Veit Heinichen nimmt sich Südtirols Privilegien und Nationalismus vor

Veit: Heinichen: Im eigenen Schatten
Veit: Heinichen: Im eigenen Schatten
Er kann es noch. Veit Heinichen legt mit seinem achten Fall von Proteo Laurenti wieder einen richtig guten Krimi aus Triest vor. Nach dem etwas lustlosen letzten Fall ist „Im eigenen Schatten“ wieder ein Buch, in dem Politik, Kriminalität und das besondere Zeitgeschehen an der Grenze Italiens zu Slowenien und Kroatien eine wunderbare Melange eingehen. Da fühlt sich auch Proteo Laurenti wieder so wohl, dass die kroatische Staatsanwältin ihn auch wieder attraktiv findet.

Laurenti ist mit dem Mord an einem Politiker aus Südtirol befasst. Als es dann noch einen Überfall auf einem Goldtransport gibt, der Gold nach Kroatien bringen soll, das genau diesem Mann gehört, nimmt der Fall an Fahrt auf. Veit Heinichen hat wieder einmal genau beobachtet, wie sich im Italien Silvio Berlusconis Wirtschaft, Politik und Kriminalität verschränken können. Er entwickelt daraus eine Geschichte, die plausibel ist, mit Ironie gespickt ist und nicht im rein kriminalistischen verharrt. Vielmehr ist Heinichen, der sich inzwischen schon fast zu einer Art Chronisten von Triests jüngerer Geschichte entwickelt hat, zum Glück wieder in der Lage, politische Literatur in einen Krimi zu packen. Der besondere Aspekt dieses Buches ist der Blick auf die Privilegien, die sich die Provinz Südtirol erkämpft hat – und wie diese zu einer Sonderstellung führten, die zu Korruption einladen.

Besonders der Blick auf den deutschen Nationalismus in Südtirol ist diesmal spannend. Und die Verflechtung der Nationalisten mit jenen anderer Länder, hier speziell des Balkan. Obwohl die Leser von Anfang an wissen, wer den Goldraub begeht, schafft es Heinichen dennoch bis zum Schluss Spannung aufzubauen und zu halten. Denn der Drahtzieher ist zwar immer präsent, aber er lässt sich nicht identifizieren. Neben all dem politischen Stoff bleibt zudem genug Raum, um aus Triest, der Umgebung bis Grado und Istrien mehr als nur Kulisse zu machen. Die Stadt und das Umland sind wieder so wichtig, dass sie fast eine Art Akteur werden. Wer also in diesem Sommer an den Golf von Triest oder nach Istrien fährt, sollte sich den achten Proteo-Laurenti-Krimi einpacken.

Mit Espresso schmeckt der neue Veit Heinichen noch besser

Veit Heinichen: Eine Frage des Geschmacks
Veit Heinichen: Eine Frage des Geschmacks

Proteo Laurenti ist inzwischen eine bekannte Krimi-Figur. Dank der Verkörperung durch Henry Hübchen in der ARD ist der Commisario aus Triest einen großen Publikum bekannt. Doch anders als im Fernsehen ist in den Büchern von Veit Heinichen die Stadt Triest der eigentliche Star. Und nicht der Polizist.

Im aktuellen Fall ist Triest als größter Kaffee-Hafen Europas im Interesse des deutschen Schriftstellers, der seit vielen Jahren am nördlichen Ende der Adria lebt. Wie immer lernt der Leser sehr viel. Und wie immer ganz nebenbei. Außerdem spielt die Erpressung einer englischen Politikerin, die im in der Nähe von Triest gelegenen Grado die Lust entdeckte, eine delikate Rolle. Und eine deutsche Filmcrew, die in der Stadt einen TV-Krimi dreht. Heinichen scheint mit der Leistung von Hübchen und Co. nicht wirklich zufrieden zu sein. So wie er über die Filmproduktion, die Darsteller und die Produzenten schreibt, hat er wohl schlechte Erfahrungen gemacht.

Dieser Teil von „Keine Frage des Geschmacks“ ist der amüsanteste. Richtig gut ist, dass Heinichen seinen Laurenti in dessen siebten Fall nicht mehr mit der kroatischen Mafia kämpfen lässt. Von der Auseinandersetzung, die in den fünf ersten Büchern, die bisher auch verfilmt wurden, taucht kein Wort mehr auf. Jetzt geht es um einen konkreten Fall und um Seitensprünge oder vermutete Seitensprünge beim gesamten Personal des Buches. Auch das ist alles sehr lustig zu lesen. Die Spannung kommt doch nicht zu kurz. Und so lässt sich dieser Heinichen nur empfehlen. Er ist der beste, weil souveränste. Von Abnutzung der Figuren und der reichen, schönen Grenz- und Hafenstadt Triest keine Spur. Im Gegenteil.