Endlich wieder barfuß

Barfuß
Barfuß

Die Erde ist noch kühl. Aber die Sonne wärmt von oben. Da wo sie scheint und der Wind nicht weht, brennt sie sogar schon ein wenig. Auch auf den Füßen, die heute endlich das erste Mal wieder barfuß in den Garten dürfen.

„Lasst die Schuhe an!“ Das sage ich anfangs noch zu den Kindern. Ich traue diesem ersten Sonnentag noch nicht ganz. Das sind ja die Tage, an denen man sich besonders leicht erkältet. Aber als es mir in den Schuhen dann zu warm wird, ziehe ich sie aus. Und ruckzuck sind alle barfuß. Und freuen sich über die Selbstverständlichkeit des Abstreifens von Schuhen und Socken.

Die Befreiung der Füße ist der tatsächliche Beginn der warmen Jahreszeit. Barfuß ist immer ein kleiner Freiheitsgruß. Auch wenn die Fußsohle heute noch so gar nicht abgehärtet ist. Die Lärchennadeln pieksen ganz besonders. Der Dreck scheint sich zwischen den Zehen an diesem ersten Barfußtag ganz besonders wohl zu fühlen. Aber das ist nicht gegen diesen Genuss des Spürens und Fühlens des weichen Rasens. Und des Wissens um den Beginn einer neuen – hoffentlich langen – Barfuß-Saison.

Göttliche Erkenntnis

Ob es der Punkt zwischen den Fußballen ist oder der in der Falte unterhalb des kleinen Fingers, wenn man eine Faust ballt, weiß ich nicht mehr. Aber ich bin mir sicher, dass einer von beiden „Göttliche Erkenntnis“ heißt. Das zumindest meinte mein Arzt, der vor gut 30 Jahren gegen meinen Heuschnupfen und meine Kniebeschwerden – erfolgreich – mit Akupunkturnadeln vorging.

Beide Punkte sind sehr schmerzempfindlich, wenn eine feine Nadel in die Haut gedreht wird. Seit gestern bin ich mir dennoch sicher, dass es der Punkt am Fuß sein muss. Barfuß habe ich mir in der Küche einen winzigen Glassplitter genau in diese Stelle gerammt. Er war so klein, dass er in der Wunde kaum zu finden war. Dafür war der Schmerz umso größer, genauso wie damals bei der Akupunktur. Erkenntnis konnte ich zwar keine gewinnen. Wahrscheinlich kam der Schmerz dafür zu spontan. Jetzt aber weiß ich, dass er bei jedem Schritt wieder kommt. So wie ich früher beim Nadeln wusste, was mir blüht.

Das Wissen um den bevorstehenden Schmerz aber sorgt tatsächlich für die Bereitschaft, sich Größerem hingeben zu wollen. Und sei es nur den tröstenden Armen wärmender Geborgenheit. So wie früher als Kind, als Gott noch alles beobachtete. Und damit für vertrauensvolle Sicherheit sorgte. Und die Moral von der Geschicht? / Tritt niemals in die Scherbe nicht / nur wenn die Hilfe ist ganz nah / erträgt den Schmerz der Mensch / Ansonsten dreht er durch / denkt nicht mehr klar / wie bei der Liebe Leid / macht sich sonst Verzweiflung breit