Steinmetzkunst auf dem Dom zu Mailand

Steinmetzkunst auf dem Dach des Doms zu Mailand

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Steinmetzkunst auf dem Dach des Doms zu Mailand

Schon von unten ist der Dom zu Mailand kaum mit den Augen zu fassen. Die vielen Details lösen ihn fast auf, machen den massiven Baukörper zu einem luftigen Etwas, das wirkt, als sei es nicht von dieser Welt. Wer die Stufen erklimmt, um auf das Dach des Doms zu gelangen (es gibt auch einen Aufzug), der kann die vielen Figuren und Ornamente aus Marmor en detail bewundern. Aber angesichts der Fülle von Hunderten Statuen, Ornamenten und Figürchen ist das Auge auch hier sehr schnell satt. Was bleibt ist die Bewunderung für diese Vielfalt. Und die handwerklich und künstlerische Fertigkeit der Mitarbeiter der Dombauhütte. Die wird mit ihrer Arbeit nie fertig. Wenn die letzten der mehr als 3000 Figuren saniert sind oder die 130 Türmchen ausgebessert sind, dann sind die ersten durch die Witterung und die Umwelteinflüsse schon wieder brüchig. Und so finden sich neben den alten Motiven auch manch neues, mit denen die Bildhauer und Steinmetze zeigen, dass sie mehr können als nur zu reparieren.

Henning Klüwer lockt nach Mailand

Gebrauchsanweisung für mailandIm kommenden Jahr ist Mailand die Stadt der Weltausstellung. Zu den vielen Touristen, die ohnehin in die Hauptstadt der Lombardei kommen, werden zur Expo 2015 noch Millionen zusätzliche kommen. Kurz davor ist es ein optimaler Zeitpunkt, um eine „Gebrauchsanweisung für Mailand“ zu veröffentlichen. Henning Klüwer hat genau das getan – und eine Lücke der Reiseliteratur angenehm geschlossen.

Die „Gebrauchsanweisungen“ des Piper-Verlags sind eine seit langem eingeführte Reiseliteratur-Reihe, der es weniger um eine Auflistung von touristischen Highlights geht, sondern eher um ein vielschichtiges Bild der beschriebenen Stadt oder Region. Und damit tatsächlich um Reiseliteratur. Henning Klüwer, Kulturkorrespondent u.a. für die Süddeutsche Zeitung, lebt seit etlichen Jahren in Mailand. Ihm gelingt es, den Anspruch zu erfüllen und ein lesenswertes Buch zu schreiben.

Natürlich sind die Basis einiger Kapitel Reportagen und Texte, die er für Zeitungen geschrieben hat. Aber er geht immer über die simple Zweitverwertung hinaus. Alle Kapitel haben einen angenehmen Tonfall, der Mailand und seine Designer, Architekten, Kultur und Baudenkmäler nicht anpreist, sondern aus der jeweiligen Zeit heraus verständlich macht. Da er mit Frau und Kindern in der Stadt lebt, kann er auch den Alltag schildern und einfließen lassen. Wer sich davon allerdings Geheimtipps verspricht, wird kaum etwas finden. Denn Klüwer geht es nicht darum, die Expo-Touristen des kommenden Jahres an bestimmte Orte zu führen. Er will das Mailand der Gegenwart verständlich machen – und ordnet historische Erläuterungen diesem Ziel unter.

Das liest sich alles gut. Stilistisch weiß Henning Klüwer, was er tut. Manchmal plaudert er etwas zu viel, gibt einen Einblick zu viel in sein Familienleben preis. Doch genau das wird vielen Lesern vielleicht gefallen. Wer sich auf nach Mailand machen will, findet auf jeden Fall einen kompetenten Begleiter in Klüwers „Gebrauchsanweisung für Mailand“.