Saure Angela

Die saure Angela
Die saure Angela

Weil kein Zitronensaft im Kühlschrank war, kam dieses Geschenk hier zum ersten Mal zum Einsatz. Mit solchen Geschenken ist es ja oft so, dass man sich mehr darüber wundert als freut. Auch wenn eine Hauptstadtkorrespondentin die freudige Schenkerin war.

Doch wenn beim Abschmecken der Spargelsoße eindeutig die Säure fehlt, bekommt das Ganze doch noch einen Sinn. Und mit Gebrauchsspuren wird aus dem vermeintlich seltsamen Geschenk ruckzuck eines, das für große Heiterkeit im ganzen Haus sorgt.

Und die Soße wurde natürlich dadurch auch erst das, was der geneigte Gaumen zu feinem Spargel und guten Kartoffeln erwartet.

Fundstück im Antiquariat (1): Walter Mehrings Autograph

Walter Mehrings Autograph
Walter Mehrings Autograph

Es gibt sie noch, diese Glücksmomente in Antiquariaten. Nicht nur das Strahlen eines Menschen, wenn er ein Buch entdeckt, das er sucht. Oder jenes, wenn wir viel mehr zu einem Thema finden, als wir erhofft hatten. Diese Momente gehören zu den wesentlichen Gründen, weshalb der Besuch von Antiquariaten immer schön ist. Und immer gefährlich für den Geldbeutel.

Doch manchmal gibt es diese ganz besonderen Augenblicke, in denen das Herz vor Glück zu rasen beginnt und das Hirn erst einmal nicht glauben will, was das Auge sieht. So einen Moment bescherte der letzte Besuch eines Antiquariats in Kreuzberg. Zusammen mit einer lieben Freundin stand die Suche nach spezieller Reiseliteratur an. Doch dann greift sie bei der deutschen Literatur unter “M” in ein Regal, zieht einen blauen, unspektakulären Band hervor. Und öffnet ihn. Sofort habe ich die Handschrift auf dem Aufdeckblatt erkannt. Und das Herz hüpfte und raste. Ja, meine Hand musste das Buch sofort fühlen – und es ihr deshalb fast schon aus den Händen reißen. Tatsächlich. Es ist seine Schrift. Es ist seine Unterschrift. Es passt die Zeit, in der er viel in München im Hotel lebte und viel in Zürich. Es ist eine Widmung von Walter Mehring! In der Herbig-Ausgabe des “Großen Ketzerbreviers” von 1974. Also von einer eher unbedeutenden Ausgabe.

Wahrscheinlich kann das kaum jemand verstehen. Aber sie hat es verstanden. Und sich genauso mitgefreut. Sie war mir nicht böse, dass ich ihr das Buch nicht lassen konnte. Im Gegenteil. Sie schenkte es mir! Und ich bin jetzt im Besitz des zweiten Buches dieser Ausgabe – aber nun mit dem Autograph des damals, 1975, sehr unglücklichen Walter Mehring.

P.S.: Gesteigert werden diese Glücksmomente in Antiquariaten noch, wenn es eine Entdeckung ist, die sich im Preis nicht niederschlägt. In diesem Fall war es so. Wenige Euro für eine Besonderheit, die noch dazu Seite für Seite immer wieder lesenswert ist.

Weitere Fundstücke im Antiquariat:
Walter Mehrings Autograph
Ludwig Börnes Verhaftung
Kostbarkeiten bei Alfred Polgar
Ein Theaterzettel von 1931
Die Verlustanzeige von Karl Frucht
Andreas Oppermann erinnert 1860 an Palermo

Ein erster Tag in Istanbul

Die Flüge von Berlin nach Istanbul sind zwar günstig. Dafür rauben sie einem viel Zeit. Erst kurz vor zwei startet die Maschine. Ein schlechtes Gewissen fliegt nicht nur wegen des Klimas mit. Als Betroffener des neuen Flughafen in Schönefeld lehne ich Nachtflüge ab. Doch noch sind sie erlaubt. Und so nutzt man, wogegen man eigentlich ist. Schön ist dann die Fahrt mit dem Havas-Bus vom Flughafen Sabiha Gökcen in die Stadt.

Denn um halb sechs ist alle noch ruhig. Die Sonne geht auf, als der der Bus über die große Brücke über den Bosporus fährt. Nach wenigen Schlafstunden in Flugzeug macht dieser Anblick allen Ärger und alle Zweifel wett. Dennoch ist Schlafen angesagt. Und zwar im Hotel. Zumindest für einige Stunden, bis es dann zum späten Frühstück in diese Stadt geht.

Das erste Ziel in Istanbul ist Orhan Pamuks Museum der Unschuld. Zwar weiß ich seit der Lesung im März, dass es noch immer nicht eröffnet ist, aber einen Blick auf dieses ungewöhnliche Vorhaben, ein Museum für einen Roman zu eröffnen, der längst erschienen ist, muss dennoch sein. Pamuk will hier ein Haus als Museum so einrichten, wie es im gleichnamigen Buch beschrieben ist. Beim nächsten Besuch Istanbuls ist es vielleicht eröffnet?

An so einem ersten Tag in einer Stadt ist Treibenlassen das Schönste. Und so vergeht dieser Freitag auch. Ob in Katakoy Schiffen nachschauen, die offensichtlich zu einem internationalen Marine-Konvoi gehören oder später selbst mit dem Schiff auf die Prinzeninseln fahren, um mit dem Rad ein dann leider verschlossenes und verregnetes Kloster zu erkunden, dieses Nichts-Tun-Müssen ist herrlich. Und sorgt für einen schönen Abstand zur kurz vorher abgschlossenen Arbeit.

