Qiu Shihua irritiert mit seinen weißen Landschaften

Der Ausstellungsraum im Hamburger Bahnhof mit den Bilder Qiu Shihuas
Der Ausstellungsraum im Hamburger Bahnhof mit den Bilder Qiu Shihuas

Beim Betreten des Saales blendet das Weiß. Nicht nur die Wände sind weiß, auch die Bilder sind alle weiß. Qiu Shihua bemalt große Flächen mit dieser klaren Farbe – und mit ganz wenigen Abstufungen.

Man muss ganz nah an die Bilder rangehen, dann stellen sich die Augen auf die Qiu Shihuas Leinwand ein, dann werden sanfte Strukturen sichtbar.

Wer ganz genau hinsieht, erkennt das Durchschimmern einer Sonne durch dichten Nebel. Und er nimmt Strukturen von Landschaften wahr.

Qiu Shihua: Ohne Titel
Qiu Shihua: Ohne Titel

Vor den Bildern können die Augen beginnen zu schmerzen. Eine Erfahrung, die ich beim Betrachten von Bildern noch nicht machte. Sie zwingt zur vollen Konzentration – und zu einer Innerlichkeit, die weh tut, weil das Äußere kaum noch Halt gibt.

Qiu Shihuas Ausstellungsraum
Qiu Shihuas Ausstellungsraum

Nur der Raum gibt Halt. Eine irre Erfahrung, wie sich die eigene Wahrnehmung verändert. Eine Irritation, die nachwirkt, weil sie zeigt, dass der genaue Blick manchmal schmerzhaft, aber dann auch sehr erkenntnisreich und dadurch anregend und belebend sein kann.

Fridericiana (III) – Friederisiko zeigt den Preußenkönig in allen Farben

Der Alte Fritz in vielen Farben
Der Alte Fritz in vielen Farben

Friederisiko, die Ausstellung zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs, zeigt Friedrich II. so bunt und vielseitig wie diese Büsten eines hießigen Künstlers aus dem Museumsshop. Da gibt es Räume über den Politiker, den Mann, das Kind, den Kunstfreund, den Feldherren, den Patriarchen und immer wieder ganz einfach über den Menschen. Mehr kann eine Ausstellung nicht schaffen. Und der Besucher kann das gar nicht alles ausfnehmen. Deshalb bin ich mir sicher, dass ich diese Ausstellung noch mindestens einmal besuchen werde.

Denn der Rahmen für die Jubiläumsschau ist das Neue Palais in Potsdam. Dieses Schloss, das Friedrich als Gästehaus und Zeichen seiner Macht hat bauen lassen, wurde extra restauriert. Etliche Räume waren noch nie zugänglich. Jetzt sind sie es – und sie blenden. Denn sie sind Ausdruck des Kunstsinns Friedrichs, der Verschwendungssucht, des Machtbewusstseins und der Freude am – teils witzigen – Detail.

Die Audio-Guides erklären das alles sehr gut. Die Fassung für Kinder ist aber wieder einmal packender. Hier wird nicht nur doziert, sondern in einem szenischen Gespräch mit gut ausgewählten Tönen eine enorme Anschaulichkeit erzeugt. Die vielen seltenen Exponate tun ein Übriges, um den Besucher gut zu informieren und Friedrich nahe zu bringen. Aber natürlich fordert allein ihre Fülle von mehreren hundert Stück die volle Konzentration des Besuchers. Mir war es für das erste Mal zu viel. Aber ich bin nicht satt. Ich bin nur überwältigt. Das wird sich mit dem Katalog aber bewältigen lassen. Und dann will ich da noch einmal hin. Oder vielleicht sogar zweimal! Und das sieht auch mein Sohn genauso.

Mehr Fridericiana:
I. Norbert Leitholds Panorama überzeugt
II. Wo steht das Erbstück richtig?
IV. d’Apriles feines Buch über die Aufklärer in Umfeld Friedrichs

Gerhard Richter selbst gemacht

In der Berliner Gerhard-Richter-Ausstellung kann man auch ausprobieren, wie seine Verwischungseffekte mit Glasscheiben erzeugt werden können.