Mnozil Brass bläst Wagner aufs Zwerchfell

Mnozil Brass (Foto: Mnozil Brass)
Mnozil Brass (Foto: Mnozil Brass)

Auf diesem Foto sehen die Musiker von Mnozil Brass ja noch einigermaßen normal aus. Im Berliner Ensemble war der erste Eindruck ein anderer – sowohl optisch als auch akustisch. Drei skurrile Männer mit Trompeten, drei weitere mit Posaunen und einer mit Tuba standen da auf der Bühne und bliesen von Anfang an kräftig in ihre Instrumente. Dabei vollführten sie seltsame Tänzchen, Märsche und Slapstick-Comedy. Aber immer mit dem Mund am Instrument. Immer Sound erzeugend. Immer den Theatersaal mit dröhnenden Blechklängen ausfüllend.

Anfangs ist sich das Publikum nicht so sicher, was das soll. Was diese Österreicher mit Frack und Jogging- oder Lederhose von einem wollen. Der Applaus bleibt anfangs spärlich. Erst allmählich schlägt der Witz der Darbietung durch. Und am Ende werden die sieben Blechbläser geradezu gefeiert. Denn so etwas hat noch keiner erlebt.

Wie sich diese Männer, die jeweils ihre am wenigsten schönen Gesichts- und Körperpartien betonen und deshalb wirken wie ein Panoptikum der Abstrusitäten, bewegen, wie sie ihren Ritt durch die musikalische Welt Richard Wagners und seiner Auswirkungen bis in die Gegenwart tanzen und spielen, verdient das Wort furios. Das ist komische Oper ohne Gesang. Das ist Comedia dell’arte ohne Maske. Das ist Comic ohne Zeichnung. Und das ist Orchestermusik ohne Orchester.

Aber Mnozil Brass ist Musik voller Witz. Mnozil Brass ist Theater mit Wucht. Und vor allem ist das Programm „Hojotoho“ ein Hommage an Wagner, die ihn nie auf einen Thron oder in eine Walhalla des Ruhms entrückt, sondern ihn erklingen und feiern lässt. Siegfried hat hier zu kurze Beine und der Grüne Hügel ist eine Phantasie aus Pappmaché. Und alles klingt. Immerzu. Pausen gibt es keine. Die Bläser blasen in einem fort und treiben die Gedanken des Publikums immer weiter, bis sich der Humor endgültig durchgesetzt hat. Bis jeder dank des klingenden Witzes der Arrangements von Thomas Gansch, Leonhard Paul und Gerhard Füßl die Höhen und Tiefen Richard Wagners lachend erkannt hat.

Die Eindrücke hallen nach. Bei mir so stark, dass ich stunenlang keine andere Musik an mich heranlassen konnte. Zu stark war der Wagner von Mnoil Brass in mir. Da war kein Platz für anderes.

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