Das Ende der Postkarten

Postkarten

Vorbei. Die Zeit der Postkarten ist vorbei. Gut 150 Jahre nachdem die ersten verschickt wurden und gut 120 Jahre nachdem mit der Ansichtskarte Bilder aus allen Städten und Orten Europas verschickt werden konnten, sterben sie aus. Selbst da, wo viele Menschen Urlaub machen, drängen sie sich nicht mehr auf. Konnte man vor einigen Jahren gar nicht an ihnen vorbeigehen, so sind sie heute kaum noch zu finden. In Ortona und entlang der Küste der Abruzzen etwa führen sie Supermärkte gar nicht mehr. In Souvenier-Läden gibt es sie noch. Und in einigen anderen kleinen Läden. Aber die Auswahl ist sehr eingeschränkt. Die Vielfalt früherer Zeiten ist passé. Je enger das WLAN geknüpft ist, umso weniger dieser bedruckten Rechtecke aus der Vergangenheit gibt es. Die Handykamera und WhatsApp haben sie verdrängt. Und somit werden sie in einigen Jahrzehnten auch kaum noch als historische Dokumente des Alltagslebens existieren. Schade für Sammler. Und traurig für all jene, die mit nostalgischen Gefühlen den geschriebenen Gruß der Verreisten gern aus dem Briefkasten geholt haben. In Instantfotos mit dem Handy können das nicht kompensieren.

„Ich war’s nicht“

Kindlicher Fingerabdruck auf frischem Bild (Ausschnitt)
Kindlicher Fingerabdruck auf frischem Bild (Ausschnitt)

Farbe muss trocknen. Das geht nicht in wenigen Minuten. Deshalb muss ein frisches Bild geraume Zeit für sich haben.

Heute früh aber finde ich diesen Fingerabdruck auf einem neuen Bild. Eigentlich ist es ja der zweite. Denn er ist braun, weil vor dem Fingertest im Blau einer auf einem brauen Teil des Bildes stattfand. Meine Freude über diese Entdeckung hielt sich in Grenzen. In sehr engen Grenzen. Diese Grenzen waren so eng, dass sich in mir wegen des ungehörigen Bilder-Tastens ein gehöriger Druck aufbaute, der mit der Suche nach dem Farb-Grabscher abgebaut werden sollte.

Aber wen ich auch fragte, die Antwort war immer dieselbe: „Ich war’s nicht.“ Viermal hörte ich den Satz. Viermal sah ich in ungläubige Augen. Viermal schallte mir der Satz unschuldig, ja fast beleidigt entgegen. Viermal erhöhte sich dann der Druck in mir. Viermal musste ich tief durchatmen, um wenigestens gelassen zu wirken.

Vor einigen Jahren schenkte die Tante meiner Kinder jedem je ein T-Shirt. Auf jedem steht: „Ich war’s nicht“. Für die Eltern gab es welche mit dem Satz: „Ich auch nicht“. Wie recht sie hatte!

P.S.: Was den Druck angeht: Auch das Schreiben in so einem Blog kann ziemlich entlasten.

Aufdruck auf einem von zwei T-Shirts
Aufdruck auf einem von zwei T-Shirts

Das fertige Bild ist hier zu sehen…

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