Auch wenn diese Ansammlung von Schwarz-Meer-Marineschiffen die Gedanken nach Libyen und Syrien zieht, wo Menschen andere Sorgen haben, als sich treiben zu lassen. Da geht es um Freiheit und den Sturz von Diktatoren. Große Themen, die so gar nicht in diese wenigen Tage Erholung passen wollen. Viele Cay in unterschiedlichen Cafés und Lokalen, gutes Essen mit Kreuzkümmel und Lamm, buntes Treiben in dieser vollen Stadt, all das ist belebend und beruhigend zugleich.

Ein zweiter Tag in Istanbul

Warum nicht 
einfach immer 
Sommerzeit?

Seit 30 Jahren stellen die Deutschen Jahr für Jahre ihre Uhren um. Im Frühjahr kommt die Sommerzeit und im Herbst die Winterzeit, die es ja gar nicht gibt. Von den meisten wird dieses Ritual als störend empfunden.

Im Kern handelt es sich bei der Sommerzeit um einen Versuch, das Leben der gesamten Gesellschaft ökonomischer zu gestalten. Nach der Ölkrise 1973 war das Bemühen, Energie zu sparen sehr groß. Wenn es im Sommer länger hell ist, dann wird weniger Strom verbraucht, dachten sich die Verantwortlichen. Im Westeuropa wurde deshalb Ende der 1970er Jahre die Sommerzeit eingeführt. Nur in Deutschland dauerte es etwas länger.

Um tatsächlich wirtschaftlichen Nutzen aus der Zeitumstellung ziehen zu können, mussten hier zu Lande beide Staaten trotz der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Wirtschaftssystemen synchron funktionieren. Vor allem der Verkehr zwischen Ost- und West erforderte dies. 1980 war es dann so weit. Die DDR forcierte die Umstellung. Die Bundesrepublik beschleunigte die Einführung. Als gesamtdeutsches Projekt konnten die Uhren umgestellt werden. Die Fahrpläne der Bahnen harmonierten weiter. Ganz nebenbei wurde so ein kleines Stück gesamtdeutscher Normalität durch das gleichzeitige Drehen am Zeiger festgeschrieben.

Aber der ökonomische Nutzen stellte sich nicht ein. Energie wird nicht gespart. Das bisschen Strom für kürzer brennendes Licht, das weniger benötigt wird, ist nicht messbar. Auch sonst sind keine Vorteile erkennbar. Das merkte schon die DDR, die deshalb mit der Ankündigung, zum Alten zurückkehren zu wollen, deutsch-deutsche Hektik verursachte. Die Sowjetunion aber war vom Nutzen überzeugt. So blieb der DDR-Alleingang aus.

D ie meisten Deutschen erleben seitdem die Nachteile. Die liegen im Befinden, teilweise sogar im gesundheitlichen Wohlergehen. Die Zahl derer, die Schwierigkeiten hat, sich an den neuen Schlafrhythmus anzupassen ist groß. Und das alles nur für einen nicht messbaren wirtschaftlichen Vorteil.

Damit steht die Zeitumstellung für ein Phänomen, das die Gesellschaft beherrscht. Wirtschaftliche Argumente dominieren unser Leben – bis in den Schlaf hinein. Ständige Erreichbarkeit mit Handy und Mail gehört sicherlich auch zum Unbehagen. Deshalb wäre es nicht verkehrt, mit der zeitlichen Fremdbestimmung aufzuhören. Für die Sommerzeit hieße dies, dass sie einfach für immer bleibt.

MOZ-Kommentar…

Dieter B. Herrmann über die Faszination der Sterne

Dieter B. Herrmann (70) kann den Blick von den Sternen nicht abwenden. Der langjährige Leiter der Archenhold-Sternwarte zu Berlin und Gründungsdirektor des Berliner Zeiss-Großplanetariums wird von nun an jeden Monat in der Kolumne „Herrmanns Himmelsblicke“ den Sternenhimmel erläutern – sowohl im Journal als auch im Video auf der MOZ-Internetseite. Mit Andreas Oppermann sprach er über die Faszination, die der Sternenhimmel ausübt.

Märkische Oderzeitung: Herr Herrmann, was sagen Ihnen die Sterne über das Jahr 2010?

Dieter B. Herrmann: Auch wenn zum Jahreswechsel viel in die Sterne geblickt wird, kann man dort dennoch nichts über die Zukunft finden. Die Sterne erzählen uns sehr viel, aber wirklich nichts über unsere direkt bevorstehende Zukunft. Astrologie hat nichts mit Wissenschaft zu tun.

Und dennoch sind die Menschen schon immer davon fasziniert.

Das ist richtig. Schon vor Jahrtausenden in der Antike hat der Mensch in den Sternenhimmel geblickt und versucht, die Bewegung der Sterne zu deuten. Das ist auch nach wie vor so. Aber wer behauptet, die Zukunft in den Sternen zu finden, erzählt Unfug. Allenfalls können Astronomen durch die Beobachtung der kosmischen Phänomene vorhersagen, wie sich unser Sonnensystem entwickeln wird. Aber da sprechen wir nicht vom kommenden Jahr, sondern von den nächsten Jahrmilliarden.

Die Vereinten Nationen hatten das vergangene Jahr zum internationalen der Jahr der Astronomie erklärt. Hat das etwas gebracht?

Ich denke schon. Vor allem in den weniger entwickelten Ländern, in denen es kaum Planetarien gibt, hat diese Initiative beachtlichen Erfolg gehabt. Damit wurde sinnvoll auf die Bedeutung der Naturwissenschaften hingewiesen.

