Yishai Sarids Thriller erschüttert israelisches Selbstverständnis

Der Nahostkonflikt zieht sich nun schon seit mehr als 60 Jahre hin. Sowohl bei Palästinensern als auch bei Israelis hat er tiefe Furchen in die Wahrnehmung des Anderen gezogen. Der Israeli Yishai Sarid (45) erforscht in seinem Thriller „Limassol“ genau diese Verwerfungen.

Sarid war Offizier der israelischen Armee. Sein Geschäft dabei war die Nachrichtenbeschaffung und Auswertung. Anschließend hat er Jura studiert und als Staatsanwalt und Anwalt gearbeitet. Seine Kenntnisse und Erfahrungen prägen auch seine Hauptfigur, einen auf Selbstmordattentäter spezialisierten Schabak-Mitarbeiter. Für ihn ist das wichtigste, Anschläge zu verhindern. Dafür schreckt der Ich-Erzähler weder vor Folter bei den Verhören noch Mord zurück.

Er und seine Kollegen beim Geheimdienst fühlen sich im Recht. Das wird auch von der Staatsanwaltschaft normalerweise so gesehen. Vertuschung von Gewalt an palästinensischen Häftlingen ist Alltag. Doch in dieser Atmosphäre der Gewalt und gleichzeitigen Gewaltverhinderung verändert sich der Ich-Erzähler. Seine Ehe geht in die Brüche. Ihm fehlen die Worte, um seiner Frau zu erzählen, was ihn beschäftigt. Und selbst wenn er reden könnte, dürfte er es nicht.

In dieser Verfassung wird er auf Daphna angesetzt. Die Friedensaktivistin hat Kontakt zu einem palästinensischen Schriftsteller, der an Krebs erkrankt ist. Dessen Enkel wiederum ist ein wichtiger Planer von Selbstmordattentaten. Indem er über Daphna dafür sorgt, dass der alte Mann eine vernünftige Behandlung in einem israelischen Krankenhaus bekommen kann, erhofft er sich, an den Sohn zu kommen – und ihn auszuschalten. Oder besser gesagt: zu erschießen.

Der Mann vom Schabak verliebt sich in Daphna. Sie erwidert die Gefühle. Der Dichter ist ein feiner Mann, der keinem Feindbild entspricht. Und so kommen die Grenzen zwischen Gut und Böse ins Rutschen. Gewissheiten lösen sich auf. Selbstverständlichkeiten werden zu Fragen über Leben und Tod.

Yishai Sarid schildert dies alles ohne große Aufregung. Die Ungeheuerlichkeit der plausiblen Geschichte sorgt für die Spannung. Der Stress des Ich-Erzählers bestimmt die Atmung des Lesers. Die Ratlosigkeit angesichts des Konflikts bleibt natürlich. Aber ein ganz kleines bischen besser kann man ihn nun verstehen.

Yishai Sarid: Limassol. Kein & Aber: 16,90 Euro

MOZ-Rezension…

Einst und Jetzt – Eberswalde erschienen

Einst und Jetzt - Eberswalde
Einst und Jetzt - Eberswalde

„Einst und Jetzt – Eberswalde“ ist gestern erschienen. Band 8 der von Märkischer Oderzeitung und Culturcon Medien herausgegebenen Reihe ist von Bürgermeister Friedhelm Boginski begeistert aufgenommen worden. Boginski: „Die Bilder wecken bei Älteren Erinnerungen. Jüngere führen sie an Geschichte heran.“ In dem Buch werden über 40 historische Fotos mit aktuellen kontrastiert.

„Einst und Jetzt – Eberswalde“ ist im Buchhandel oder unter www.moz.de/shop erhältlich. Es kostet wie alle Städte-Bände 14,95 Euro.

Der Schrecken des Krieges

Zwei neue Bücher hat die Märkische Oderzeitung gestern in Seelow und in Strausberg veröffentlicht. In der Kreisstadt von Märkisch-Oderland stellten Autor Gerd-Ulrich Herrmann und MOZ-Chefredakteur Frank Mangelsdorf das Buch „Das Kriegsende 1945“ vor. Das historische Material stammt aus einer Serie, die in den zurückliegenden Monaten in der Märkischen Oderzeitung veröffentlicht wurde. Anlass war das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 65 Jahren.

