Warten aufs Gewitter

Die Luft ist so schwer. Jede Bewegung verursacht Schweißausbrüche. Der Kopf will sich nur noch ablegen, jeder Gedanke, jede Bewegung erhöht den Druck. Die feuchten Luftmassen drücken die Pollen nach unten. Die Augen jucken, die Nase reagiert auf den Pollenansturm. Im Zug herrscht großes Schweigen. Keine lauten Töne, nur in sich gekehrte Gesichter ringsum. Später auf dem Bahnsteig rennt niemand. Alle Menschen gehen langsam. Niemand will noch mehr schwitzen als unbedingt nötig. Alle warteten auf das Gewitter.

Auf dem Weg nach Hause mischt sich Sorge in die frohe Erwartung der Erleichterung. Sind die Fenster geschlossen? Sind die Regenrinnen sauber oder mit Laub und Lärchennadeln verstopft? Doch die Freude auf die heraufziehende Erleichterung überwiegt: Jede Faser des Körpers will vom Druck befreit werden. Dann kommen die Donnerschläge immer näher. Dunkle Wolken ziehen über das Haus, türmen sich in mehreren Schichten von hellgrau bis fast schwarz übereinander. Wind zieht auf, bringt erste Abkühlung, schüttelt die Bäume durch.

Und dann regnet es! In Stürzbächen ergießt sich das Wasser über die Landschaft, stürzt über Regenrinnen, die diese Menge nicht aufnehmen können, staut sich vor Gullis in großen Pfützen. Blitze begleiten die Entladung. Nur die Fenster sind geschlossen! Die Abkühlung muss draußen bleiben. Bis der Regen nachlässt. Dann werden die Fenster aufgerissen, strömt die Abkühlung endlich ins Haus, wird von jeder Zelle dankbar aufgenommen. Und auch der Kopf ist endlich wieder richtig klar.

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