Was genau kann solch ein Jahr der Astronomie bewirken?

Die Astronomie ist eine Wissenschaft, in der sich alle anderen bündeln. Physik, Chemie und Mathematik sind für den Astronomen genauso bedeutsam wie die Biologie. Wenn man also die Astronomie in den Fokus rückt, dann nutzt man die Faszination des Sternenhimmels, um die Naturwissenschaften generell zu stärken. Auch in Brandenburg ist wieder vom Schulfach Astronomie die Rede gewesen.

Aber ist das wirklich sinnvoll? Der Fächerkanon ist schon so voll. Die Verkürzung des Gymnasiums hat dazu geführt, dass die Kinder jetzt die gleiche Menge Stoff in einem Jahr weniger lernen sollen.

Ich sehe in der Astronomie auch eher eine Ergänzung, ein Wahlfach, das nicht zulasten anderer Fächer gehen sollte. Aber sie ist so spannend, dass sie auch die Literatur- und Geschichtswissenschaften berührt.

Gerade sprachen Sie von der Biologie als Teil der Astronomie. Glauben Sie an außerirdisches Leben?

Die Menschen sind doch schon immer von der Möglichkeit fasziniert, dass es womöglich noch anderswo Leben geben könnte. Mit welchem großen Interesse die Entdeckung von Wasser auf dem Mars kommentiert wurde, zeigt das.

Womit aber noch nicht bewiesen ist, dass es Leben, gar intelligentes Leben gibt.

Das ist richtig. Aber wir können heute mithilfe des Weltraumteleskops Hubble verfolgen, wie neue Sonnensysteme in den Weiten des Alls entstehen. Wir begreifen, dass es noch viele Planetensysteme gibt. Die meisten kennen wir noch gar nicht. Wenn man bedenkt, dass wir erst am Anfang der Weltraumforschung sind, dann halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass wir auch noch Leben im All entdecken werden. Ich weiß nicht in welcher Form. Aber dass es kein Leben außer dem auf der Erde geben sollte, scheint mir sehr unwahrscheinlich.

Damit projizieren Sie auch Wünsche in die Sterne, wie es ein Astrologe tut.

Nein. Ich spreche über wissenschaftliche Wahrscheinlichkeiten und nicht über eigene Wünsche oder Sorgen, bei denen mir der Blick in die Sterne angeblich einen Rat geben könnte. Das ist ein ganz großer Unterschied.

Würden Sie den Sternen gern einmal ganz nahe sein und selbst ins Weltall fliegen?

Nein, das muss nicht sein. Es gibt noch so viele Reiseziele auf dieser Erde, die ich gern sehen würde. Etwa in Peru oder Bolivien.

Wo sich ja auch uralte Formen der Sternenbeobachtung finden lassen.

Ja. Da haben wir es wieder. Überall, auch bei den lateinamerikanischen Hochkulturen, gab es diesen Wunsch, die Welt durch den Blick in die Sterne besser verstehen zu lernen.

Nun gibt es aber seit einigen Wochen den sehr konkreten Plan, Touristen ins Weltall zu bringen, damit sie die Erde bestaunen können. Das reizt Sie nicht?

Selbst wenn ich es spannend fände, würde mir bei diesen Preisen der Spaß vergehen. Um kurz die Schwerelosigkeit erleben zu können, sechsstellige Beträge auszugeben, das ist meine Sache nicht.

Sie haben zusammen mit einem Radiosender und einem Hörbuchverlag eine andere Form des Sternenguckens in Berlin populär gemacht …

Das Hörspielkino unterm Sternenhimmel. Aber das war nicht meine Idee. Sie wurde an uns herangetragen. Anfangs war ich sehr skeptisch. Aber ich habe mich eines Besseren belehren lassen. Die Menschen strömen auch nach Jahren noch in diese Veranstaltungen.

Was macht den Reiz aus? Hörbücher kann man auch anderswo hören.

Aber dieses Gemeinschaftserlebnis unter einem großen Sternenhimmel scheint etwas Besonderes zu sein. Die Möglichkeit, sich ganz auf das Gehörte konzentrieren zu können und allenfalls die Gedanken zu den Sternen schweifen zu lassen, hat vielleicht etwas von einer romantischen Sommernacht. Für das Planetarium hat es natürlich den Effekt, dass durch diese neue Form von Veranstaltung neue Besuchergruppen erschlossen werden. Manch einer kommt vielleicht dann auch zu einem normalen Planetariumsbesuch. Und ganz nebenbei ist das Hörspielkino natürlich eine zusätzliche Einnahmequelle.

Ab sofort wollen Sie die Leser der MOZ mit Ihrer Begeisterung für den Sternenhimmel anstecken.

Ich finde das wunderbar, dass die MOZ das Jahr der Astronomie mit einer monatlichen Serie fortsetzt.

Was wollen Sie erläutern?

In meiner Kolumne „Herrmanns Himmelsblicke“ werde ich den Sternenhimmel des Monats erklären. Dabei geht es um Sternbilder und um die Geschichten, die sich hinter diesen Sternbildern verstecken. Außerdem will ich versuchen, auf besondere astronomische Besonderheiten hinweisen, die sich in diesem Monat entdecken lassen.

Sie schreiben nicht nur für die MOZ. Sie stehen auch vor der Kamera.

In der Videokolumne konzent¬riere ich mich auf das Sternbild des Monats. Jeder Monat bietet einen eigenen Blick in den Himmel. In der ersten Folge erzähle ich vom Januarhimmel und dem Orion. Ich bin sehr gespannt, wie das ankommt.