In seinem Buch beschreibt Gerd-Ulrich Herrmann, der auch die Gedenkstätte Seelower Höhen leitet, die letzten Tage des Krieges. Damals tobten erbitterte Kämpfe in der Region, viele Menschen starben. Der Autor fasste die schrecklichen Geschichten in einer Art Tagebuch zusammen. Dazu werteten Herrmann und sein Mitarbeiter Jürgen Fiene sowjetische und deutsche Quellen aus. „Uns wurde bei der Recherche erst richtig vor Augen geführt, dass es jeden Tag in fast allen Orten Krieg und Sterben gab“, erzählte der Autor.

„Die Serie war eindrucksvoll und erschütternd“, sagte Chefredakteur Frank Mangelsdorf. Viele Leser hätten sich erkundigt, ob daraus nicht ein Buch entstehen könnte. Das liegt nun vor. Die Texte wurden um eine Fülle von Fotos und Karten ergänzt. Brandenburgs ehemaliger Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat ein Geleitwort beigesteuert und Doris Steinkraus, die Leiterin der Lokalredaktion Seelow, schildert in einem weiteren Text, wie ehemalige Soldaten Seelow heute wahrnehmen.

In Strausberg setzte die Märkische Oderzeitung mit der Veröffentlichung von alten und neuen Fotos ihre Reihe „Einst und Jetzt“ fort. Nach Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Bad Freienwalde, Schwedt und Rüdersdorf sowie dem Land Brandenburg ist es bereits der siebente Band in dieser Edition. Bereits vor sechs Jahren veröffentlichte die Lokalredaktion alte und neue Stadtansichten von Strausberg. Die Serie kam so gut bei den Lesern an, dass sie auch in anderen Lokalredaktionen übernommen wurde. Die Buchreihe „Edition Brandenburg“, in der die MOZ die Bücher zusammen mit dem Verlag CulturconMedien veröffentlicht, zeigt, „das wachsende Heimatgefühl vieler Menschen“, sagte Mangelsdorf.

Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler zeigte sich sehr angetan von dem Buch. Es wurde von Christa Wunderlich geschrieben und MOZ-Fotograf Gerd Markert lieferte die Bilder dazu. „Je älter man wird, umso stärker nimmt man die Veränderungen wahr“, sagte die Bürgermeisterin beim Lesen der mehr als 40 Bildpaare. „Das Buch ist ein schöneres Geschenk als ein Blumenstrauß.“

„Das Kriegsende 1945“ und „Einst und Jetzt – Strausberg“ sind im Buchhandel oder unter www.moz.de/shop erhältlich. Die Bücher kosten 12,80 Euro beziehungsweise 14,45 Euro.

Rita Falk kocht einen Krimi mit Winterkarftoffelknödeln

Jede Provinz hat inzwischen mindestens einen Kommissar, der in ihr ermittelt. Dtv schickt jetzt einen weiteren durch Niederbayern. Aber dieser Franz Eberhofer ist besser als die meisten Provinzler. Er ist wunderbar direkt und unkompliziert. Und seine Heimat ist von Rita Falk grandios geschildert. Damit hat Franz Eberhofer die Chance, zumindest als Krimikommissar über seinen engeren provinziellen Wirkungskreis hinaus bekannt zu werden. Sein erstes Auftreten in „Winterkartoffelknödel“ spielt mit all den Klischees, denen sich Bayern ausgesetzt sehen – und mit denen, die sie selbst bis zum Exzess zelebrieren.

Eberhofer führt ein ruhiges Dorfpolizistenleben, nachdem seine Vorgesetzten der Meinung waren, dass er in München nicht mehr tragbar war. Auf seinen ausgedehnten Spaziergängen mit dem Hund entdeckt er eine Leiche. Bei dieser einen beliebt es im Laufe des Buches nicht. Die Familie Neuhofer stirbt einer nach dem anderen. Und eigentlich sieht es immer so aus, als wäre alles natürlich. Doch Ebernshofers Instinkt trügt ihn nicht. Wie auch, denn in der Dorfwirtschaft und im Sportverein schnappt er Dinge auf, die ihn hellhörig machen.

Da dies seinen Vorgesetzten gar nicht passt, sind die klassischen Konfliktlinien von Provinzkrimis gezeichnet. Rita Falk spielt mit diesen, verwirrt den Leser, indem sie ihn auf falsche Fährten lotst und erheitert ihn. Denn diese Provinz ist so lebenswert und doch so eng, dass nicht nur dem Eberhofer oft nichts anderes bleibt, als zu lachen.

