Dava Sobel bringt uns die Planeten nah

Dava Sobel: Die Planeten
Dava Sobel: Die Planeten

Dava Sobel (69) ist eine erstaunliche Autorin. Sie schafft es, aus trockenen, naturwissenschaftlichen Themen im wahrsten Sinne des Wortes allgemein bildende Bücher zu schreiben. Und das in einer Art, die verhindert, dass die Bücher nicht zu Ende gelesen werden. Die Planeten nähert sich den Verwandten der Erde nicht nur auf der Ebene der Beschreibung ihres Zustandes, ihrer Zusammensetzung und anderer chemischer und
physikalischer Befunde. Sobel erzählt auch, was die Planeten für die Menschen in der Vergangenheit bedeuteten, wie sie entdeckt wurden und was das für unser Weltbild bedeutet. Wie schon Längengrad und „Galileos Tochter“ ist das aktuelle Buch „Die Planeten“ einfach jedem zu empfehlen.

Dava Sobel: Die Planeten. Berlin Verlag, 29,96 Euro

Frank Schätzing liest ein Unbekanntes Universum

Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Frank Schätzing hat aus seinen umfassenden Recherchen für seinen Bestseller „Der Schwarm“ ein zweites Buch gemacht: Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Auch das ist ein Bestseller. Für all jene, denen mehr als 500 Seiten Erdgeschichte und Evolution zu viel sind, hat der Hörverlag daraus zwei CDs gemacht.

Der Autor liest ausgewählte Kapitel selbst vor. Das macht er sehr gut. Doch werden beim Hören auch einige Schwächen offenbar. Wenn sich Schätzing in einen Hai hineinversetzt, ist das zwar anschaulich, aber es wirkt doch seltsam. Beim Lesen funktioniert das besser. Das stark gekürzte Hörbuch-Feature muss im Vergleich zum Buch außerdem auf zu viel
Inhalt verzichten.

Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Antonio Forcellino nähert sich Michelangelo wie einem Geliebten

Antonio Forcellino: Michelangelo
Antonio Forcellino: Michelangelo

Das Leben dieses Genies ist unglaublich spannend. Nicht nur, dass Michelangelo fast 90 Jahre alt wurde – und bis zum letzten Tag mit Hammer und Meisel an Skulpturen arbeitete. Auch sein Leben an der Wende vom Mittelalter zur frühen Neuzeit ist fesselnd.

Der Schöpfer revolutionärer Bilder und Skulpturen war in den Kampf um die Herrschaft seiner Heimatstadt Florenz verwickelt. Da übernahm er Verantwortung für die Republik, floh aber kurz vor deren Niederschlagung. Als Vater, Onkel und Freund war er kaum auszuhalten. Aber seine Kunstwerke sind schöpferische und körperliche Kraftakte, die ihn unsterblich machten. Antonio Forcellinos Biografie nähert sich diesem Mann fast wie einem Geliebten.

Antonio Forcellino: Michelangelo – Eine Biografie; Siedler: 24,95 Euro

Pass Thru Fire – Alle Texte von Lou Reed

Lou Reed: Pass Thru Fire
Lou Reed: Pass Thru Fire

Lou Reed ist nicht nur einer der genialsten Rockmusiker. In den letzten Jahren veröffentlichte er auch immer wieder Foto-Bände. Seine Lust am grafischen ,Gestalten ist auch Pass Thru Fire anzumerken. Schon während seiner Zeit bei Velvet Underground kam der Texter und Komponist mit Grafik in Berührung. Und zwar der von Andy Warhol. Seine Sammlung aller Songtexte aus 40 Jahren Rockmusik ist davon geprägt.

Denn Lou Reed druckt die nicht nur ab. Er spielt grafisch mit den Buchstaben, der Schrift und der Reproduktion, sodass nicht nur ihr Lesen fesselt, sondern das Betrachten zu einer Komposition fürs Auge wird. Die Übersetzungen von Manfred Allié runden die englischen Originale gekonnt ab.

Lou Reed: Pass Thru Fire – Alle Songs; S. Fischer, 27,90 Euro

Wladimir Kaminer kocht in der „Küche Totalitär“

Offensichtlich hat der Sozialismus gut geschmeckt. Den Eindruck muss gewinnen, wer sich über Wladimir und Olga Kaminers Rezepte aus „Küche totalitär – Das Kochbuch des Sozialismus“ hermacht.

Die kulinarische Reise durch die Ex-Sowjetrepubliken ist deftig. Wladimir Kaminers passende Erzählungen aus der Gegenwart zu all diesen Ländern sind zudem eine feine ironische Brechung alter Vielvölkerstaatsträume. Sie handeln vom Leben der Exilanten in
Berlin, von ihren Träumen und Erinnerungen an die Heimat. Und sie erzählen von der postsozialistischen Geschichte Weißrusslands, Lettlands oder Tschetscheniens.

Eine als Kochbuch getarnte literarische Geschichtsstunde also. Und sie ist kraftvoll angerichtet.

Otto Sander und Götz Alsmann lesen Max und Moritz

Der alte Wilhelm Busch (1832- 1908) ist seit einigen Jahren wieder richtig in. Spätestens seit Robert Gernhardt (69) die wunderbare Auswahl „Da grunzt das Schwein, die Englein sangen“ veröffentlichte, wird sein Humor wieder ernst genommen.

Schauspieler Otto Sander (65) und Entertainer Götz Alsmann (49) haben sich auch durch
das Werk gelesen und für eine herrliche CD ihre Busch-Favoriten vorgelesen. Dabei legen sie viele verschüttete kleine Gedichte und Texte frei. Natürlich lesen sie „Max und Moritz“. Dieser Einstieg in die CD soll die lachenden Hörer nur einfangen. Die vielen kleinen Bosheiten, die danach folgen, machen das Hörbuch zu einem echten Knüller – inklusive Alsmanns Ukulele-Improvisationen.