Herrmanns Himmelsblicke bei der MOZ…

Paul ist ein Ost-Exportschlager

Die Suche nach dem richtigen Vornamen beschäftigt angehende Eltern sehr. In Leipzig berät Gabriele Rodriguez nicht nur Eltern, sondern auch Standesämter sowie Gerichte. Andreas Oppermann informierte sich bei der Sprachwissenschaftlerin über Trends und regionale Besonderheiten.

Frau Rodriguez, mit welchen Anliegen kommen angehende Eltern zu Ihnen?

Gabriele Rodriguez: In den meisten Fällen werden Eltern von Standesämtern an uns verwiesen, um eine Bescheinigung für die Verwendung eines bestimmten Namens zu bekommen. Wir haben in Deutschland eine freie Vornamenwahl, mit einigen Einschränkungen: Der Name muss einen Vornamen-Charakter haben. Er muss das Geschlecht eindeutig benennen oder mit einem Zweitnamen versehen werden. Und das Wohl des Kindes muss gewährleistet sein.

Das klingt nicht sehr kompliziert.

Aus Sicht der Standesämter ist das gar nicht so einfach, weil in Deutschland immer mehr neue Namen eingetragen werden, die es in den Verzeichnissen der Standesämter gar nicht gibt. Außerdem gibt es wegen internationaler Einflüsse Probleme mit der Eindeutigkeit des Geschlechts. Ich heiße Gabriele. In Italien ist das ein Männername, in Deutschland ganz klar ein Frauenname. Und immer wieder geht es auch um die Frage des Wohles des Kindes. Wir erstellen dann Gutachten für Gerichte, um zu bewerten, ob Namen eintragungsfähig sind oder nicht.

Ist der internationale Einfluss so stark?

In den letzten zehn Jahren betrifft die Hälfte der Anfragen ausländische Namen. Jedes vierte Kind, das in Deutschland geboren wird, hat einen Migrationshintergrund.

Was sind denn die skurrilsten Namen, die Sie ablehnen mussten?

Das sind nicht so viele. Aber Crazy Horse, Borrusia, Whisky, Kirsche, Schröder oder Pfefferminze mussten wir ablehnen.

Pfefferminze als Vorname?

Ja, genauso wie Rumpelstilzchen, Joghurt oder Porsche.

Wollte da ein Porschefreund mit Mercedes gleichziehen?

Genau. Aber man muss natürlich wissen, wie diese Firmennamen entstanden sind. Mercedes ist tatsächlich ein Vorname, während Porsche ein Familienname ist. Familiennamen sind in Deutschland als Vorname nicht zulässig.

Welche Trends bei Vornamen beobachten Sie?

Der größte Trend ist eine ganz starke Individualisierung. Eltern wollen ihrem Kind oft einen seltenen, individuellen Namen geben. Das hängt mit unserer Gesellschaft zusammen, die stark individualistisch geprägt ist. Außerdem aber viele Eltern nur noch ein Kind, das soll dann etwas ganz Besonderes sein. Die freie Vornamenwahl erlaubt es den Eltern zudem, Kindern auch Namen aus anderen Kulturkreisen zu geben. Wir haben inzwischen deutsche Kinder mit japanischen oder indischen Namen.

Können Sie anhand der Namen erkennen, welche soziale Stellung die Eltern haben?

In diesem Zusammenhang gibt es zwei Trends, die auf das Milieu und den Bildungsstand der Eltern schließen lassen. Alte Namen sind bei Akademikern im Trend. Alle 100 Jahre gibt es eine Rückbesinnung auf alte deutsche Namen. Friedrich, Konrad, Karl sind dafür Beispiele. Oder Leopold, Arthur, Richard oder Edgar. Bei den Mädchen Ida, Irmgard, Irmhild. Ergänzt wird das um die traditionellen Namen wie Maximilian, Paul, Alexander oder Emma, Julia und Maria.

Und bei bildungsferneren Schichten?

Dort orientieren sich viele Eltern eher an TV, Musik und Sport. Deshalb gibt es dort einen Trend zu englischen und amerikanischen Namen.

Aber Kevin ist auf dem Rückzug?

Dafür kommen andere wie Quentin, Jason, Maddox, Lennox, Lenny und so weiter. Interessant ist, dass viele dieser Namen biblischen Ursprungs sind: Jeremy ist ein Jeremias, Simon ein Simon, Jason ein Jason. Das deutet aber nicht auf eine religiösere Gesellschaft. Im englischen Sprachraum haben biblische Namen eine größere Bedeutung. Den Hintergrund kennen viele deutsche Eltern gar nicht.

Erforschen Sie auch, was aus den Trägern bestimmter Namen wird?

Wenn wir das Beispiel Kevin nehmen, stellen wir fest, dass dieser Name vor 20 bis 30 Jahren vor allen von Akademikern vergeben wurde. Kevinismus als Synonym für Unterschicht hat mit diesen Kevins nichts zu tun. Der Name ist durch eine Reihe von Einflüssen vor gut zehn Jahren in bildungsfernen Kreisen populär geworden. Dort wurde er inflationär vergeben. Lehrer, die sagen, dass sie mit Kevins fast immer Probleme haben, identifizieren mit diesem Namen eine Herkunft, die in der Schule eher Probleme hat.

Heute ist er aber schon wieder aus der Mode?

Kevin ja, aber englische Namen nicht. Diese werden sehr oft mit Unterschicht assoziiert. Umgedreht werden alte Namen als intelligent eingestuft, weil der familiäre Hintergrund dafür spricht.

In unserem Verbreitungsgebiet ist der Paul am häufigsten, gefolgt von Jonas, Ben, Maximilian, Tim, Finn.

