In Breslau sind selbst Stadtmöbel etwas Besonderes

In Breslau überzeugt das Detail. Ob es die Zwerge sind oder der Umgang mit dem Brückenstahl, die Gelegenheit den öffentlichen Raum zu gestalten wird genutzt. Wie ernst die Stadt das nimmt, zeigt vor allem ein weiteres Detail. Wenn andernorts Kreuzberger Bügel als das Nonplusultra des Felgen freundlichen Fahrradständers gelten mögen, so wartet Breslau zwar mit dem gleichen Prinzip, aber mit formschönen Varianten auf. „In Breslau sind selbst Stadtmöbel etwas Besonderes“ weiterlesen

Der beste Ort für einen kleinen Mann

Kleiner Mann im Konspira
Kleiner Mann im Konspira

Der Mann ist klein. Er misst nicht mehr an 1,50 m und ist damit ungefähr so groß wie ein zehnjähriges Kind. Seine Haare sind grau. Genauso wie sein Vollbart. Bei seinem Anblick ertappe ich mich dabei, verlegen zur Seite zu sehen.

Der Mann strahlt Ruhe und Würde aus. Er ist sich seiner selbst bewusst und weiß mit seiner Körpergröße umzugehen. Anders als ich, der ich irritiert bin. Sein Anblick löst in mir alle möglichen Erinnerungen an Romane und Filme aus. „Der beste Ort für einen kleinen Mann“ weiterlesen

Die Zwerge von Breslau

Wer sich in Breslau nicht nur die schön restaurierten Giebel, Fenster und Wandmalereien anschaut, wer nicht nur Ausschau nach den vielen Kneipen und Restaurants hält, sondern auch ab und an den Blick über das Kopfsteinpflaster schweifen lässt, der kann sie nicht übersehen: die Zwerge. Überall sind die kleinen Kunstwerke aus Bronze in der Stadt verteilt. Wer sie wahrnehmen will, muss genau hinsehen. Dann wird er mit viel Humor überrascht. „Die Zwerge von Breslau“ weiterlesen

Christhard Läpple schreibt ein Dorf-Porträt des Nachwende-Ostens

Christhard Läpple: So viel Anfang war nieChristhard Läpple hat sich in ein Dorf in Brandenburg verliebt. In seinem Buch nennt er es Herzdorf, doch tatsächlich handelt es sich um Netzeband im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Hier hat sich der ZDF-Journalist vor 20 Jahren ein Haus gekauft. Und hier hat Läpple in einem Mikrokosmos erlebt, wie radikal der Bruch zwischen DDR und vereinigter Bundesrepublik war. Sein Buch handelt genau davon. Vom Aufbruch, von Widerständen, vom Scheitern und dem Wandel. „Christhard Läpple schreibt ein Dorf-Porträt des Nachwende-Ostens“ weiterlesen

Anpaddeln auf dem Zeuthener See

Am ersten Samstag im März ist der Zeuthener See ganz leer. Kein Segelboot, kein Motorboot, keine Paddler bevölkern das Gewässer. Von der Eichwalder und der Schmöckwitzer Badewiese tönt noch nicht der frohe Sound der badenden Kinder über das Wasser. Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des nahenden Frühlings herrscht Stille. „Anpaddeln auf dem Zeuthener See“ weiterlesen

Rainald Grebe seziert in Schwedt die Provinz

Schwedt ist Provinz. Niemand, der das behauptet, wird damit den Schwedtern auf die Füße treten. Wenn Rainald Grebe das sagen würde, wären sie ihm zumindest nicht böse. Seit er in seinem Brandenburg-Lied das Autohaus in Schwedt besungen hat, sind Grebe und Schwedt fast schon ein Begriffspaar. und darauf kann dann auch der Schwedter stolz sein. Denn das ist ja auch ein Merkmal von Provinz: Auch wenn man veräppelt wird, freut man sich über die überregionale Wahrnehmung. Und wenn der Scherz zu Lasten des Provinzlers mit der eigenen Erfahrung übereinstimmt, dann passt das schon.

„Rainald Grebe seziert in Schwedt die Provinz“ weiterlesen

Thea Dorn sucht die faustische Unsterblichkeit

Thea Dorn: Die UnglückseligenWissenschaft ist kein großes literarisches Thema. Allenfalls in Science Fiction spielt sie eine bedeutende Rolle. Aber sonst? Wissenschaftler als Figuren gibt es häufiger, aber die Auseinandersetzung mit der Forschung der Gegenwart scheuen die Schriftsteller. Umso erstaunlicher – und erfreulicher – ist der aktuelle Roman von Thea Dorn, „Die Unglückseligen“. Das sind Johanna, eine energische Genforscherin, die auf der Suche nach der Unsterblichkeit ist. Und Johann, ein Physiker aus dem frühen 19. Jahrhundert, der aufgrund eines Gen-Defekts jede Art von Verletzung in kürzester Zeit auskuriert. Außerdem altert er seit Mitte 30 nicht mehr. Johanna lernt den Deutschen bei einem Forschungsaufenthalt in den USA kennen. Von Anfang an fühlt sie sich zu diesem Mann hingezogen. Warum weiß sie nicht. Ab dass er besonders ist, weiß sie. „Thea Dorn sucht die faustische Unsterblichkeit“ weiterlesen

Herbst am Krebssee in der Uckermark

Herbst in der Uckermark. Am Krebssee herrscht Stille. Zwischen Raureif uns Sonnenstrahlen liegt der See bei Trampe in der Nähe von Brüssow ruhig im Novemberlicht.

Eindrücke aus dem Stahlwerk

Ein Besuch bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt ist die Begegnung mit einer eigenen Welt. Stahl dominiert die Anblicke. Der glühende Stahl der Brammen, die Warmwalzwerk zu langen Stahlbändern, die zu Coils aufgerollt werden. Der Stahl all der Gestelle und Förderrollen und Walzen, die den Stahl transportieren. Der Stahl der Wasserdüsen zum Abkühlen des Stahls nach dem Walzen. Der Stahl der Kräne, Werkzeuge, Lokomotiven und Gabelstapler. Der Stahl der Hallenträger und Außenwände. Selbst die Waschbecken sind aus Stahl auf diesem riesigen Gelände, auf dem Hallen stehen, die bis zu 1000 Meter lang sind. Selbst das Farben- und Lichtspiel ist vom Stahl bestimmt; die Decken leuchten rot, wenn die Brammen in die Halle kommen. Die Coils schimmern silbern und kalt. Eine faszinierende Welt, in der man einen Eindruck davon bekommt, wie aufwändig die Produktion all der Dinge sind, die uns umgeben.

Türen in Vasto

Vasto hat alles, was Italien-Urlaubern das Herz öffnet. Eine wunderbar erhaltende Altstadt, die hoch über dem Meer liegt. Endlos lange Strände an der Adria. Alte Kirchen, ein Schloss mit Museum, nächtliches Leben in den Fußgängerzonen. Pizzerien und Restaurants mit herrlichem Blick über das Meer. Usw. usw.

Man weiß gar nicht, wohin der Blick schweifen und wo er verweilen soll. Und so sind es die Details, die sich in die Erinnerung brennen. Wie zum Beispiel die Türen. Allein deren Anblick zeigt, wie viele Häuser leer stehen, wer in ihnen wohnt oder wie die Räume dahinter genutzt werden. So vielfältig wie die Gestaltung der Türen.