Paul Berman analysiert die Generation Joschka Fischer

Joschka Fischer (57) ist der Inbegriff eines 68ers, der den Marsch durch die Institutionen vollendete. Paul Berman, ein amerikanischer Intellektueller, hat die Karriere Fischers vom Straßenkämpfer bis zum Außenminister analysiert.

Sein Blick von außen lässt die Debatte über Fischers Vergangenheit kleinkariert erscheinen. Zu Recht. Denn Bermann zeigt in seinem Buch auf, wie sich eine Generation
nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa aufmachte, um das Leben freier, friedlicher und fröhlicher zu machen. Und welchen Erfolg die Generation gesellschaftlich
hatte. Problematisch bleibt aber sein Vorwurf, dass Fischer und Co. den Irakkrieg
ablehnten.

Paul Berman: IDEALISTEN AN DER MACHT – DIE PASSION DES JOSCHKA
FISCHER. SIEDLER. 19,95 EURO

Mikael Niemi So witzig treibt es die Welt mit uns

Wer glaubt, dass die Welt durch den Urknall entstanden ist, der ist auf dem Holzweg. Denn eigentlich ist alles viel verrückter. Mikael Niemi hat in seinem aktuellen Roman „Das Loch in der Schwarte“ eine skurril-witzige Erklärung der Welt vorgelegt.

Niemi wurde mit seinem Debüt „Populärmusik aus Vittula“ weit über seine schwedische Heimat hinaus bekannt. Die Verfilmung des Buches verstärkte die Resonanz auf den etwas schrulligen Schweden noch. In „Das Loch in der Schwarte“ wandelt Niemi ein bisschen auf den Spuren von Douglas Adams und dessen „Per Anhalter durch die Galaxis“. Der Held seines Romans lebt irgendwann in der Zukunft und arbeitet als Fährmann eines  Transport-Raumschiffs, das quer durch alle Galaxien fliegt. Die Betonung liegt auf alle.

Denn Niemis Menschen kennen das Geheimnis der Welt inzwischen. Sie wissen, wo das Ende der Welt ist. Sie wissen sogar, dass danach noch etwas kommt. Ein Reich der Zwischenmaterie. Oder so ähnlich.

Der Roman beginnt mit einer ganz beschaulichen Geschichte. Irgendwo am Polarkreis geht ein Mann in eine Sauna direkt an einem unberührten See. Und dann passieren die  unglaublichsten Dinge. Die sind der Anfang vom Verständnis der Welt. Denn Außerirdische
besuchen die Erde. Sie sind recht seltsam und schauen sich die Welt aus anderen Zeitwinkeln an.

Diese Geschichte ist der Rahmen für all die Erlebnisse, von denen der Raumfahrer als Chronist zu erzählen weiß. Er berichtet von Figuren, die Krokodilen gleichen und intergalaktische Konzerne besitzen. Er erzählt vom abgedrehtesten Club der Galaxis, der
Schwarte, in der sich alles versammelt, was durch das Universum kreucht und fleucht. Und das ist einiges! Er erläutert, wie die ersten Freaks mit gebrauchten Raumschiffen
ins All vorgestoßen sind – und was sie da alles so erlebten.

Dabei weiß er auch noch, wie der Markt für gebrauchte Raumschiffe damals auf der Erde in Schwung kam, wie Siedler auszogen und auf Kometen und Planeten neue Zivilisationen
gründen wollten. All das ist extrem witzig geschrieben. Kein Gedanke ist Niemi zu abgedreht. Und so formt er eine literarische Welt, die der guten alten Erde aufs Vergnüglichste den Spiegel vorhält.

MIKAEL NIEMI: DAS LOCH IN DER SCHWARTE. BTB. 19.90 EURO

Eulenspiegel veröffentlicht das erste Satire-Jahrbuch

Klaus Stuttmann (56), der Berliner Karikaturist, muss sich aus Angst vor islamistischen Morddrohungen verstecken. Und das nur wegen einer sehr gelungenen Karikatur
gegen die politische Weltsicht von Innenminister Schäuble. Die Welt ist kompliziert. Aber Satiriker schaffen es immer wieder, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und das tut dann oft weh.

Der Eulenspiegel-Verlag hat mit „Die geballte Ladung“ erstmals ein Jahrbuch  herausgegeben. Wiglaf Droste (44), Matthias Biskupek (55), Ernst Röhl (68) und andere kommen zu Wort. Haderer, Mette oder Stuttmann illustrieren. Das alles ist ein wunderbar böser Rückblick – ganz ohne Mohammed. Die Eiferer, die sich darüber aufregen,
sollten sich anschauen, wie böse der Westen zu sich selbst ist!

Friedrich Küppersbusch liest eine Biografie von Joseph Beuys

Der Mann irritiert auch 20 Jahre nach seinem Tod noch immer. Joseph Beuys (1921 – 1986) ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Aktionen mit Fett und Filz, seine Objekte aus Blut, Kabeln und sonstigen Alltagsmaterialien lassen noch immer viele Betrachter ratlos zurück.

Obwohl er die Kunst aus der Welt der elitären Ästheten zu den Menschen brachte. Heiner
Stachelhaus (1930 – 2002) hat den Künstler, Lehrer, Politiker Beuys in seiner Biografie nicht nur beschrieben. Er hat ihn übersetzt. Friedrich Küppersbusch (44) liest
sie als erstes Hörbuch einer Portrait-Reihe von Roof Music. Das ist sehr lehrreich. Die Passagen über Bildung sollte Pflicht an allen Bildungseinrichtungen und für alle
Bildungspolitiker werden.