Rita Falk schreibt im bayerischen Tonfall. Das mag für ungeübte Leser erstmal schwer sein. Doch wer sich auf diese Grammatik, diese Wortwahl und damit auf diese Lebenshaltung einlässt, der wird mit einem außergewöhnlich großen Lesespaß belohnt.

MOZ-Rezension…

Auf der Flucht vor dem Leben

Ilan Heitner: Liebe und anderer Schlamassel
Ilan Heitner: Liebe und anderer Schlamassel

Eine Mischung aus Tagebuch und Erinnerungen schreibt der Israeli Amir im Roman „Liebe und anderer Schlamassel“ von Ilan Heitner auf. Nach einem Wirtschaftsstudium macht er sich von Tel Aviv auf den Weg, um in New York ein Filmstudium anzuschließen. Dabei lernt er seine große Liebe Philly kennen. Doch die eigenartige Beziehungsunfähigkeit der beiden zerstört das Glück.

Ilan Heitner hat vieles aus seinem Leben in den Roman gepackt. Das Buch gleicht deshalb manchmal einer Therapiesitzung. Und doch liegt darin auch der Reiz. So bietet sich ein authentischer Blick auf die Gefühlslage der Israelis zwischen 30 und 40, die in Hedonismus, Sex und einem guten Trip die Erfahrungen aus der Armeezeit und die Bedrohung durch den Terror betäuben. Im Roman sind solche Momente nur am Rand Thema, aber sie wirken nach.

Das Dilemma zwischen den Ansprüchen an ein freies Leben und den Zwängen Israels lässt sich nur durch Flucht bewältigen. Für Amir ist auch die Beziehung zu Philly eine solche, die keine dauerhafte Perspektive bieten kann.

Heitners Roman ist sprachlich teilweise derb und so kompromisslos, wie die Sucht nach Sex, die Amir umtreibt. Kein Buch für nebenbei, aber lesenswert.

Ilan Heitner: „Liebe und anderer Schlamassel“, Kein & Aber, Zürich 2009, 288 S., 18,90 Euro

Junkers-Bildarchiv zeigt den Aufbruch in die Moderne

Lehrlinge vor dem Junkers-Werk in Dessau. Foto: Steidl-Verlag
Lehrlinge vor dem Junkers-Werk in Dessau. Foto: Steidl-Verlag

Wer denkt bei der Moderne schon an Gasheizung und Warmwasserboiler? Meist wird die Moderne eher mit Beschleunigung im Verkehr – auf Schienen, Straßen und in der Luft – gleichgesetzt. Die Revolution der Annehmlichkeiten in den eigenen vier Wänden wird gern vergessen.

Junkers steht für beide Phänomene. Heute noch gibt es Heizsysteme gleichen Namens. DieWarmwassertherme, die mit Gas betrieben wird, war eine Erfindung von Hugo Junkers (1859–1935). Vor allem aber verbindet man seinen Namen mit Flugzeugen. Das bekannteste ist sicherlich die JU 52, der robuste Omnibus der Lüfte, ohne den sowohl die Lufthansa als auch Hitlers Luftwaffe nicht so effektiv gewesen wären.

Entwurf für ein Werbe-Plakat. Foto: Steidl-Verlag
Entwurf für ein Werbe-Plakat. Foto: Steidl-Verlag

„Junkers Dessau“ heißt ein Fotoband, der die Menschen und die Produkte aus Junkers Firmenimperium in Erinnerung ruft. Und damit ein Stück deutscher Industriegeschichte buchstäblich ins Bild rückt. Hans Georg Hiller von Gaer¬tringen konnte dafür den Teil des einst riesigen Firmenbildarchivs auswerten, der in der Familie Junkers überdauerte und inzwischen dem deutschen Museum in München überlassen wurde.

Dass nur diese vergleichsweise wenigen Aufnahmen erhalten geblieben sind, dafür waren die Nationalsozialisten maßgeblich verantwortlich. Diese hatten Hugo Junkers, einen frei denkenden Weltbürger und für sie politisch unzuverlässig, 1933 enteignet, um sich die Innovationen, Patente und Anlagen seiner Flugzeugproduktion zu sichern. Zwar trugen Flugzeuge wie der Sturzkampfbomber JU 87 dann noch immer den Namen Junkers, doch verantwortlich für den Bau waren andere. Diese Enteignung und später die Demontage der Junkerswerke nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass das Bildarchiv verschwand oder zerstört wurde.