Das sind in der Tat sehr häufige Namen. Aber wenn früher die häufigsten Namen bei zehn Prozent der Kinder vergeben wurden, so sind es heute nur noch ein bis zwei eines Jahrgangs, die einen so häufigen Namen tragen. Im Gegenzug wächst der Bestand an Vornamen. Dies spiegelt den Trend zur Individualisierung. Jede Woche wird in Deutschland ein neuer Name in die Listen aufgenommen, den es so noch nicht gegeben hat.

Es gibt auch Namen, die mit der DDR verbunden werden.

In der ehemaligen DDR waren Sindy, Ronny, Peggy und so weiter sehr verbreitet. Man spricht sogar direkt von DDR-Namen. In Kimberly, Amy, Chelsea, Lenny oder Lily finden sie ihre Fortsetzung. Wenn sie ausgesprochen werden, enden sie auf „i“. Im Süden der ehemaligen DDR werden solche Namen gern verwendet, weil sie mit dem Dialekt harmonieren. Im Sächsischen wird sehr viel verkleinert, da passen solche Namen sehr gut. Je weiter wir in den Norden kommen, erhöht sich die Verwendung nordischer Namen.

Gibt es heute noch DDR-Namen, die bundesweit von Bedeutung sind?

Bevor Paul bundesweit unter die zehn häufigsten Vornamen gekommen ist, war er schon immer in der DDR Spitzenreiter. Insofern ist er ein Ostexport. Im Westen war er nicht so bekannt, hat dort aber Karriere gemacht. Heute gehört er regelmäßig zu den fünf beliebtesten Jungen-Namen. Auch andere alte Namen wir Friedrich oder Karl sind im Osten verbreiteter als im Westen.

Kann man anhand der Häufigkeit der Vornamen heute noch erkennen, ob man in einer katholisch, evangelisch oder atheistisch geprägten Gegend ist?

Wenn Sie in den Süden kommen, spielt das Benennen nach Taufpaten eine größere Rolle, auch nach mehreren Taufpaten. Im Süden finden Sie zudem eher die Vollformen der Namen: Maximilian, im Norden eher die Kurzform wie Max. Im Osten gibt es viel seltener Zweit- oder gar Drittnamen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es zudem eine immer freiere Vornamenwahl. Davor war sie oft noch gebunden. Viele Kinder bekamen den Vornamen des Paten. Umso besser dessen soziale Stellung war, umso mehr Kinder wurden nach ihm benannt. Ein weiteres Kriterium war die Unterschutzstellung der Kinder unter Heilige. Entsprechend waren solche Namen in katholischen Gegenden verbreiterter. Das gibt es heute kaum noch.

Welchen Rat geben Sie werdenden Eltern? Was sollten sie unbedingt vermeiden?

Wenn das Kind einen ungewöhnlichen Namen bekommt, sollte er mit einem gewöhnlichen Namen kombiniert werden. Dann hat das Kind später die Wahlmöglichkeit. Der Rufname wird im Ausweis ja nicht mehr unterstrichen. Jeder Name darf als Rufname verwendet werden. Zudem sollte der Vorname immer zum Familiennamen passen; sie sollten eine stilistische und klangliche Einheit bilden. Und bevor die Eltern den Namen vergeben, sollten sie sich überlegen, wie es für sie wäre, wenn sie so hießen. Könnten sie damit leben? Auf Rechtschreibung zu achten ist auch hilfreich.

Spielt die Bedeutung der Namen noch eine Rolle?

Ich empfehle immer, darauf zu achten. Der englische Name Malory geht zum Beispiel aufs französische Malheur zurück. Vielleicht kommt das Kind mal ins Ausland. Wollen Sie dann so heißen? Oder Fea. Im Spanischen heißt das die Hässliche. Das kann für das Kind später mal peinlich werden.

ZUR PERSON

Gabriele Rodriguez ist Sprachwissenschaftlerin. Sie arbeitet in der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig, die eng mit der Abteilung für Deutsch-Slavische Namenforschung des Instituts für Slavistik und der Gesellschaft für Namenkunde e. V. kooperiert.

MOZ-Interview…

Amsterdam lockt aufs Eis

Amsterdam riecht nicht wie andere Städte. Wer zu Fuß die Altstadt erkundet, wird von Abgasen recht wenig belästigt. Dafür ziehen hin und wieder die süßlichen Schwaden von Marihuana über die Gehsteige. Und der Duft von Gewürzen, der an die koloniale Vergangenheit der Niederlande erinnert.

Dieser Winter ist auch in Amsterdam knackig kalt. Die Grachten sind gefroren. Vor dem Rijksmuseum tummeln sich die Schlittschuhfahrer. Dort lockt der Geruch von Glühwein und „warmer Chocoladenmelk“. Eine friedliche Atmosphäre liegt über der Stadt. Die Kälte dämpft den Lärm auf den wenigen größeren Straßen der Altstadt. Aber immer wieder ist das Lachen von Kindern zu hören, die sich die Grachten auf Kufen aneignen. Und von Erwachsenen, die gerade am Wochenende der außergewöhnlichen Freizeitbeschäftigung nachgehen. Fast wirkt diese Schlittschuhleidenschaft wie die auf den Bildern von Hendrick Avercamp (1585–1634) oder Pieter Brueghel (1564–1637). Sie hielten schon im 16. und 17. Jahrhundert auf ihren Landschaftsbildern die Holländer fest, wie sie über gefrorene Flüsse schlittern.

