Manja Präkels Wenderoman setzt die Angst vor Neonazis in Szene

Die Generation der heute um die 40-jährigen scheint ihre Wende-Erfahrungen literarisch zu verarbeiten. So wie Christian Bangel in „Florida Oder“ seine Erfahrungen in den späten 1990er-Jahren in Frankfurt (Oder) zu einem Roman verdichtet hat, so versucht Manja Präkels in ihrem Wenderoman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ die schrecklichen Seiten der neuen Freiheit nach 1990 zu fassen. Bei ihr geht es um die Haltlosigkeit der Jugend in den 1990ern, die zur  Ausbreitung von Neonazis in Brandenburg und dem gesamten Osten beitrug.

Manja Präkels war 1989 15 Jahre alt. „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ heißt ihr Roman, der in Zehdenick und  Orianienburg spielt. Das ist die Heimat von Manja Präkels. Hier ist sie aufgewachsen, hier ist sie zur Schule gegangen und hier hat sie den Systembruch der friedlichen Revolution erlebt. Jetzt hat sie sich ihrer Heimat erinnert, um ihren beachtenswerten autobiografischen Roman zu schreiben.

Mimi ist die Tochter einer von der DDR überzeugten Lehrerin. Sie spürt zwar immer wieder, dass die Systemtreue ihrer Mutter dafür sorgt, dass sie von ihren Mitschülern seltsam beäugt wird. Dennoch ist das Leben für das Mädchen schön. Mit Oliver hat sie einen guten Freund, der mit ihr angelt und auch ansonsten die Natur entlang der Havel erkundet. Außerdem haben beide großen Spaß daran, unterm Tisch Schnapskirschen zu essen, während ihre Eltern beim Feiern Bier und Schnaps nicht nur genießen.

Damit wäre ein Teil des seltsamen Buchtitels schon erklärt. Der zweite, auf den ersten Blick marktschreierische Teil, ist der Name, das Wort „Hitler“. Oliver entwickelt mit dem Zerfall der DDR zum Neonazi. Nachdem er vor einer größeren Gruppe eine Rede gehalten hat, nennen seine rechten Kameraden Hitler. Immerhin ist er nicht nur einer der Mitläufer, sondern die zentrale Figur der Neonazi-Szene. Seine Ideologie nutzt er, um mit Kriminalität sein Leben zu finanzieren. Mimi erlebt das alles aus der anderen Perspektive. Sie wird zur Linken, die von den Neonazis „Zecke“ genannt wird. Sie versucht mit Freunden eine freie, antifaschistische Subkultur zu etablieren. Aber letztlich flieht sie vor allem ins nahe Berlin.

Wie Manja Präkels das alles schildert ist lesenswert. Mit dem Rückblick auf die Kindheit in der DDR tut sie sich etwas schwer. Da entsteht noch keine Erzählfluss. Schlaglichtartig betrachtet sie diese Jahre. Mit dem Fall der Mauer nimmt die Intensität jedoch massiv zu. Die Figuren werden immer prägnanter und die Geschichte beginnt den Leser gefangen zu nehmen. Maßgeblich daran ist auch das stets vorhandene Gefühl, dass das einst freundschaftliche Band zwischen Mimi und Oliver noch immer nicht komplett durchtrennt ist. Manja Präkels ist ein Wenderoman, der eine wichtige Geschichte erzählt, in aller ihrer Tristesse, Sehnsucht und leider auch Brutalität.

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