Flugzeuge prägten die Firmengeschichte. Foto: Steidl-Verlag
Flugzeuge prägten die Firmengeschichte. Foto: Steidl-Verlag

Wie groß dieser Verlust für die deutsche Industriegeschichte ist, lässt der Bildband erahnen. In ihm sind die unterschiedlichen Teile des Konzerns in Kapitel gefasst. Eines zeigt Luftbilder, die Junkers mit einer eignen Firma vermarktete. Diese Aufnahmen veränderten in den 20er-Jahren den Blick der Architekten, Städteplaner und Politiker auf die Welt und die Städte. Erstmals konnten sich Menschen einen gesamten Eindruck von einer ganzen Stadt oder von Verkehrswegen in der Landschaft machen. Die Kartografie verbesserte sich.

Auch die gesellschaftlichen Entwicklungen der 20er-Jahre finden in dem Band Beachtung. Ein Beispiel liefert die Werbefotografie für die Warmwassertechnik. Entblößte Frauenrücken werden beim Einstieg in die Badewanne ins rechte Licht gerückt. Man wirbt mit täglichem Badespaß – und mit wohliger Wärme. Einer Wärme, die nicht durch das stinkende Verbrennen von Kohle erzeugt wird, sondern durch fast geruchloses Gas, das direkt von der Leitung in den Brenner fließt.

Luftbilder waren Teil des Geschäfts bei Junkers. Foto: Steidl-Verlag
Luftbilder waren Teil des Geschäfts bei Junkers. Foto: Steidl-Verlag

Gerade die Werbefotografie zeigt zudem Einflüsse des Bauhauses. Junkers scheute sich nicht, mit den Künstlern der auch in Dessau ansässigen Hochschule zusammenzuarbeiten.

Nicht zuletzt dokumentiert der klug kommentierte Bildband ein bedeutendes Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte. Sowohl die Rückschläge durch Abstürze als auch die optimistische Aneignung der ganzen Welt durch die schnellen Flugverbindungen.

„Junkers Dessau“ hebt einen Schatz Bilder, die es wert sind, betrachtet zu werden. Deren Auswahl und die Begleittexte sind fundiert, präzise und eine Bereicherung.

Hans G. von Gaertringen (Hrsg.): „Junkers Dessau – Fotografie und Werbegrafik 1892–1933“, Steidl 2009, 143 S., 45 Euro

MOZ-Rezension…

Frank Schulz wünscht sich „Mehr Liebe“

Mit der Liebe ist es ja so ein Ding. Fast jeder wünscht sie sich. Einfach, unkompliziert und wärmend soll sie sein. Doch genau das ist sie dann oft nicht. Frank Schulz hat in seinem neuen Buch 22 Erzählungen zum Thema Liebe veröffentlicht, die dieses Gefühl in all seinen Varianten von zärtlich und vergeblich bis brutal und gewaltig nachzeichnen.

Für Harry Rowohlt ist Frank Schulz einer der Großmeister deutscher Komik. Seine „Hagener Trilogie“ hat viele Leser gefunden, die sich von der sprachlichen Kraft und dem norddeutschen trockenen Humor begeistert zeigten. Sein letzter Roman, „Das Ouzo-Orakel“ brachte diese Könnerschaft zur Vollendung.

Mit „Mehr Liebe“ stellt Schulz nicht mehr sein bekanntes Personal aus „Kolks Bräute“ ins Zentrum der Erzählung, sondern tatsächlich dieses wunderbare Gefühl, das die Kraft hat, alle Menschen zu verändern. Deshalb schreibt er davon, wie die Eifersucht nagt, wie das Lächeln einer Bäckersfrau der Sonnenschein sein oder wie ein verräterischer Zettel eine lange Beziehung zerstören kann.

Frank Schulz nimmt seine Figuren dabei sehr ernst. Er will keine billigen Witze reißen, indem er seine Protagonisten auf klischeehafte Verhaltensweisen reduziert. Seinen Humor erzeugt er durch gut beobachtete Details, die den Riss zwischen Anspruch und Wirklichkeit sichtbar machen. Diese Details wirken zudem oft erst auf der nächsten Seite richtig. Und so sind die Erzählungen stets auch Entdeckungsreisen in die eigene Beobachtungsgabe.

Verblüffend exakt schafft es Schulz die Erfahrungen der Alltagskultur mit Popmusik oder Fußball auf dem Lande in seine Literatur einzubauen. Das Nennen eines Liedtitels genügt, um beim Leser das gewünschte Gefühl zu erzeugen. Auch deshalb ist Schulz tatsächlich ein Meister. Einer des Schreibens und einer des Humors. Denn ohne zu schmunzeln lässt sich die Liebe in all ihren Facetten dieses Buches gar nicht ertragen.

