Satire von Marinus und Heartfield mit Fotomontagen

In den 20er und 30er Jahren hat sich das Bild als Propagandamittel endgültig durchgesetzt. Die Arbeiten John Heartfields sind Klassiker der Fotomontage. Das Kölner
Museum Ludwig hat ihnen die von Marinus gegenüber gestellt. Der wurde 1884 in Kopenhagen geboren. Vor dem ersten Weltkrieg setzte er sich nach Paris ab, wo er anfing, sich intensiv mit der Fotografie und mit den Möglichkeiten der Montage auseinandersetzte.

In der französischen Zeitschrift Marianne findet er das Umfeld, seine satirische Kunst ausleben zu können. Vor allem in den Jahren 1932 bis 1940 sind die Arbeiten Marinus‘ nicht aus der politischen Öffentlichkeit Frankreichs wegzudenken. Dabei hat er, anders als sein deutscher Kollege Heartfield, einen radikalen Blick auf jede Form von Unfreiheit. Stalin und der sowjetische Kommunismus sind für ihn genauso Feinde der Freiheit wie der Faschismus. Das Buch von Byskov und von Dewitz würdigt Marinus. Und es ist auch ein Überblick über die politische Fotomontage.

Gunner Byskov/Bodo von Dewitz: Marinus – Heartfield. Politische Fotomontagen der 1930er Jahre. Steidl. 39 Euro

Michael Ruetz hat die Fotos von den 68ern

Michael Ruetz: DIE UNBEQUEME ZEIT – DAS JAHRZEHNT UM 1968
Michael Ruetz: DIE UNBEQUEME ZEIT – DAS JAHRZEHNT UM 1968

Jeder, der sich für Zeitgeschichte interessiert, hat seine Fotos schon gesehen: Michael Ruetz (68). Der Steidl Verlag hat passend zum 40. Jahrestag der 68er Bewegung die großartigen Fotos von Ruetz in einem Bildband zusammengefasst.

Ob Rudi Dutschke oder Gudrun Ensslin, ob die Anti-Springer-Demos oder der Prager  Frühling, Michael Ruetz hat die politische Dimension von 1968 in Fotos gebannt, in denen die Dramatik noch heute wirkt. Zwar sind Fotos an sich ruhig und zweidimensional, doch Ruetz‘ Bilder fangen die Atmosphäre von 1968 und den folgenden Jahren ganz genau ein.
Viel besser, als manche TV-Doku. Denn beim Betrachten bleibt Zeit zum Nachdenken.

Michael Ruetz: DIE UNBEQUEME ZEIT – DAS JAHRZEHNT UM 1968. STEIDL VERLAG. 40 EURO.

 

Steidl würdigt Castros Leibfotograf Alberto Korda

Alberto Korda: A Revolutionary Lens
Alberto Korda: A Revolutionary Lens

Dieser Bildband ist monumental! Schon sein Format ist außergewöhnlich – genauso groß
wie eine 20cent-Ausgabe! Knapp 430 Seiten,
auf denen hunderte Fotos in Hochglanz
abgedruckt sind, verstärken den monumentalen
Eindruck noch; auch wegen des Gewichts!
Alberto Korda war der Leib- und Hausfotograf   der kubanischen Revolution. Sein Porträt von Che Guevera ist eines der bekanntesten Fotos überhaupt. Seine Bilder von Fidel als Maximo Lider, als Denker, als Redner, als Angler und als Mensch bestimmen die Sicht auf den
kubanischen Diktator auch heute noch.

Der Bildband mit dem Werk Kordas zeigt aber auch, wie der Meister der Schwarz-Weiß-Fotografie Mode inszeniert, wie er Paraden in Szene setzt und wie er vor allem Soldatinnen als Botschafterinnen des gesellschaftlichen Fortschritts lachend ins Bild einfängt, ist großartig – und beängstigend. Ein gutes, ein wichtiges Buch, das viel über Kuba und viel
über die Möglichkeiten der Fotografie aufzeigt.

Alberto Korda: A Revolutionary Lens. Steidl Verlag Göttingen. Gebunden. 440 Seiten. 60 Euro

Umberto Eco beschreibt die Häßlichkeit

Umberto Eco: Die Geschichte der Häßlichkeit
Umberto Eco: Die Geschichte der Häßlichkeit

Die Schönheit ist das Ideal aller Kunst. Alles Hässliche hat gegen den Wunsch nach dem vollendeten Körper, der Brust, die der Schwerkraft widerstrebt, dem klaren
Blick oder dem ebenen Gesicht, keine Chance. Allerdings gibt es ohne das Hässliche auch das Schöne nicht.

Umberto Eco (76) hat unendlich viele Bilder auf der Suche nach dem Hässlichen betrachtet. Er
durchstöberte Fotos, schaute Filme und kramte in seinem literarischen Gedächtnis, um herauszufinden,
was hässlich ist. Überraschendes Ergebnis: Es gibt mehr Hässlichkeit als Schönheit. Während sich ganz klar beschreiben lässt, was schön ist, gelingt dies
beim Gegenteil nicht so einfach.

Seinem neuen Buch Die Geschichte der Häßlichkeit ging vor drei Jahren eines über die Schönheit voraus. Doch das neue hat Eco sichtlich mehr Spaß gemacht. Hier kann er sich austoben und das Abseitige beschreiben. All seine hässlichen Figuren, die Im Namen der Rose oder in Baudolino seine Romane bevölkerten, bekommen hier Gesichter. Und zwar von den ganz großen Malern gemalt. So wird Ecos Suche für die Leser seiner Bücher auch zu einer Fundgrube seiner Stoffe.

Umberto Eco wäre nicht so erfolgreich als Wissenschaftler und vor allem als Autor, wenn er nicht so gut seine enorme Bildung mit dem Alltag seiner Leser in Beziehung setzen könnte. Er wühlt nicht nur in der Antike, in mittelalterlicher Kunst und dem Barock. Eco zieht zum Beispiel bei der Frage nach der Darstellung des Todes auch Material aus Filmen, Karikaturen und der modernen Kunst heran. So macht er seine Überlegungen auch für Normalbürger zugänglich.

Und er testet seine Thesen ganz nebenbei auf ihre Richtigkeit. Richtig faszinierend ist das Kapitel über „Das Häßliche, das Komische und das Obszöne“. Da lebt der Karneval auf, da zeigt Eco, wie die Karikatur – und damit der Comic – in die Welt kam. Und welchen Spaß
wir alle daran haben. Wie öde wäre es, würden wir uns nur mit Schönem beschäftigen. Mit E.T., Marylin Manson (38) und Punk beendet Eco dann die Reise durch die Geschichte des
Hässlichen.