Bilder aus der Hammelburger Altstadt: Stadtmauer, Mönchsturm
Einige Impressionen aus der Altstadt von Hammelburg. Wenn man selten da ist, fallen die schönen Dinge um so stärker ins Auge. Auch die Bilder sehr idyllisch sind, irgendwie ist es das Städtchen ja auch.
Warum nur ist man als Schüler lieber faul als schlau? Und weshalb haben Lehrer einen so großen Einfluss auf die Lust am Fach? Fragen, die sich aufdrängen, wenn man dieses schöne Buch über den nachhaltigen Einfluss der Römer und ihrer Sprache auf unser Leben und unsere Kultur liest. Karl-Wilhelm Weeber ist kein Bildungshuber, sondern ein Gebildeter im besten Sinne des Wortes. Einer, der sein Wissen und vor allem sein Verständnis gerne teilt, ohne sich über all jene zu erheben, die sein Wissen (noch) nicht haben. „Warum wir alle Caesars Erben sind“ – der Untertitel des Buches „Rom sei Dank!“ – steht für dieses Mitnehmen des Lesers.
Da sagt ein Altphilologe voller Vergnügen zum Leser: Wir alle, auch Du, gehörst dazu. Da wird nicht ausgegrenzt, sondern an ganz vielen Beispielen bildhaft geschildert, was wir den Römern zu verdanken haben. Das macht Weeber auch mit viel Humor. Und so wird die Baugeschichte genauso behandelt wie der Einfluss der griechischen Kultur auf die Römer oder der in solchen Büchern unvermeidliche Straßenbau und natürlich Latein.
Aber all diese Themen werden wissend mit Witz vermittelt. Wer sich darauf einlässt wird immer wieder mit erstaunlichen Informationen gefüttert und erfreut sich schon sehr bald am Wachsen des eigenen Wissens. Also nur Mut: Auch solche Bücher können viel Vergnügen bereiten. Zwar sind die Fragen vom Anfang dann noch immer nicht beantwortet, aber das eine oder andere Versäumnis der Jugend wird so doch geheilt.
So drückend schwül wie heute war das Wetter beim Laufen noch nie. Die Beine waren schwer. Der ganze Körper triefte vor Nässe. Ob es Schweiß oder Luftfeuchtigkeit war? Ich weiß es nicht. Das Laufen förderte eine kleine Erinnerung ans Tageslicht: einen 5-Lira-Schein aus Ankara. Sorgfältig gefaltet muss er schon mindestens dreimal gewaschen worden sein. Und dennoch sieht der alte Atatürk noch ganz frisch aus.
Ganz anders als ich, als er in die Hose wanderte. Das war nach einer ziemlich schlaflosen Nacht. Früh morgens war der Lauf durch die aufwachende Stadt die einzig sinnvoll Maßnahme, um den hin- und herwälzenden Zustand zu beenden. Die 5 Lira wurden eingepackt, um unterwegs Wasser kaufen zu können. Doch daraus wurde nichts. Die Kioske hatten trotz des Frühsports etlicher Hauptstädter konsequent zu. Und so geriet der Schein in Vergessenheit.
Bis vorhin. Doch da war er genauso sinnlos wie in Ankara und das Wälzen im Bett. Zwar hatte hier der Kiosk auf, um meinen Durst zu löschen. Türkische Lira wollte der Verkäufer aber keine.
Schöner lässt sich „Die Liebe“ in Bayern gar nicht illustrieren. Der etwas rundere Wirtshausstuhl links und der etwas größere rechts drücken ein Stück bayerisches Wesen aus. Zusammen sind sie ein Paar, nicht allzu romantisch, aber eindeutig als solches erkennbar.
Diese liebevolle Nüchternheit prägt auch etliche Texte, die vom Münchner Label Trikont auf der CD „Die Liebe“ zusammengestellt wurden. Schon der Einstieg mit Helmut Fischers Lied „Spatzl, schau wie I schau“ als Monaco Franze, seiner TV-Paraderolle, erzeugt ein erstes Erahnen von dieser bayerischen Liebe, die so gar nichts mit Schmalz und Gefühlsdueseligkeit zu tun hat.
Wenn Josef Bierbichler dann Wolf Wondratscheck rezitiert, wenn Martina Gedeck der praktischen Anne Pollinger von Ödon von Horvath ihre Stimme gibt oder wenn Gustl Bayrhammer Ludwig Thoma liest, dann schwingt bei aller Emotion auch immer dieser lakonische Unterton mit, der tatsächlich typisch bayrisch ist. Noch stärker schwingt er bei den Liedern auf dem Liebes-Sampler mit. Egal ob es sich dabei um so unterschiedliche Musik von Georg Ringsgwandl, LaBrassBanda, Willy Michl oder den Isarspatzn aus den 50er-Jahren handelt, bei ihnen allen ist der Grundton leicht melancholisch und sehr realistisch. Und dennoch voller Liebe und tiefem Gefühl.
