Lustige Effekte des Abnehmens

Am Wochenende ist ein Anzug Pflicht. Also nicht an jedem, aber an diesem. Um ganz sicher zu sein, dass der gewählte Zweiteiler keinen Fleck hat, probierte ich ihn vorsichtshalber an. Doch siehe: Er hängt an mir wie ein Sack. Sieben bis acht Kilo weniger wirken sich dramatisch auf die Passgenauigkeit vor allem der Hose aus. Nun denn, es gibt ja mehr als einen Anzug im Schrank. Dann kommt eben der nächste dran. Doch das Ergebnis ist immer dasselbe: Säcke statt Hosen und manchmal sogar Jackets, die ohne Form und Halt um Schultern und vor allem Bauch labbern.

Um dem eigenen Anspruch auf einen gut sitzenden Anzug am Sonntag gerecht zu werden, musste also ein neuer her. Peek & Cloppenburg am Kudamm ist dafür immer eine gute Adresse. Eine Einschätzung, die offensichtlich auch weit bedeutendere Menschen als ich teilen. Denn als ich aus der Ankleidekabine heraustrete und dabei schon den guten Sitz der Hose spüre, deshalb in mich hineingrinse, steht plötzlich Peter Fox neben mir. Auch in einem Anzug, der sehr gut passt. Mein Blick schweift noch weiter – und siehe da: Seeed ist komplett hier. Doch die anderen Jungs tragen Unterhosen statt Anzüge. Aber nur kurz. Dann stehen sie alle in unterschiedlichen Anzügen vor den Spiegeln und diskutieren, welcher am besten sitzt. Und welcher zu sehr nach Big Band aussieht. Und wie er sich wohl anfühlt, wenn Scheinwerfer mit 50.000 Watt auf sie scheinen.

Das Outfit für die neue Tour wird hier gewählt. Und ich bin dabei. Grinse in mich hinein. Und zucke das Handy nicht, um die Herren in Boxershorts abzulichten. Das ginge dann doch zu weit. Aber wenn ich beim Seeed-Konzert sein werde und die Anzüge sehe, denke ich bestimmt auch an das, was sie darunter tragen. Und das nur, weil ich den Speckring unter meinem Outfit nicht mehr mit mir herumschleppe!

Zappas Werk ganz groß

Dieses Buch grenzt an Wahnsinn. Frank Wonneberg hat nichts Geringeres gemacht, als sämtliche Platten von Frank Zappa in allen ihren Ausgaben zu sammeln, zu katalogisieren und zu beschreiben. Für alle, die mit Zappa nicht sonderlich viel anfangen können, mag das nach Archivstaub klingen. Doch Wonneberg schreibt anhand der einzelnen Platten eine Biografie, eine Geschichte der Rockmusik und eine Geschichte der Musiktechnologie von der E-Gitarre über das Synclavier bis hin zur digitalen Studiotechnik.

„Grand Zappa – Internationale Frank Zappa Discology“ ist also vielmehr als eine absurde Aneinanderreihung der unterschiedlichen Label und der gleichen Schallplatte oder CD. Obwohl auch dies schon ein spannendes Thema ist. Wonneberg erschließt damit nämlich nicht nur die offiziellen Platten Zappas, sondern auch die Bootlegs, also inoffizielle Kopien und vor allem Konzertmitschnitte, die niemals autorisiert wurden. Diese Bootlegs aber spielten in den späten 1960er- und in den 1970er-Jahren eine große Rolle bei Fans. Bestimmte Bootlegs sind noch heute bei Sammlern sehr viel wert. Und das nicht nur bei Zappa, sondern vor allem auch bei Jimi Hendrix, den Doors, Bob Dylan und Velvet Underground.

