Anpaddeln auf dem Zeuthener See

Am ersten Samstag im März ist der Zeuthener See ganz leer. Kein Segelboot, kein Motorboot, keine Paddler bevölkern das Gewässer. Von der Eichwalder und der Schmöckwitzer Badewiese tönt noch nicht der frohe Sound der badenden Kinder über das Wasser. Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des nahenden Frühlings herrscht Stille.

Kribbeln in der schaukelnden Hängematte

Links schaukelnde Hängematte Rechts schaukelnde Hängematte

Stille. Nur der Wind rauscht in den Fichten. Keine Musik, kein Telefonklingeln, kein Kindergeschrei. Nur Ruhe. In der Hängematte am Sonntagnachmittag.

Das ist schön. Das beruhigt. Doch zu viel Ruhe strengt auch an. Etwas Bewegung tut bestimmt gut. Sanftes Schwingen. Abstoßen mit einem großen Stock. Anfangs fällt das schwer, doch dann kommt die träge Matte mit dem trägen Körper immer mehr in Schwung. Sie pendelt von links nach rechts, von rechts nach links.

Das Seil knarzt. Das Rauschen des Windes rückt in den Hintergrund. Stattdessen macht sich ein Kribbeln im Bauch breit. Bei jedem Schwung von rechts nach links, von links nach rechts ist es da. Und nimmt die Wahrnehmung komplett gefangen. Je länger die Hängematte schwingt, umso weniger höre ich, umso träger denke ich. Nur noch Schwingen von rechts nach links und von links nach rechts. In der Hängematte. Ohne zu denken. Nur noch Kribbeln. Und Schwingen. Und Leere im Kopf. Und Ruhe. Frieden.

Danke für die Ruhe, lieber Kopfhörer

Heute hat sie jeder im Ohr. Heute sind sie eigentlich auch weiß. Wer auf sich hält, hat entweder die Originale von Apple oder die Derivate anderer Hersteller, die einen auf Apple machen. Früher waren sie immer schwarz. Ganz früher waren sie sogar mit Bügel und so Dingern, die nicht ins Ohr gesteckt, sondern ans Ohr gepresst wurden. Ganz coole Zeitgenossen tragen inzwischen auch schon wieder solche Teile. Allerdings sind das dann richtige Kopfhörer, die für die schalldichte Abschottung von der Umwelt garantiert sorgen.

Jetzt ist es ja so, dass diese Stöpsel viele feine Dinge ermöglichen. Man kann Musik hören. Oder ein Feature vom Deutschlandfunk über die Lage in Berg-Karabach und die Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan. Oder einen BBC-Sprachkurs zur Auffrischung der Englisch-Kenntnisse. Hörbücher etwa über Essad Bey oder eine Lesung der Metamorphosen von Ovid. Alles ist möglich. Die Zeit in der Bahn wird verkürzt. Der Stöpsel im Ohr erzählt von der Welt. Direkt ins Gehirn, ohne Umwege durch Zimmer und Räume.

Das beste, was der Stöpsel aber leistet, ist etwas ganz anderes: Wer ihn im Ohr hat, wird nicht gestört, wird nicht angequatscht. Der kann sich ganz auf sich konzentrieren, selbst wenn er sinnlos, weil geräuschlos im Gehörgang stöpselt! Vor allem auf Zugfahrten kann diese Leistung der unscheinbaren und dennoch so unentbehrlich gewordenen Kopfhörerchen nicht überbewertet werden. Und deshalb lobe ich die Dinger heute hier. (Meine sind übrigens wieder schwarz, weil die weißen nur zur stillen Andacht, dauerhaft aber nicht zum Hören der Feature taugen…)