Wunderbar. Dieser Anblick. Dieser Geruch. Das Knacken des Brötchens. Das saftige Schmatzen beim Biss durch den Leberkäs. Dazu der säuerliche Senf. Das ist wirklich wunderbar! Vor allem, wenn man nicht ständig ran kommt an den Leberkäs. Zwar gibt es in Berlin auch Verkaufsstellen, die behaupten, so etwas anzubieten. Doch sie scheitern allesamt schon am Brötchen.
Dieses hier ist ein Kümmelweck, damit kommt die ganze Entfaltung der unterschiedlichen Geschmäcker am Gaumen und an der Zunge erst so richtig zur Entfaltung. Denn das Zusammenspiel von Säure (Senf), leichter Schärfe (Leberkäs), dämpfender Klarheit (Weck) und knackender Würze (Kümmel) sorgt für einen so einmaligen Geschmack. Natürlich scheitern Berliner und Brandenburger Metzger (hier heißen sie Fleischer) auch am Leberkäs.
Generell hantieren sie sehr sparsam mit Gewürzen. Bei einem Leberkäs ist genau dies das Problem. Und so wird die Erinnerung an den Geschmack eines guten Leberkäswecks zu einer Sehnsucht nach Heimat. Wie sehr man diesen vermisst, merkt man aber erst, wenn man in ein gutes beißt. Wie in dieses, mit Leberkäs vom Köhler und einem Kümmelweck vom Schwab.
Diese mürben Stangen (oder besser Stänglich) gibt es nur beim Schwab. Egal wo ich es versucht habe, diese Mohn- und Kümmelstangen habe ich nirgendwo gefunden. Und angesichts ihres erst leicht knackigen, später wunderbar weichen Gefühls beim Kauen, das durch das Aufbeißen des Mohns oder Kümmels wunderbar konstratiert wird, ist das sehr schade.
Umso erfreulicher, wenn man beim Heimaturlaub mit solchen kleinen kulinarischen Köstlichkeiten konfrontiert wird. Denn es ist ja nicht nur dieses erstaunliche Gefühl im Mund. Nein, vor allem ist es natürlich der Geschmack, der ohne eine gehörige Portion Fett/Butter im Teig so nicht entstehen könnte. Deshalb sind die Finger nach so einem Stängle, das es auch mit Sesam oder Käse gibt, immer etwas fettig. Der Geschmack hält sich lange im Mund. Mindestens so lange, wie das Fett auf den Fingerkuppen. Etwas essen zu können, was es sonst nirgends gibt, ist eindeutig Heimat.
Übrigens ist der Untergrund der Stänglich auf diesem Foto, die Matzenplatte, auch ein erstaunliches Gebäck. Ins Sortiment der Bäckerei ist es erst nach meinem Weggang aus der Heimatstadt aufgenommen worden. Doch diese Platten tragen den gleichen Geschmack, nur dass bei ihnen der Knusperfaktor ungleich höher ist. Dazu noch einen Schoppen – und das Heimatgefühl ist perfekt.
Mit 24 Jahren hat Essad Bey seine Autobiografie geschrieben. 1930 ist sie erschienen und hat für Furore gesorgt. Da erzählt ein Emigrant aus Baku von den Wirrnissen des 1. Weltkrieges, von den diversen Umstürzen und Staatsgründungen in Aserbeidschan, Armenien, Georgien und vielen anderen Ländern. Und er behauptet, ständig dabei gewesen zu sein. Das ist in der Tat schwer zu glauben. Denn bei vielen der geschilderten Erlebnisse war Lew Noussimbaum, wie Essad Bey alias Kurban Said, eigentlich hieß, noch sehr jung. Und dennoch stimmen die meisten der geschilderten Erlebnisse.
Er war Sohn eines der größten Ölbarone in Baku, das damals das größte Erdölförderzentrum der Welt war. Er musste zusammen mit seinem Vater mehrmals vor den Bolschewisten und anderen Umstürzlern fliehen. Sie reisten dabei auf allen nur erdenklichen Fortbewegungsmitteln per Schiff, Zug oder Kamel bis nach Zentralasien und durch Persien. Und tatsächlich kannte der reiche Kaufmann Noussimbaum überall wichtige Menschen, die als Anlaufstation willkommen waren. Unglaublich ist es, wie der damals so junge Autor mit seinem Wissen umgeht. Er erklärt alle wichtigen kulturellen Hintergründe der Kaukasusvölker ohne jede Überheblichkeit.