Zum Fan-Sein hat diese Sammelwut immer dazugehört. In Zeiten digitaler Download-Plattformen ist diese Liebe zu den Details der Tonträger kaum noch nachzuvollziehen. Umso schöner ist es, dass sich der Sammler und Fan Wonneberg so akribisch bei Frank Zappa auf die Suche gemacht hat. Damit legt er auch ein kleines Stück Kulturgeschichte frei. Am oben abgebildeten Album „We’re only in it for the money“ lässt sich die Arbeit Wonnebergs gut darstellen. Ursprünglich war die Platte als direkte Reaktion auf „Sgt. Pepper’s“ von den Beatles konzipiert. Das lässt sich sehr gut am Cover oben rechts erkennen. Doch gab es wohl Probleme mit den Rechten an der Collage. Deshalb ist die erste Ausgabe in den USA mit einem Wendecover erschienen (das zweite von oben rechts). Die folgenden beiden Cover sind für CDs in den Jahren 2005 und 2008 entstanden, also lange nach Frank Zappas Tod.

Wonneberg erzählt die Geschichte des Covers ebenso knapp wie entscheidende Details zur Musik und zur Aufnahmetechnik. Insofern liefert er zu jeder Platte Zappas eine fundierte Kurzkritik, die angesichts der technischen Details auch eine Technikgeschichte der Rockmusik ergeben. Denn Frank Zappa war neuen technischen Möglichkeiten immer aufgeschlossen. Eigentlich hätte er am liebsten alles selbst gemacht, um seinen Perfektionismus ausleben zu können. Musiker mit eigenen Ideen und eigenen Interpretationen seiner Musik waren für ihn oft störend. Deshalb mischte Zappa die Mastertapes auch möglichst selbst. Und später bearbeitete er sie erneut, wenn es um neue Auflagen oder ab den 1980er-Jahren um die Veröffentlichung von CDs ging.

Angesichts der komplexen Musik, die ja nie einfache Rockmusik war, sondern sich immer an den Formen und Ausdrucksmöglichkeiten der Neuen Musik von Edgar Varese, Arnold Schönberg und anderen orientierte, ist dieser Drang zur Durchsetzung des eigenen Klangs sogar verständlich. Auch wenn er es vielen Musikern unmöglich machte, länger mit Zappa zusammenzuarbeiten. Wonneberg hat zu jeder der 45 offiziellen Zappa-Alben kuriose Informationen gesammelt. Beim Beispiel oben etwa die Hinweise, weshalb die Zensur an einigen Texten Anstoß nahm. In der Fülle der Texte entsteht so eine kleine Sittengeschichte vor allem der USA. Denn Zappa, der sich ja als Bürgerschreck inszenierte, setzte seine Texte immer wieder bewusst ein, um die Zensur auf den Plan zu rufen. Schließlich gibt es für Platten und Bücher kaum eine bessere Öffentlichkeitsarbeit als den Hinweis auf die Zensur. Im prüden Amerika war das für den Provokateur auch nicht schwer.

Die Texte Wonnebergs zeichnet bei einer großen Liebe zum Detail und zum Respekt des Fans vor dem verehrten Künstler dennoch eine gewisse Distanz aus. Der Autor liegt seinem Objekt der Begierde und Beschreibung nicht aus Demut zu Füßen. Im Gegenteil: Wonneberg hat eine ähnliche Ironie wie der Meister. Und so finden sich in den Texten auch etliche kleine Spitzen, die das Buch insgesamt lesenswert machen. Die Gestaltung des prachtvollen Bandes im Format von 36,5 mal 30 Zentimeter ist großartig. Die Fülle der grafischen Objekte wird klar und erkenntnisgewinnend präsentiert. Auch das hat Frank Wonneberg selbst übernommen, mit einem feinen Gespür für Typografie und Layout. Für Zappa-Fans ist das Buch sicherlich ein Muss. Aber angesichts der Freude am Detail ist der Band auch eine Freude für jeden Bücher- und Musikfreund.

Frank Wonneberg: „Grand Zappa“, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 69,95 Euro MOZ-Rezension…

Von der kraftvollen Erotik dicklicher Männer

Keiner der gut 25 Männer auf der Bühne hat einen Astralleib. Im Gegenteil: Fast alle tragen einen ganz schönen Bauch vor sich her. Und dennoch juchzen die Frauen und die Männer im Berliner Huxley’s vor lauter Extase, wenn sie nur einen leichten Hüftschwung vollführen. Und sie kreischen fast hysterisch, wenn sie alle in Bewegung und Schwung kommen.