Hendrick Avercamp widmet das Rijksmuseum momentan eine Sonderausstellung. Er gilt als der bedeutendste Maler von Winterlandschaften im „Goldenen Zeitalter“, Hollands wirtschaftlicher und kultureller Blütezeit im 17. Jahrhundert. Schöner kann der Besuch dieser Ausstellung gar nicht sein, als in diesen Tagen. Wer die Holländer auf dem Weg zur Schau auf den Schlittschuhen sieht und sie mit den ebenso heiteren Gesichtern auf den Avercampschen Bildern vergleicht, entdeckt die gleiche Freude, den Spaß am Schneeballwerfen, die Paare, die im Gleichschritt zu einer liebevollen Einheit geworden sind und sogar die Hunde, die sich auf dem ungewohnten Untergrund schwer tun.

Wer sich in der Ausstellung etwas Zeit nimmt und den Details der Bilder widmet, der belohnt sich bei seinem anschließenden Rundgang durch Amsterdam mit einem geschärften Blick für die vielen Besonderheiten am Rande. Etwa für die Verzierungen und Simse an den alten Häusern. Oder für die Geländer aus Schmiedeeisen, die nicht nur Kellerfenster und den Tritt auf vereisten Treppen sichern, sondern auch viele Hausboote, die in den gefrorenen Grachten liegen, schmücken.

Unweigerlich irritiert bei einem solchen Spaziergang durch Amsterdam immer wieder der Haschischduft die ihn ungewohnte Nase. Der legale Verkauf von Cannabisprodukten aller Art sorgt dafür, dass vor und in den unzähligen Coffeeshops gekifft wird. Es sind hauptsächlich Touristen, die sich dort eindecken. Und natürlich auch sofort rauchen.

Das Rijksmuseum widmet sich in seiner Ausstellung „The Masterpieces“ auch der Zeit, in der Amsterdam einmal so etwas wie eine Hauptstadt der Welt war. Im „Goldenen Zeitalter“ war die Stadt das Zentrum des europäischen Gewürzhandels. Nach der Übernahme der portugiesischen Kolonien in Indonesien kontrollierte die Niederländische Ostindische Kompanie den Handel mit Muskat und mit Nelken.

Amsterdam Brouwersgracht im Winter
Amsterdam Brouwersgracht im Winter

Das Schiffsmodell der „Prinz Willem“ aus dem Jahr 1651 ist mit seiner Länge von mehr als einem Meter nicht nur imposant. Es dokumentiert auch die Flotte, mit der dieser Reichtum in die Stadt kam. Er ließ dann die Kunst aufblühen, die mit Rembrandt oder Vanmeer ebenfalls in der Ausstellung präsent ist. Die stolze Architektur der hohen und schmalen Häuser an den Grachten aus dieser Zeit dominiert noch heute das Stadtbild.

Das Rijksmuseum zeigt in der kompakten Ausstellung das Zusammenwirken von wirtschaftlicher und militärischer Expansion und der Förderung der Künste ebenso wie das erstarkende Selbstbewusstsein der Handelsnation, an das noch heute vieles erinnert: die Giebel der Häuser, die dezente, aber edle Ausstattung der Kirchen oder so imposante Gebäude wie der Hauptbahnhof und das Rijksmuseum selbst.

Amsterdam befrorenes Fahrrad
Amsterdam befrorenes Fahrrad

Exotische Lokale sind in Amsterdam nicht erst in den vergangenen 30 Jahren entstanden. Indonesische Küche gibt es dort schon so lang, dass sie selbst an jeder „Frituur“, den holländischen Imbissbuden, zu bekommen ist. Zwar mussten die Niederlande sich Ende der 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts nach einem brutalen Krieg aus Indonesien zurückziehen. Aber das koloniale Erbe ist nicht zuletzt im bunten Gemisch der Menschen weiterhin sichtbar.

Auch das Rijksmuseum ist Ausdruck der kolonialen Größe. Nicht umsonst nennt es sich nach einem Reich, das längst vergangen ist. Nicht nur wegen der Rembrandtschen Nachtwache lohnt sich also der Besuch. Wobei auch sie vom Stolz der reichen Bürger zeugt, die ihr Geld mit dem Handel verdienten.

Die Ausstellung versäumt es übrigens nicht, den ersten Börsencrash der Welt darzustellen. 1637 platzte die Spekulationsblase auf Tulpenzwiebeln. Der Duft und die Schönheit der Blumen hatten den Preis für eine Zwiebel höher getrieben als den für ein Haus an der Amsterdamer Keizersgracht. Das konnte nicht gut gehen. Aber auch davon hat sich die Stadt zügig erholt.

Die Faszination der Sterne

Dieter B. Herrmann (70) kann den Blick von den Sternen nicht abwenden. Der langjährige Leiter der Archenhold-Sternwarte zu Berlin und Gründungsdirektor des Berliner Zeiss-Großplanetariums wird von nun an jeden Monat in der Kolumne „Herrmanns Himmelsblicke“ den Sternenhimmel erläutern – sowohl im Journal als auch im Video auf der MOZ-Internetseite. Mit Andreas Oppermann sprach er über die Faszination, die der Sternenhimmel ausübt.

Märkische Oderzeitung: Herr Herrmann, was sagen Ihnen die Sterne über das Jahr 2010?

Dieter B. Herrmann: Auch wenn zum Jahreswechsel viel in die Sterne geblickt wird, kann man dort dennoch nichts über die Zukunft finden. Die Sterne erzählen uns sehr viel, aber wirklich nichts über unsere direkt bevorstehende Zukunft. Astrologie hat nichts mit Wissenschaft zu tun.

Und dennoch sind die Menschen schon immer davon fasziniert.

