Karl-Markus Gauß findet den Wald in den Metropolen

Die Vielfalt Europas ist schon lange das Thema von Karl-Markus Gauß. Sein aktuelles Buch, „Im Wald der Metropolen“ wurde von der Darmstädter Jury jetzt zum Buch des Monats Oktober gewählt. Zu recht. Denn Gauß gelingt es mit seinem Buch über seine Reisen den Blick für das Besondere in Europa zu öffnen.

Dieses Besondere liegt vor allem im Osten. Denn der ist bei weitem nicht so oft bereist und beschrieben worden wie der Westen. Zwar beginnt sein Buch auch in Frankreich, im Burgund. Doch er erzählt auch aus Bukarest und Oppeln, aus Brünn, Belgrad und Arnstadt. Das Verbindende sind kulturelle Beobachtungen, die ein Zusammengehören zu einem imaginären oder realen Europa schildern.

Sein besonderes Interesse gilt der Literatur. Er spürt in Wien all die Bestrebungen zur Gründung von Nationalliteraturen in der ehemaligen Habsburger Monarchie auf. Da saßen Kroaten, die in Wien das Kroatische zur Literatursprache entwickelten. Und in Wien saßen Serben genauso wie Böhmen oder Rumänen. Doch sie alle lebten für sich in ihren Zirkeln. Sie wussten nichts von den literarischen Bestrebungen der anderen. Am wenigsten aber wussten die deutschen Wiener von den Aufbrüchen der direkten Nachbarn.

Gauß folgt genau diesem Nebeneinander, indem er die Orte besucht, an denen die Literaten wirkten. Er geht aber auch ihren Stoffen nach, die ihre Bücher beherrschten. Dabei fördert er viele Parallelitäten zu Tage – und natürlich die Differenzen, die oft heute noch wirken. Vor lauter Wald sehen die Nachbarn in den Metropolen die Bäume des Unterschiedlichen nicht mehr. Auch die Reisenden wollen immer das gleiche wie daheim finden. Umso wichtiger ist ein Buch wie das von Gauß.

MOZ-Rezension…

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