Bei Wolf Haas ist die Luftmatratze von vor 15 Jahren richtig wichtig

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren
Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren

Es gibt Schriftsteller, von denen will man schon immer etwas lesen, kommt aber aus etlichen Gründen nicht dazu. Und dann greift man doch noch zu einem Roman von ihnen und ärgert sich. Nicht weil das Buch schlecht wäre. Im Gegenteil! Weil es gut ist und man bedauert, so lange auf das Vergnügen verzichtet zu haben. Wolf Hass ist für mich einer dieser Schriftsteller, die ich viel zu lange nicht gelesen habe! „Das Wetter vor 15 Jahren“ habe ich als Taschenbuch im modernen Antiquariat gekauft – und schon in der S-Bahn konnte ich nicht mehr aufhören.

Die Idee des Romans ist schon großartig! Dass sich ein Mann das Wetter der letzten 15 Jahre an einem ganz bestimmten Ort Tag für Tag merkt, weil er seine Jugend- und Urlaubsliebe wegen eines Wetterumschwungs doch nicht ausgiebig küssen konnte, ist wunderbar. Dass er damit bei „Wetten dass“ auftritt ist nachvollziehbar. Dass diese Geschichte ein Autor so spannend findet, dass er den Mann kennenlernen und mit seiner Jugendliebe zusammenbringen will, ist komisch. Aber dass er das alles gar nicht als Roman schreibt, sondern in Form eines Interviews zwischen einer Literaturredakteurin und dem Autor – das bringt so viel Witz in den Stoff, dass man beim Lesen einfach nicht ernst bleiben kann.

Haas schreibt konsequent im Duktus der norddeutschen Redakteurin und dem des österreichischen Autors. In feinen Nuancen bringt diese unterschiedliche Sprache die Verschiedenheit der Personen zum Ausdruck – und damit auch der Regionen, für die sie stehen. Das ist wirklich ganz große Literatur mit Esprit, Witz und einer Liebe zur dramatischen Steigerung, dass es eine Lust ist. Haas schafft es, die Geschichte die immer denkbar schlechteste Wendung nehmen zu lassen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Auch das wunderbar. Deshalb: Wer Wolf Haas nicht gelesen hat, sollte damit auf keinen Fall so lange warten wie ich!

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