Das ist richtig. Schon vor Jahrtausenden in der Antike hat der Mensch in den Sternenhimmel geblickt und versucht, die Bewegung der Sterne zu deuten. Das ist auch nach wie vor so. Aber wer behauptet, die Zukunft in den Sternen zu finden, erzählt Unfug. Allenfalls können Astronomen durch die Beobachtung der kosmischen Phänomene vorhersagen, wie sich unser Sonnensystem entwickeln wird. Aber da sprechen wir nicht vom kommenden Jahr, sondern von den nächsten Jahrmilliarden.

Die Vereinten Nationen hatten das vergangene Jahr zum internationalen der Jahr der Astronomie erklärt. Hat das etwas gebracht?

Ich denke schon. Vor allem in den weniger entwickelten Ländern, in denen es kaum Planetarien gibt, hat diese Initiative beachtlichen Erfolg gehabt. Damit wurde sinnvoll auf die Bedeutung der Naturwissenschaften hingewiesen.

Was genau kann solch ein Jahr der Astronomie bewirken?

Die Astronomie ist eine Wissenschaft, in der sich alle anderen bündeln. Physik, Chemie und Mathematik sind für den Astronomen genauso bedeutsam wie die Biologie. Wenn man also die Astronomie in den Fokus rückt, dann nutzt man die Faszination des Sternenhimmels, um die Naturwissenschaften generell zu stärken. Auch in Brandenburg ist wieder vom Schulfach Astronomie die Rede gewesen.

Aber ist das wirklich sinnvoll? Der Fächerkanon ist schon so voll. Die Verkürzung des Gymnasiums hat dazu geführt, dass die Kinder jetzt die gleiche Menge Stoff in einem Jahr weniger lernen sollen.

Ich sehe in der Astronomie auch eher eine Ergänzung, ein Wahlfach, das nicht zulasten anderer Fächer gehen sollte. Aber sie ist so spannend, dass sie auch die Literatur- und Geschichtswissenschaften berührt.

Gerade sprachen Sie von der Biologie als Teil der Astronomie. Glauben Sie an außerirdisches Leben?

Die Menschen sind doch schon immer von der Möglichkeit fasziniert, dass es womöglich noch anderswo Leben geben könnte. Mit welchem großen Interesse die Entdeckung von Wasser auf dem Mars kommentiert wurde, zeigt das.

Womit aber noch nicht bewiesen ist, dass es Leben, gar intelligentes Leben gibt.

Das ist richtig. Aber wir können heute mithilfe des Weltraumteleskops Hubble verfolgen, wie neue Sonnensysteme in den Weiten des Alls entstehen. Wir begreifen, dass es noch viele Planetensysteme gibt. Die meisten kennen wir noch gar nicht. Wenn man bedenkt, dass wir erst am Anfang der Weltraumforschung sind, dann halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass wir auch noch Leben im All entdecken werden. Ich weiß nicht in welcher Form. Aber dass es kein Leben außer dem auf der Erde geben sollte, scheint mir sehr unwahrscheinlich.

Damit projizieren Sie auch Wünsche in die Sterne, wie es ein Astrologe tut.

Nein. Ich spreche über wissenschaftliche Wahrscheinlichkeiten und nicht über eigene Wünsche oder Sorgen, bei denen mir der Blick in die Sterne angeblich einen Rat geben könnte. Das ist ein ganz großer Unterschied.

Würden Sie den Sternen gern einmal ganz nahe sein und selbst ins Weltall fliegen?

Nein, das muss nicht sein. Es gibt noch so viele Reiseziele auf dieser Erde, die ich gern sehen würde. Etwa in Peru oder Bolivien.

Wo sich ja auch uralte Formen der Sternenbeobachtung finden lassen.

Ja. Da haben wir es wieder. Überall, auch bei den lateinamerikanischen Hochkulturen, gab es diesen Wunsch, die Welt durch den Blick in die Sterne besser verstehen zu lernen.

Nun gibt es aber seit einigen Wochen den sehr konkreten Plan, Touristen ins Weltall zu bringen, damit sie die Erde bestaunen können. Das reizt Sie nicht?

Selbst wenn ich es spannend fände, würde mir bei diesen Preisen der Spaß vergehen. Um kurz die Schwerelosigkeit erleben zu können, sechsstellige Beträge auszugeben, das ist meine Sache nicht.

Sie haben zusammen mit einem Radiosender und einem Hörbuchverlag eine andere Form des Sternenguckens in Berlin populär gemacht …

Das Hörspielkino unterm Sternenhimmel. Aber das war nicht meine Idee. Sie wurde an uns herangetragen. Anfangs war ich sehr skeptisch. Aber ich habe mich eines Besseren belehren lassen. Die Menschen strömen auch nach Jahren noch in diese Veranstaltungen.

Was macht den Reiz aus? Hörbücher kann man auch anderswo hören.

Aber dieses Gemeinschaftserlebnis unter einem großen Sternenhimmel scheint etwas Besonderes zu sein. Die Möglichkeit, sich ganz auf das Gehörte konzentrieren zu können und allenfalls die Gedanken zu den Sternen schweifen zu lassen, hat vielleicht etwas von einer romantischen Sommernacht. Für das Planetarium hat es natürlich den Effekt, dass durch diese neue Form von Veranstaltung neue Besuchergruppen erschlossen werden. Manch einer kommt vielleicht dann auch zu einem normalen Planetariumsbesuch. Und ganz nebenbei ist das Hörspielkino natürlich eine zusätzliche Einnahmequelle.

Ab sofort wollen Sie die Leser der MOZ mit Ihrer Begeisterung für den Sternenhimmel anstecken.

Ich finde das wunderbar, dass die MOZ das Jahr der Astronomie mit einer monatlichen Serie fortsetzt.