Die Balkan Brass Battle von Boban & Marko Markovic Orchestra und Fanfare Ciocarlia strotzt vor so viel Energie, dass alle schwitzen, alle beben, alle auf ein noch schnelleres Tempo warten, nur um auch damit noch nicht voll befriedigt zu sein, weil sie erst mit dem letzten, dem höchsten Ton endlich kurz zur Ruhe, zum Durchatmen kommen können. Aber nur kurz. Denn es ist zu schön, um eine echte Pause ertragen zu können. Es muss weiter gehen. Der Klang und die Kraft und die Körper treiben immer neuen Höhepunkten entgegen. Beide Bands – Fanfare Ciocarlia aus Rumänien und Boban & Marko Markovic Orchestra aus Serbien – sind unglaublich. Sie beherrschen ihre Instrumente und das Zusammenspiel perfekt. Und sie verstehen es, das Publikum zu treiben, so wie sie es lieben, sich dem Rausch aus Rhythmus hinzugeben.

Wer von den beiden besser ist, lässt sich nicht sagen. Die Serben sind etwas traditioneller, die Rumänen spielen sogar „Born to be wild“ als Balkan-Brass-Nummer ohne jede Gitarre. Und das so ekstatisch, dass die Originalversion von Steppenwolf wie ein halbgarer musikalischer Einfall einer Schülerband wirkt. Und immer wieder diese Männer, diese Bewegungen, diese Anmache von der Bühne. Unglaublich! Einfach großartig!

Mehr von der Fanfare Ciocarlia:
Von der kraftvollen Erotik dicklicher Männer 
Blasmusik der Fanfare Ciocarlia feiert das Leben

Rotfront kennt keine Grenzen

Am Freitag erscheint die zweite CD des „Emigrantski Raggamuffin Kollektivs“ wie sich die Band auch noch nennt. Enge und Bevormundung sind genau die Assoziationen, die überhaupt nicht zu Rotfront passen. Denn die Band, die
Yuriy Gurzhy zusammen mit Simon Wahorn 2002 um sich geschart hat, sucht die Weite und den neuen Horizont, den sich Emigranten in jeder neuen Gesellschaft erschließen müssen. Außer den sowjetischen Wurzeln des Ukrainers Gurzhy erinnern allenfalls einige russische Songs an die Vergangenheit.

Thema des Albums und aller Live-Auftritte der fulminanten Musiker ist die Gegenwart. In den Songs beschreiben sie die internationale Welt, in der sie leben. Dass sich die Band in Berlin sammelte, ist deshalb auch kein Zufall. Dort gibt es diese Kultur, die sich aus ganz vielen Quellen speist und daraus etwas ganz Neues formt. Gurzhy ist der Internationalität schon lange auf der Spur. Für Trikont hat er den Sampler „Shtetl Superstars“ über aktuelle jüdische Musik quer über den Erdball zusammengestellt. Dabei suchte er das Verbindende in der Tradition.

Auf der neuen CD gibt es solche Elemente nur als persönliche Erinenrungen derer, die in Deutsch, Englisch, Russisch oder Ungarisch singen. Die Einheit wird durch das gemeinsame Musizieren so geformt, dass jeder Auftritt von Rotfront zwangsläufig zur Party wird. Schon nach den ersten Takten wippt jeder Saal. Auch deshalb ist Rotfront beim „Sziget-Festval“, einem der größten Europas, Headliner.

Musikalisch erinnert Rotfront an Seed oder Culcha Candela. Wo dort Karibik mitklingt, ist es hier Osteuropa. Ska, Raggae und HipHop werden mit Polka und Klezmer kombiniert. Heraus kommt Berliner Musik, die weltoffen, tolerant und befreiend feiert.

Rotfront: VisaFree (essay Recordings)

MOZ-Rezension…

Afritanga sprengt Weltmusik-Klischees

Afritanga
Afritanga

Wenn es das Münchner Label Trikont nicht gäbe, müsste es erfunden werden. Vor allem die immer wieder überraschenden Sampler aus fremden Kulturkreisen sind ein echter Verdienst.

Jetzt lässt sich der aktuelle Sound Kolumbiens entdecken. „Afritanga – The Sound of Afrocolumbia“ heißt die Platte, die sämtliche Klischees über südamerikanische Musik sprengt. Zwar gibt es Salsa auf der CD, doch der klingt hier aggressiv und fordernd.