Frank Schulz: „Mehr Liebe – Heikle Geschichten“, Galiani Berlin 2010, 292 S., 
19,95 Euro MOZ-Rezension…

20 Jahre Brandenburg: Das Land putzt sich heraus

Einst und Jetzt - Land Brandenburg
Einst und Jetzt - Land Brandenburg

Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten von 20 Jahren Brandenburg hat die Märkische Oderzeitung das Buch „Einst und Jetzt – Land Brandenburg“ veröffentlicht.

Der Wandel in Brandenburg hat sich für die Bewohner Schritt für Schritt vollzogen. Deshalb ist vielen gar nicht bewusst, wie stark sich die Städte und Gemeinden, die Infrastruktur aber auch ganze Landschaften verändert haben. Wer das Buch „Einst und Jetzt – Land Brandenburg“ durchblättert, wird überrascht sein, wie nachhaltig die Veränderungen sind.

Das Buch stellt Fotos aus der Zeit um 1990 Bildern aus diesem Sommer gegenüber. Knappe Texte der Potsdamer Autorin Hanne Bahra ordnen die Bildpaare ein und erzählen von denjenigen, die sich für den Erhalt von Gebäuden oder die Wiederbelebung alter Traditionen stark gemacht haben. Im Buch sind sie ausführlicher als auf dieser Seite.

Aus allen ehemaligen Altkreisen Brandenburgs sind Beispiele versammelt. Thematisch geht es um Schlösser, Herrenhäuser, Kirchen und Altstadtensembles. Aber auch die Veränderung in den den Natur- und Landschaftsparks sind abgebildet. Und die in der Wirtschaft, etwa in Schwarze Pumpe, im Mercedes-Werk in Ludwigsfelde oder im EKO Eisenhüttenstadt.

Abgerundet wird das Buch mit einigen Statistikseiten. Wer weiß schon, dass die Bevölkerung Brandenburgs kaum geschrumpft ist? Und dass die Anzahl der Ärzte um 46 Prozent gestiegen ist?

www.moz.de/shop

Platzeck stellt MOZ-Buch über Brandenburg vor

Die Brücke über die Oder steht an diesem Wochenende im Mittelpunkt des Brandenburg-Tags in der Stadt Schwedt (Uckermark). Auf dem zweitägigen Landesfest wird auch das 20. Jubiläum von Brandenburg gefeiert. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte gestern auf einer Pressekonferenz, dass er sich kaum eine bessere Stadt für die Feier vorstellen könne. „Schwedt steht stellvertretend für viele märkische Geschichten von Umbruch und Aufbruch“, sagte der Ministerpräsident. Insbesondere die Themen Deindustrialisierung und demografischer Wandel spiegeln sich in der Stadt an der Oder wider. Sie steht aber auch für eine neue Leistungsfähigkeit der Industrie und die Freundschaft zum Nachbarn Polen.

Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) rechnet am Wochenende mit bis zu 100 000 Besuchern. Nach der Eröffnung am Sonnabendvormittag, zu der auch Ministerpräsident Platzeck erwartet wird, stehen viel Musik sowie ein abendliches Spektakel auf der Oder-Brücke auf dem Programm. Am Sonntag ist ein Festumzug geplant. Erwartet werden zu dem diesjährigen Landesfest auch bekannte Künstler wie Ute Freudenberg und Jennifer Rush. Stadt, Land und Sponsoren finanzieren das Fest mit rund 400 000 Euro.

„Die Brücke ist nicht ohne Grund im Signet des Brandenburg-Tags,“ betonte Polzehl. Das Fest richte sich auch an die polnischen Nachbarn. Auf dem Logo treffen sich Adler und Pipeline zum Rendezvous. Für den Bürgermeister ist das auch eine Verbindung zwischen Nationalpark und moderner Industrie.

