Karl-Markus Gauß zeigt uns die Entdeckung der Wahrnehmung

Karl-Markus Gauß: Das Erste was ich sah
Karl-Markus Gauß: Das Erste was ich sah

Die Bücher von Karl-Markus Gauß sind immer eine Bereicherung, weil er dem Leser den Blick weitet. Vor allem, wenn er über Europa und seine Vielfalt schreibt. Gauß kennt sich aus in diesem Europa, das schon immer viel stärker einander verwoben ist, als es die nationalstaatliche Brille, mit der wir meist in die Welt blicken, vermuten lässt. Er selbst ist ein Kind von Donauschwaben, die nach dem Krieg in Österreich hängen blieben. Und für die Ungarisch genauso selbstverständlich war wie Serbokroatisch und Deutsch.

Das beschreibt er in seinem jüngsten Buch, „Das Erste, was ich sah“. Seine Rückblicke auf seine Kindheit, die er in den 50er-Jahren in Salzburg verlebte, sind vor allem ein Blick zurück auf die Entdeckung seiner eigenen Wahrnehmungen. Gauß beschreibt aus der Perspektive des Kindes, aber mit dem Wissen des inzwischen fast 60 Jahre alten Mannes, wie er die Welt entdeckte. Zwischen zwei und fünf Seiten sind die meisten dieser Geschichten, die fast alle in Salzburg spielen, wo er ja heute auch noch lebt.

Gauß erzählt davon, wie er sich nicht mit Kraft, sondern mit Wortgewandtheit Respekt verschaffte. Erzählte von Mädchen, in die er sich verliebte und die ihn beschützten und von Begegnungen mit Erwachsenen, die ihn prägten. Das alles schreibt er mit leichter Hand und eher beiläufig. So vermeidet er erhobene Zeigefinger, die in Erinnerungsbüchern an die eigene Kindheit sonst so häufig vorkommen. Gauß macht aus sich auch keinen Helden, keinen Überflieger. Nein, er schafft es, ein wirklich leichtes autobiografisches Buch zu schreiben, das in immer neuen Schlaglichtern diesen Karl-Markus Gauß, dessen Bücher alle mehr als nur lesenswert sind, aufzeigt, wie und warum er die Welt so wahrnimmt, wie er es tut. Und wie er sie für uns als große Bereicherung schildert.

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