Frank Schätzing liest ein Unbekanntes Universum

Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Frank Schätzing hat aus seinen umfassenden Recherchen für seinen Bestseller „Der Schwarm“ ein zweites Buch gemacht: Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Auch das ist ein Bestseller. Für all jene, denen mehr als 500 Seiten Erdgeschichte und Evolution zu viel sind, hat der Hörverlag daraus zwei CDs gemacht.

Der Autor liest ausgewählte Kapitel selbst vor. Das macht er sehr gut. Doch werden beim Hören auch einige Schwächen offenbar. Wenn sich Schätzing in einen Hai hineinversetzt, ist das zwar anschaulich, aber es wirkt doch seltsam. Beim Lesen funktioniert das besser. Das stark gekürzte Hörbuch-Feature muss im Vergleich zum Buch außerdem auf zu viel
Inhalt verzichten.

Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Otto Sander und Götz Alsmann lesen Max und Moritz

Der alte Wilhelm Busch (1832- 1908) ist seit einigen Jahren wieder richtig in. Spätestens seit Robert Gernhardt (69) die wunderbare Auswahl „Da grunzt das Schwein, die Englein sangen“ veröffentlichte, wird sein Humor wieder ernst genommen.

Schauspieler Otto Sander (65) und Entertainer Götz Alsmann (49) haben sich auch durch
das Werk gelesen und für eine herrliche CD ihre Busch-Favoriten vorgelesen. Dabei legen sie viele verschüttete kleine Gedichte und Texte frei. Natürlich lesen sie „Max und Moritz“. Dieser Einstieg in die CD soll die lachenden Hörer nur einfangen. Die vielen kleinen Bosheiten, die danach folgen, machen das Hörbuch zu einem echten Knüller – inklusive Alsmanns Ukulele-Improvisationen.

Friedrich Küppersbusch liest eine Biografie von Joseph Beuys

Der Mann irritiert auch 20 Jahre nach seinem Tod noch immer. Joseph Beuys (1921 – 1986) ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Aktionen mit Fett und Filz, seine Objekte aus Blut, Kabeln und sonstigen Alltagsmaterialien lassen noch immer viele Betrachter ratlos zurück.

Obwohl er die Kunst aus der Welt der elitären Ästheten zu den Menschen brachte. Heiner
Stachelhaus (1930 – 2002) hat den Künstler, Lehrer, Politiker Beuys in seiner Biografie nicht nur beschrieben. Er hat ihn übersetzt. Friedrich Küppersbusch (44) liest
sie als erstes Hörbuch einer Portrait-Reihe von Roof Music. Das ist sehr lehrreich. Die Passagen über Bildung sollte Pflicht an allen Bildungseinrichtungen und für alle
Bildungspolitiker werden.

Julia Hummer (48) ist phantastisch. Sie liest die lebensmüde Jess in der inszenierten Lesung von Nick Hornbys (25) „A long way down“. Hummer trifft den Ton dieser Göre so gut, dass dem Hörer schon mal ein kalter Schauer angesichts der rücksichtslosen Egomanie des Mädchens den Rücken runterlaufen kann.

Jess ist eine von vier Personen, die sich in der Silvesternacht auf einem Londoner Hochhaus zufällig treffen. Alle haben das gleiche Ziel: Sie wollen sich mit einem letzten Sprung umbringen. Da ist der Ex-TV-Moderator, der Sex mit einer 15-Jährigen hatte, eine Hausfrau, die keine Kraft mehr zur Pflege des behinderten Sohnes hat, und ein Möchtegern-Rockstar. Wie deren Leben doch weitergeht, muss man hören. Ausschalten geht nicht!

Nick Hornby A LONG WAY DOWN – HÖRSPIEL. HÖRVERLAG 24,95 EURO

Mozarts Leben zum Anhören auf zwei Hörbüchern

250 Jahre Wolfgang Amadeus Mozart werden nicht erst am Freitag gefeiert. Verlage, Labels und alle Arten von Kulturanbietern zelebrieren das Musikgenie schon seit Wochen. 20cent hat sich zwei Hörbücher über den Komponisten angehört.

Hörbücher sind für Biografien von Komponisten das optimale Medium. Sie ermöglichen auch die musikalische Umrahmung mit den wichtigsten Werken des Musikers. Bei Martin Gecks „Mozart – Eine Biografie“ wird davon auch Gebrauch gemacht. Allerdings etwas spärlich. Das ist schade, da der Text, den in diesem Fall Senta Berger sehr einfühlsam und konzentriert liest, tatsächlich neue Blicke auf das Salzburger Wunderkind eröffnet. Gerade die Passagen, in denen es um das musikalische Genie Mozart geht, wären mit mehr Musik ein echter Gewinn.

Die alte Aufnahme von Gerd Westphal (1920 – 2002) „Lieber Herr Kapellmeister und Hofkompositeur“ – Ein Mozart-Portät setzt die Musik offensiver ein. Allerdings nicht organisch, sondern getrennt. Beide CDs enthalten eine Reihe von biografischen Texten und Briefen von und an Mozart. Westphal, der bekannteste Rezitator Deutschlands, hat die Texte sehr unterschiedlich im September 1996 vorgetragen. Er wechselt die Stimme je nach Anlass und erzeugt so aus der losen Aneinanderreihung eine organische Biografie. Das hat eine sehr große Faszination.

Den musikalischen Rahmen liefern die St. Petersburg Virtuosen. Das Quartett spielt akurat. Doch die Anordnung der Stücke und der Texte lässt es leider nicht zu, dass sich Mozart-Einsteiger ein eigenständiges Hörbild erarbeiten können. Das schafft auf Gecks Mozart Senta Berger. Wohl auch, weil sie den richtigen Akzent hat. Ihr österreichischer
Tonfall überzeugt vor allem bei den frühen Briefen des jungen Mozart an seinen Vater. Berger moduliert den Grundkonflikt zwischen dem ehrgeizigen Vater und dem Genie, das neben der Musik doch auch nur Kind sein wollte, wunderbar heraus.

Beide Hörbücher sind trotz des Mangels bei der Musikpräsenz ein guter Einstieg in die Welt Mozarts. Wer sich mit ihm noch nicht (oder nicht so richtig) auskennt, erfährt viel interessantes. Für Mozart-Profis bieten die CDs dagegen kaum etwas.

MARTIN GECK: MOZART. GELESEN VON SENTA BERGER, DEUTSCHE GRAMMOPHON, 24 EURO
GERT WESTPHAL: LIEBER HERR KAPELLMEISTER …, DEUTSCHE
GRAMMOPHON, 12,90 EURO