Steen Thorsson, der die 15 Stücke zusammengestellt hat, konzentrierte sich auf die Gegenwart. Und lässt damit die Musik etwa vom „Karneval der Kulturen“ alt aussehen.

Afritanga „The Sound of Afrocolumbia“ (Trikont)

Berlin feiert die 17 Hippies

17 Hippis im Kesselhaus
17 Hippis im Kesselhaus

30 Instrumente sind es bestimmt, die das Dutzend Hippies, die sich 17 Hippies nennen, auf der Bühne zum Einsatz bringen. Von der leisen Blockflöte bis zur lauten Posaune, von der zarten Violine bis zur kreischenden Säge, von der zarten Ukulele bis zum wummernden Bass, die Palette der Instrumente ist genaus vielfältig wie die Bandbreite des Stilmixes.

Niemand in dem ausverkauften Konzert der „Phantom Songs-Tour“ kann angesichts der Vitatlität auf der Bühne ruhig bleiben. Alle feiern mit, wippen mit, klatschen mit uns singen mit. Wobei das mit dem Singen etwas schwer fällt. Die aktuelle Platte ist ja erst seit einigen Wochen im Handel. Selbst die besten Fans können die Texte nicht. Aber sie lassen sich alles auf das Neue ein. Das fällt bei den Hippies natürlich recht leicht, weil die neuen Songs ganz in der Tradition der älteren stehen. Das Publikum weiß, was es erwartet. Und die 17 Hippies enttäuschen es nicht.

Erstaunlich viele Songs feiern die reine Musikalität. Sie verzichten auf Gesang. Sie treiben in türkischen, jüdischen, französischen oder amerikanischen Rhythmen die Palette der Instrumente über die Bühne durchs Ohr der Zuhörer dirket in deren Beine. Das ist Unterhaltung, wie sie besser kaum sein kann. Wer die CDs der Hippies schon mag, wird von der Kraft der Live-Darbietung regelrecht weggefegt. Das Bühnenerlebnis ist eine unglaubliche Steigerung der Konserven.

Das liegt auch am perfekt abgemischten Sound. Nicht zu laut und doch laut genug ist kein einziges Instrument übersteuert. Jeder Sänger bekommt den Raum für seine Stimme, um in en kraftvollen Bläsersätzen oder dynamischen Streicherteppichen nicht unterzugehen. Kurz: Ein perfektes Konzert! Wobei perfekt hier nicht aseptischen meint, sondern das emotionale und musikalische Gegenteil.

Philip Boa mixt sich neu

Philipp Boa: Boaphenia
Philipp Boa: Boaphenia

Wenn alternde Rockmusiker ihre eigenen Alben neu abmischen lassen, stellt sich immer die Frage, ob ihnen langsam die Kraft ausgeht. Bei Philip Boa ist das nicht so. Er füllt mit dem alten Programm gerade die Hallen. Insofern hat er noch genug Saft, um gute Konzerte zu geben.

Aber die letzte echte Platte ist zwei Jahre alt. Seitdem bereitet er nur noch altes Material auf. Selbst in neuem Gewand bleiben die 20 Jahre alten Scheiben „Helios“ und „Boaphenia“ alt. Der ewige Kurz-vor-dem-großen-Durchbruch-stehende Boa dokumentiert mit den Produzenten von Talking Heads und David Bowie, die an den Reglern saßen, dass er in der Szene gut verdrahtet ist.

Philipp Boa: Helios
Philipp Boa: Helios

Aber die beiden Platten sind nur etwas für echte Fans. Außer einem Schuss Größenwahn gibt es nichts zu entdecken.

Philip Boa and the Voodooclub „Helios“ und „Boaphenia“ (Vertigo/Universal)

MOZ-Rezension…

La Cherga ist mehr als Balkan Brass

La Cherga: Revolve
La Cherga: Revolve

Diese Frontfrau hat eine fantastische Stimme: Adisa Zvekic aus Bosnien singt bei La Cherga. Die Band, die kein Herkunftsland kennt, sondern nur Musiker aus Kroatien, Bosnien, Mazedonien und Jamaika, wird durch sie im positiven Sinne umgewälzt. Die Mischung aus Funk und Balkan Brass, aus Jazz und Elektro, aus Ska und Reggae erzeugt einen unverwechselbaren Sound.

