboim und Martha Argerich verschmelzen an zwei Flügeln“ weiterlesen

Der düstere Parsifal der Staatsoper

Die Herrn des Konzertchors als verzückte Gralsritter und Knappen (Staatsoper Berlin | Foto: Ruth Walz)
Die Herrn des Konzertchors als verzückte Gralsritter und Knappen (Staatsoper Berlin | Foto: Ruth Walz)

Düster ist der Gesamteindruck an diesem Krafreitag in der Staatsoper. Im Rahmen der Festtage wird der „Parsifal“ in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakow aus dem Jahr 2015 gegeben. Geprägt ist sie von der Konzentration auf den Stoff in einer sehr gedämpften, getragenen, düsteren und eher hoffnungslosen Interpretation. Daniel Barenboim und seine Staatskapelle intonieren das monströse Werk von Richard Wagner dynamisch und dramatisch.  „Der düstere Parsifal der Staatsoper“ weiterlesen

Christhard Läpple schreibt ein Dorf-Porträt des Nachwende-Ostens

Christhard Läpple: So viel Anfang war nieChristhard Läpple hat sich in ein Dorf in Brandenburg verliebt. In seinem Buch nennt er es Herzdorf, doch tatsächlich handelt es sich um Netzeband im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Hier hat sich der ZDF-Journalist vor 20 Jahren ein Haus gekauft. Und hier hat Läpple in einem Mikrokosmos erlebt, wie radikal der Bruch zwischen DDR und vereinigter Bundesrepublik war. Sein Buch handelt genau davon. Vom Aufbruch, von Widerständen, vom Scheitern und dem Wandel. „Christhard Läpple schreibt ein Dorf-Porträt des Nachwende-Ostens“ weiterlesen

Anne-Sophie Mutter nimmt es mit jedem Huster auf

Anne-Sophie Mutter
Tosender Applaus für Anne-Sophie Mutter

Ein ganz zarter Strich über die Saiten ihrer Violine, ein Hauch von einem Ton, der sich in der ganzen Berliner Philharmonie ausbreitet, ein winziges akustisches Funkeln – und direkt danach ein Aufschrei! Auch der kommt aus der Violine von Anne-Sophie Mutter. Sie erzeugt Kontraste mit ihrem Instrument, wie es nur ganz wenige können. Varianz, Intensität, Melancholie und Freude. Wer sie bei den Festtagen mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim erlebt, weiß instinktiv, wie außerordentlich dieses Konzert ist. „Anne-Sophie Mutter nimmt es mit jedem Huster auf“ weiterlesen

Der Tannhäuser von Sasha Waltz überwältigt

(Foto: Staatsoper/(c) Bernd Uhlig)
Venus verführt Tannhäuser in ihrer Liebeshöhle. (Foto: Staatsoper/(c) Bernd Uhlig)

Am Anfang ist dieser Trichter. Ein weißer Trichter und sonst nichts. Nur die wunderbar zarten Töne der Tannhäuser-Ouvertüre sind noch im Raum. Aber der Blick ist auf diesen Trichter gerichtet, der an das Innere eines Auges erinnert. Was aber ist hinter der Öffnung? Doch diese Frage stellt sich nicht lange. Dann beginnt sich der Trichter zu füllen. Und zu beleben mit (fast) nackten Leibern, die sich anzüglich und lüstern bewegen. Das hier ist die Liebeshöhle, in der Venus die Lust lebt. In der Tannhäuser sieben Jahre die Wonnen der leiblichen Liebe (er)lebt. Die Ouvertüre wird bei Sasha Waltz schon ein ganz besonderer Tanz voller Bezüge und Andeutungen, die in den folgenden fast vier Stunden immer wieder in Erinnerung gerufen werden. „Der Tannhäuser von Sasha Waltz überwältigt“ weiterlesen

Anpaddeln auf dem Zeuthener See

Am ersten Samstag im März ist der Zeuthener See ganz leer. Kein Segelboot, kein Motorboot, keine Paddler bevölkern das Gewässer. Von der Eichwalder und der Schmöckwitzer Badewiese tönt noch nicht der frohe Sound der badenden Kinder über das Wasser. Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des nahenden Frühlings herrscht Stille. „Anpaddeln auf dem Zeuthener See“ weiterlesen

Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen

Foto: Andreas Oppermann
Howard Griffiths, Siegfried Matthus und die Solisten beim Applaus.

Die Konstellation hat es in sich: Ein ehemaliger DDR-Staatskünstler schreibt eine musikalische Vision über den Protestanten Luther, das bei der Welturaufführung auch vor polnischen Katholiken intoniert wird. Da ist theologisch und weltanschaulich „Musike drin“. Auf jeden Fall stellt sich sofort die Frage, ob es künstlerisch gelingt, den Text so in Musik zu setzen, dass sich der Sinn der Worte vermittelt, selbst wenn man sie nicht verstehen kann. „Bei Matthus sehnen sich „Luthers Träume“ nach Brüsten, Bier und Essen“ weiterlesen

Rainald Grebe seziert in Schwedt die Provinz

Schwedt ist Provinz. Niemand, der das behauptet, wird damit den Schwedtern auf die Füße treten. Wenn Rainald Grebe das sagen würde, wären sie ihm zumindest nicht böse. Seit er in seinem Brandenburg-Lied das Autohaus in Schwedt besungen hat, sind Grebe und Schwedt fast schon ein Begriffspaar. und darauf kann dann auch der Schwedter stolz sein. Denn das ist ja auch ein Merkmal von Provinz: Auch wenn man veräppelt wird, freut man sich über die überregionale Wahrnehmung. Und wenn der Scherz zu Lasten des Provinzlers mit der eigenen Erfahrung übereinstimmt, dann passt das schon.

„Rainald Grebe seziert in Schwedt die Provinz“ weiterlesen