In seiner klaren Sprache, die auch 80 Jahre später noch wirkt als sei sie von heute, nimmt er die Leser mit in diese Weltgegend, in der sich damals und heute Konflikte ballen, wie in wenigen anderen. Diese haben mit Religion und Kultur, mit Sprache und Lebensart zu tun. Viel mehr aber noch mit sozialen Unterschieden. Essad Bey lehnte die Bolschewisten ab. Dennoch zeigt er sogar Verständnis für deren Anliegen. Angeblich kannte er Stalin aus diesen Tagen. Auf jeden Fall hat er eine der ersten Biografien über ihn geschrieben. Gerade bei der Schilderung der Revolutionäre schlägt Essad Beys Humor durch. Denn dieses Buch ist nicht nur lehrreich und dabei kurzweilig, es aist auch spannend und amüsant.
Kein Wunder, dass „Öl und Blut im Orient“ in den 1930-Jahren ein internationaler Bestseller war. Wie auch etliche andere seiner Bücher, etwa „Ali und Nino“ oder „Das Mädchen vom Goldenen Horn“. Wer noch mehr über den Autor erfahren will, der sollte die Biografie von Tom Reiss zur Hand nehmen.
So klein ist die Heimatstadt und so groß der Sprungturm. Der Anblick dieser Betonkonstruktion lässt mein Herz etwas höher schlagen. Er ist Heimat. Auch wenn das Leben unweit eines Sees direkt bei Berlin sehr schön ist, so fehlt doch dieses Kindheitsgerät. In seiner schlichten Form gehört er eindeutig zu den schönen Exemplaren der Gattung Sprungturm. Die Spannung, die durch den Bogen erzeugt wird, wirkt direkt auf denjenigen, der sich überlegt, von dort oben herabzuspringen.
Der Blick in das fünf Meter tiefe, klare Wasser erhöht die Anspannung, doch die Landschaft mit ihrenWeinbergen nimmt den Druck. Man ist hier nicht auf dem höchten Punkt der Umgebung! Unso leichter fällt der Absprung, der erst das Herz schneller schlagen lässt und anschließend in so eine wohlige Zufriedenheit umschlägt, wenn man sicher mit dem Kopf zuerst in das Wasser eintaucht. Dann fühlt man sich eindeutig jünger.
Heimat wird ein Stück der Jugend. Das ist sie ja oft. Umso wichtiger ist es, sie immer wieder zu suchen und zu spüren. Nicht um krampfhaft jung zu sein, sondern um sich seiner selbst zu vergewissern.
Wenn es ein Buch gibt, in dem es ständig regnet, dann war dies für mich immer „Die letzte Welt“ von Christoph Ransmayr. Ganz fest in meiner Erinnerung sind Regen und Schwarzes Meer und „Die letzte Welt“ eins. Umso erstaunlicher war beim erneuten Lesen des Buches, dass es in der ersten Hälfte überhaupt nicht regnet. Und auch in der zweiten nur ab und an. Dann aber ganz massiv und heftig.
Erstaunlich, was sich von einem Buch im Gedächtnis festsetzt. Die neue Lektüre bestätigte aber die Faszination des Textes, den ich 1989 verschlungen hatte. Auch 23 Jahre nach dem ersten Lesen hat „Die letzte Welt“ von Christoph Ransmayr nichts von ihrer Faszination verloren. Im Gegenteil: Das Buch hat gewonnen, weil das Wissen um die historischen und literaturwissenschaftlichen Hintergründe größer geworden ist. Auch heute noch ist der Roman eine treffende Parabel auf die Angst des Diktators vor der Kraft des freien Wortes. Und ein wunderbarer Text über das Weiterleben von literarischen Figuren und Erfindungen.
Ransmayr hat Ovids Metamorphosen in einen zeit- und raumlosen Roman über die Veränderung der Welt verwandelt. In dem Roman geht es darum, dass ein römischer Bürger, Cotta, den verbannten Dichter Ovid sucht. Dazu fährt er ans Schwarze Meer, wo der Dichter auf Geheiß Augustus‘ leben muss. Es gelingt ihm zwar nicht, Ovid zu finden, aber seine Erzählungen, seine Figuren finden sich überall. Ein bisschen ist es wie bei „Alice im Wunderland“: Cotta tritt nach stürmischer Seefahrt in eine andere Welt ein und wird Schritt für Schritt Teil von ihr. Mit jeder Figur, mit jeder Erzählung kommt Cotta so seinem Vorbild Ovid näher, ohne ihn aber jemals zu sehen. Das Buch hat nichts an seiner Kraft verloren. Nur meine eigene Vorstellung vom ständigen Regen musste ich beim Wiederlesen revidieren. Und der Reiz der völligen Aufhebung von Zeit und Raum hat mich jetzt viel mehr begeistert.