Wassererzählungen: John von Düffel schwimmt wieder

John von Düffel: WassererzählungenNiemand schreibt so gut über das Schwimmen wie John von Düffel. In seinen Romanen hat er die Bewegung im Wasser, das Gleiten in der Schwerelosigkeit, die Anstrengung der Armzüge, das Ausatmen unter Wasser, die meditative Kraft der sich auflösenden Gedanken beim Bahnenziehen beschrieben, dass die Lust auf einen Sprung ins Becken von Seite zu Seite wuchs. In seinen „Wassererzählungen“ gelingt ihm das auch wieder. Doch würde es den elf Texten nicht gerecht, reduzierte man sie darauf.

Denn die Erzählungen handeln vor allem von Verlusten bei Paaren, in Familien oder alten Freundschaften. In „Die Vorschwimmerin“ etwa bietet eine Schwimmerin ihrer Freundin einen seltsamen Job an. In einer Villa mit Schwimmbecken soll sie täglich schwimmen. Sie würde den Lohn immer vorfinden und würde den Auftraggeber nie sehen. Aber er könne sie sehen. Und das nackt. Aus diesem Angebot entsteht eine Diskussion über Moral und Unmoral, das sich angesichts der Fülle von Missverständnissen zur Frage führt, ob die Freundschaft überhaupt Bestand haben kann. Wie John von Düffel das schildert, zeugt von großer dramaturgischer Raffinesse.

In anderen Texten spielt das Schwimmen in der Ostsee, in Teichen und Becken eine größere Rolle. Aber nie ist es Selbstzweck. Und dennoch sind die Passagen, in denen sich die Männer und Frauen in von Düffels Geschichten im Wasser bewegen, die schönsten.

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