Was wollen Sie erläutern?

In meiner Kolumne „Herrmanns Himmelsblicke“ werde ich den Sternenhimmel des Monats erklären. Dabei geht es um Sternbilder und um die Geschichten, die sich hinter diesen Sternbildern verstecken. Außerdem will ich versuchen, auf besondere astronomische Besonderheiten hinweisen, die sich in diesem Monat entdecken lassen.

Sie schreiben nicht nur für die MOZ. Sie stehen auch vor der Kamera.

In der Videokolumne konzent­riere ich mich auf das Sternbild des Monats. Jeder Monat bietet einen eigenen Blick in den Himmel. In der ersten Folge erzähle ich vom Januarhimmel und dem Orion. Ich bin sehr gespannt, wie das ankommt.

Feuchte Hände im Wahllokal

Bei einer Wahl ist das ganze Volk zu besichtigen. In der Loge sitzen die Wahlhelfer. An ihren Tischen flanieren Mitbürger vorbei, die das ganze Jahr nicht zu sehen waren. Aber für die meisten Menschen ist das Ereignis weit mehr als das Einwerfen eines Stück Papiers in einen Plastik­behälter.

Da ist der Erstwähler, der cool seinen Ausweis zückt, um sich fürs erste Mal zu registrieren. Doch als er den Wahlzettel in die Urne stecken will, knickt der um, will einfach nicht rein. Mit jedem Versuch, den Stimmzettel durch den Schlitz zu bugsieren, verfärbt sich sein Gesicht stärker ins Rot. Ist ja auch zu dumm, wenn man beim ersten Mal auf Ratschläge eines väterlichen Typs hören muss.

Oder das alte Ehepaar. „Vati, hast auch Deine Brille dabei?“ Schon steht eine ältere Dame hinter ihm in der Wahlkabine. Auf den Hinweis, dass die Wahl auch für Ehepartner geheim ist, folgt: „Da hast Du es Mutti. Ich kann das allein.“ Auch wenn er nicht allein an die Brille denken kann. Denn die braucht der alte Herr doch von seiner Frau.

Seit 15 Minuten sitzt der Mittvierziger auf dem kleinen Schulstuhl hinter der Sichtblende. Eigentlich muss er doch nur vier Kreuze machen. Warum dauert das so lang? „Ist jetzt die Erst- oder die Zweitstimme die wichtige?“, tönt es auf einmal aus der Kabine. Und als die Kreuze gemacht sind, sind seine Hände ganz feucht. So viele Parteien, so viele Kandidaten – und so viele Jahre, bis die Entscheidung korrigiert werden kann.

Das Problem hat die Mutter mit Baby nicht. Bei ihr muss es schnell gehen, denn als sie sich hinsetzt, fängt das Kleine an zu schreien. Während für sie die Wahl ganz wichtig ist, erzeugt die Politik bei ihm Verdruss. Aber für die meisten ist das Wählen etwas Besonderes. Viele sind schick angezogen. Andere unterbrechen die Radtour. Allen gemein ist ein Gefühl für den außergewöhnlichen Moment, in dem sie zum Souverän werden, der entscheiden darf.

Die Sorge um unsere Kinder

Die Zahl ist dramatisch: In 32.300 Fällen haben Jugendämter Kinder 2008 in ein Heim gebracht, um sie vor den Zuständen zu Hause zu schützen. Das Eingreifen der Ämter wird dabei von Familiengerichten gestützt. Voraussetzung ist die Gefährdung der Kinder. Nach den Fällen verhungerter und verwahrloster Kinder zeugt die Zunahme um mehr als 14 Prozent von einer größeren Aufmerksamkeit der Jugendämter.

Das ist erfreulich, denn die höhere Sensibilität der Ämter geht mit mehr Achtsamkeit von Schulen, Ärzten und Nachbarn einher. Die Gesellschaft schaut inzwischen genauer hin. Es ist wieder selbstverständlich, dass Kinder geschützt werden müssen – notfalls auch vor den eigenen Eltern.

Die fühlen sich oft überfordert. Dafür gibt es objektive Gründe. Den Entzug der Kinder können diese aber nur im äußersten Notfall rechtfertigen. Es besteht die Gefahr, dass Jugendämter Kinder aus Familien nehmen, weil sie sich nichts vorwerfen lassen wollen. Vor allem dort, wo sich zu wenige Mitarbeiter um zu viele Fälle kümmern müssen.

Dann aber wäre der Entzug der Kinder nichts anderes als ein Versagen der verantwortlichen Kommunalpolitiker. Immerhin gibt es auch Kommunen mit gegenläufigem Trend. Dort wird in Vorbeugung investiert. Jugend- oder Gesundheitsämter gehen kurz nach der Geburt zu den Eltern. Der Babybesuchsdienst erklärt, dass es Beratungsangebote gibt. Er zeigt jungen Eltern, dass sie mit ihren Problemen nicht alleingelassen werden. Und er baut Angst vor dem Amt ab.

Dazu müssen die Ämter qualitativ und quantitativ gut ausgestattet sein. Nur so können sie das notwendige Netzwerk aufbauen, das Eltern hilft. Nur dann bleibt Zeit, um Familien so zu begleiten, dass sie nicht langsam in eine Spirale aus Vernachlässigung, Angst und schlimmstenfalls Gewalt abrutschen.

Denn der eigentliche Auftrag der Jugendämter ist nicht die Herausnahme der Kinder aus den Familien, sondern Hilfe. Wenn die erfolgreichen Präventionsmodelle ausgebaut werden, dann besteht die Chance, dass weniger Kinder ins Heim müssen – und sie dennoch nicht gefährdet sind.