Die neue Platte von Shazalakazoo ist durchwachsen

Shazalakazoo: Karton City Boom
Shazalakazoo: Karton City Boom

Folkstep nennen Milan Djuric und Uros Petkovic ihre Musik, die sie unter dem Namen „Shazalakazoo“ veröffentlichen. In der Tat steckt da viel Folk drin. Allerdings nicht in der Variante mit Gitarre und eher einschläferndem Gesang. Das hebt der „Step“ nach dem „Folk“ schon auf. Der Step ist ein Tanzschritt, die Aufforderung zur Bewegung. Und die ist auch auf dem neuen Album von „Shazalakazoo“ in jedem Stück enthalten.

„Karton City Boom“ heißt die Platte, auf der die beiden Belgrader ihre Elektrosounds mit viel Heimatklängen und vielen Beats anreichern. Dabei entsteht eine Platte mit vielen guten Stücken, die eine schöne Balance zwischen der Erkennbarkeit der heimatlichen Einflüsse und einer spannenden Neuformatierung mit Einflüssen arabischer und südamerikanischer Rhythmen halten. Aber es gibt auch einige echte Dancefoor-Kracher, die eher vom Hau-Drauf des DJs, der Menschen nur in Bewegung erträgt, geprägt sind als von gutem Geschmack.

Insofern ist für jeden etwas auf der Platte. Aber sie wird auch niemanden ganz zufrieden stellen. Dennoch überwiegen die Gründe, mal reinzuhören. Unten auf dieser Seite sind alte Stücke über die Soundcloud zu hören. Als Einstieg sicherlich nicht schlecht.

Shazalakazoo – Speaking Balkanian by SHAZALAKAZOO

Karl-Markus Gauß findet den Wald in den Metropolen

Die Vielfalt Europas ist schon lange das Thema von Karl-Markus Gauß. Sein aktuelles Buch, „Im Wald der Metropolen“ wurde von der Darmstädter Jury jetzt zum Buch des Monats Oktober gewählt. Zu recht. Denn Gauß gelingt es mit seinem Buch über seine Reisen den Blick für das Besondere in Europa zu öffnen.

Dieses Besondere liegt vor allem im Osten. Denn der ist bei weitem nicht so oft bereist und beschrieben worden wie der Westen. Zwar beginnt sein Buch auch in Frankreich, im Burgund. Doch er erzählt auch aus Bukarest und Oppeln, aus Brünn, Belgrad und Arnstadt. Das Verbindende sind kulturelle Beobachtungen, die ein Zusammengehören zu einem imaginären oder realen Europa schildern.

Sein besonderes Interesse gilt der Literatur. Er spürt in Wien all die Bestrebungen zur Gründung von Nationalliteraturen in der ehemaligen Habsburger Monarchie auf. Da saßen Kroaten, die in Wien das Kroatische zur Literatursprache entwickelten. Und in Wien saßen Serben genauso wie Böhmen oder Rumänen. Doch sie alle lebten für sich in ihren Zirkeln. Sie wussten nichts von den literarischen Bestrebungen der anderen. Am wenigsten aber wussten die deutschen Wiener von den Aufbrüchen der direkten Nachbarn.

Gauß folgt genau diesem Nebeneinander, indem er die Orte besucht, an denen die Literaten wirkten. Er geht aber auch ihren Stoffen nach, die ihre Bücher beherrschten. Dabei fördert er viele Parallelitäten zu Tage – und natürlich die Differenzen, die oft heute noch wirken. Vor lauter Wald sehen die Nachbarn in den Metropolen die Bäume des Unterschiedlichen nicht mehr. Auch die Reisenden wollen immer das gleiche wie daheim finden. Umso wichtiger ist ein Buch wie das von Gauß.

MOZ-Rezension…