Das ist ja eines der größten Komplimente, die einer Band gemacht werden können. Im großen Brei des Allerleis der Musik sticht La Cherga mit tanzbarer, schweißtreibender Unverwechselbarkeit hervor. Die Band bedient sich zwar verschiedener Traditionen, doch das Ergebnis ist auch dank Adisa Zvekic ein neuer Sound. Insofern sprengt die Band auch das, was sich einst Weltmusik nannte.

Der Bezug zur (musikalischen) Heimat ist zwar immer zu erkennen. Aber es geht La Cherga nicht darum, nostalgische Gefühle zu wecken. Vielmehr sind die Musiker auf der Suche nach einer unverwechselbaren Klang-Heimat, in der sie sich wohl fühlen. Da das beim Hörer auch klappt, sind sie auf dem richtigen Weg. MOZ-Rezension…

17 Hippies werden ruhiger

17 Hippies: Pantom Songs
17 Hippies: Pantom Songs

Ganz ruhig geht es auf dem neuen Album der 17 Hippies zu. „Phantom Songs“ steht im Zeichen der Ballade. Faszinierend ist, was die vielköpfige Berliner Band daraus macht. Sie erhält ihren unverwechselbaren Sound, der sich aus Elementen klassischer Rockmusik genauso zusammensetzt wie aus denen von jüdischer, französischer und osteuropäischer Musik. Vor allem wenn die Bläser wie bei „Biese Bouwe“ den Ton angeben, wird der Sound kräftiger. Dann wird aus einem albanischen Volkslied eine hessische Ballade über Böse Buben auf einem wunderbaren Sound-Teppich aus Reggae und treibendem Balkan-Beat. Spannend ich auch “Across Waters”. Es klingt zunächst wie “Mr. E” von Barclay James Harvest. Die Harmonien ähneln sich sehr. Und so locken die Hippies den Hörer in Erinnerungen aus den 80er Jahren, um dann aber ein trauriges Lied über Kriegserlebnisse zu singen. Das ist musikalisch und textlich sehr gut gemacht und sorgt für Gänsehaut. Auch dieses zehnte Album ist mit seinen 13 Songs vollständig gelungen. Am 14. und 15. Mai stellt es die Band im Berliner Kesselhaus live vor. MOZ-Rezension…

Hubert von Goiserns Erkundung der Donau

Hubert von Goisern, der vor 20 Jahren damit begonnen hat, die traditionelle Musik der Alpen als Quelle für inspirierende Rockmusik zu nutzen, hat 2008 eine Konzertreise auf der Donau von Regensburg bis ins Schwarze Meer unternommen. Unterwegs legte er mit seinem Bühnenschiff an, um mit einheimischen Musikern Konzerte zu geben. 2009 fuhr er dann Donau, Main-Donau-Kanal, Main, Rhein, Necker und Maas entlang, um den westlichen Teil Europas von der Wasserstraße musikalisch zu erkunden.

„Stromlinien“ ist ein Logbuch, das aus dem Reise begleitenden Blog entstanden ist. Ergänzt hat Goisern das Buch um längere Texte über die Vorbereitung der kostspieligen Reisen, deren erste im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Linz zustande kam. Goisern nimmt den Leser mit auf seine Reise, die er als eines der letzten Abenteuer in Europa beschreibt. Die Vielfalt der Erfahrungen, die Überraschungen, Enttäuschungen und Jubelmomente wirken alle authentisch. Da wo Europa am wildesten und unberechenbarsten von ihm – und dem Leser – erwartet wird, funktioniert es am unkompliziertesten; etwa in Serbien und Bulgarien. Und da, wo Europa schon seit Jahrzehnten auch ein politischer Raum ist, ist die Skepsis am größten, etwa in Deutschland und Holland.

Hubert von Goisern öffnet aber vor allem den Blick auf die Schönheit der Donau und der Flusslandschaften. Ausgewählte Fotos runden das schöne Buch ab. Es lädt dazu ein, sich selbst auf den Weg zu machen, um Europa zu erkunden, zu Land, zu Wasser und in der Luft.

MOZ-Rezension…