Die Märkische Oderzeitung gibt zu den Feierlichkeiten zwei neue Bücher der Edition „Einst und Jetzt“ heraus. Chefredakteur Frank Mangelsdorf stellte die Bände über das Land Brandenburg und die Stadt Schwedt gestern auf der Pressekonferenz in Potsdam vor. Die Bücher bietet auf jeweils 220 Seiten einen Überblick über die Entwicklung des Landes in den vergangenen 20 Jahren. Es werden Aufnahmen von Baudenkmälern oder der Infrastruktur gezeigt – und zwar stets ein Foto aus der Zeit um das Jahr 1990 und ein aktuelles Bild. „In kaum einem Landstrich hat sich in so kurzer Zeit so viel verändert“, sagte Mangelsdorf in seiner Rede. Diesen Wandel zu dokumentieren, ist ein Beitrag der Märkischen Oderzeitung zum Jubiläum. Am Brandenburg-Tag gibt es eine Sonderausgabe für 9,95 statt 17,95 Euro.

Wer sich ein Buch von Ministerpräsident Platzeck signieren lassen möchte, hat dazu bereits morgen im Anschluss an „Einer für Schwedt“ an den Uckermärkischen Bühnen Gelegenheit. Mit dabei ist auch das Autorenteam der Märkischen Oderzeitung. Am Sonnabend signiert MOZ-Chefredakteur Frank Mangelsdorf die beiden Bände von 15 bis 15:45 Uhr auf dem Landesfest im MOZ-Café.

Burroughs und Kerouc lassen Nilpferdekochen

Burroughs/Kerouac: Und die Nilpferde kochten im Becken
Burroughs/Kerouac: Und die Nilpferde kochten im Becken

Ein Debüt-Roman aus dem Nachlass ist eine seltsame Sache. Der Autor wird schon seine Gründe gehabt haben, dass das Buch nicht erschienen ist. Das gilt auch für die schon spektakulär zu nennende Veröffentlichung des ersten Buches von Jack Kerouac und William S. Burroughs.

„Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“ ist nicht nur ein erstaunliches Debüt. Es ist vor allem ein Roman von zwei Autoren, die beide zu den wichtigsten der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören. Zusammen mit Allen Ginsberg sind sie die Vertreter der Beatniks. Sie haben mit ihrem konsequenten Leben abseits des US-Mainstreams einer ganzen Generation gezeigt, dass Karriere, Wohlstand, Glaube und Familie nicht die Grundlagen für ein erfülltes Leben sein müssen.

Beide erzählen aus ihrer eigenen Perspektive von einem Ereignis, das sie selbst erlebt haben. Burroughs nennt sich Will Dennison, Kerouac wählt den Erzählernamen Mike Ryko. Durch die Doppelperspektive beleuchten sie die letzten Tage von Al. Der ist unsterblich in Philipp verliebt und nervt ihn damit. Philipp möchte sich Al entziehen, indem er sich mit Ryko als Matrose einschiffen will, um von New York nach Europa zu fliehen.

Die Leser lernen den Freundeskreis dieser Bohemians kennen, die in der Phase des späten Zweiten Weltkriegs zwischen Universität und Alkohol, zwischen Kunstprojekten und Drogen die Tage und Nächte zubringen. Ganz wichtig sind dabei die erstaunlich oberflächlichen Beziehungen zwischen schwulen Männern, aber auch die zwischen Männern und Frauen. Der Titel des Buches ist ein Zitat aus einem Zeitungstext, das die schwül-überhitzte Atmosphäre des Freundeskreises auf den Punkt bringt.

Burroughs und Kerouac schaffen es, durch ihre konsequent subjektive Perspektive dem Geschehen einen jeweils anderen Ton zu geben. Das geht bis hin zur Ermordung Als durch Philipp. Auch das ist tatsächlich passiert. Am 14. August 1944 er¬stach ein gewisser Lucien Carr einen David Kammerer. Und anschließend ging Lucien Carr zu den Freunden Burroughs und Kerouac, um Hilfe und Trost zu suchen.

Die beiden Autoren haben diese Geschichte zu einem Roman verarbeitet. Dabei bleiben sie nah am Geschehen. Dennoch verdichten sie die Atmosphäre zu einem erstaunlichen Stück Literatur.

Dass ihr Debüt erst jetzt erschienen ist, hat nicht mit minderer Qualität zu tun. Burroughs und Kerouac verzichteten zu ihren Lebzeiten auf die Veröffentlichung aus Rücksicht auf Lucien Carr alias Philipp. Denn der wurde nach einer Haftstrafe ein erfolgreicher Journalist. Doch zum Glück wurde das Manuskript nicht vernichtet, sondern 40 Jahre nach dem Tod Kerouacs und zwölf nach dem von Burroughs veröffentlicht.

William S. Burroughs / Jack Kerouac: „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, Nagel & Kimche, Zürich 2010, 190 S., 17,90 Euro MOZ-Rezension…