Veit Heinichen bleibt Proteo Laurenti treu

Veit Heinichen: Die ZeitungsfrauAls Veit Heinichen seinen Proteo Laurenti das erste Mal auf Ermittlungstour durch Triest schickte, war die Mischung aus Krimi und dem literarischen Entdecken einer historisch höchst spannenden Region eine starke Mischung. Nicht umsonst wurden die Krimis auch fürs Fernsehen mit Henry Hübchen als Commissario adaptiert. Doch der jüngste Krimi aus der Feder Heinichens lebt fast nur noch von der Beschreibung der Region, des Karsts, der Stadt Triests und den Hinweisen auf gute Winzer und Lokale. Der Fall selbst entwickelt keine unbedingte Spannung, die das Weglegen des Buches zu einer Qual machen würde.

In „Die Zeitungsfrau“ geht es um eine Bombenexplosion und Diebstahl, die beide an 25 Jahre zurückliegende Fälle erinnern. Die Titelfigur unterhält einen Kiosk an einem der schönsten Plätze der Stadt. Ihr damaliger Lebensgefährte war damals der Täter. Jetzt stellt sich die Frage, ob er doch nicht bei einer Explosion im Hafen vor einem Vierteljahrhundert umgekommen ist. Laurenti fühlt sich der Frau ganz nah, muss zwischen Ermittler und Mann genau unterscheiden. Außerdem könnte er ohne die sachkundige Hilfe seiner eigenen Frau nicht schnell genug erfassen, welche Rolle die gefundenen Kunstwerke in der Geschichte eigentlich haben.

Verwoben wird das noch mit einem einst korrupten Finanzpolizisten, dessen Tochter und den Kindern der Zeitungsfrau. Alle haben irgendwie Dreck am Stecken. Allen Erzählsträngen gehen Laurenti und sein Team nach. Für den Leser ist das teils mühsam, teils unterhaltsam und manchmal auch spannend. Veit Heinichen geht es offensichtlich vor allem um das Erzählen der aktuellen Zeitumstände an der Grenze Italien zu Slowenien, Kroatien und Montenegro. Der Kontrast zur Zeit Anfang der 1990er Jahre zeigt die Veränderungen in dieser Region. Das ist tatsächlich lesenswert. Aber es ist nicht spannend. Und so stellt sich die Frage, ob das Genre Krimi das richtige  für Autor und Leserschaft sind. Oder ob sich Heinichen nicht langsam von Laurenti verabschieden sollte und stattdessen eine neue Form für den literarischen Raum Triest suchen sollte. Es ist ja nicht so, dass er nicht schreiben könnte. Nur mit dem Spannung erzeugen, klappt es halt nicht mehr richtig.

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