Marc Schweska versammelt Lüge, Betrug und Verrat in einem Buch

Marc Schweska:  Das Kompendium der Geheimhaltung und Täuschung, der Lüge und des Betrugs, des Verrats und der VerstellungskunstAch. Die Lüge. Sie begleitet uns ständig. Natürlich lügen wir selbst nie, sondern nur die anderen. Und wenn wir doch lügen, dann wollen wir zumindest nicht erwischt werden. Mit Verrat ist es noch schlimmer und bewusste Verstellung ist mindestens genauso schlimm.

Und dennoch faszinieren Lüge, Betrug, Verrat oder Täuschung. Nicht umsonst dominieren Krimis die Hitlisten der Bücherverkäufe und Einschaltquoten im Fernsehen. Die dunkle Seite des Lebens lockt uns stets. Deshalb bereitet es auch so viel Vergnügen, die Anthologie von Marc Schweska zu lesen. Egal wohin man blättert, egal in welche Epoche, die Texte sprechen uns direkt an. Sie sind zeitlos, weil das Thema so zeitlos ist.

Viel mehr ist dazu eigentlich auch gar nicht zu sagen. Vielleicht noch, dass das Nachwort des Berliner Schweskas treffend ist. Und dass das Buch wunderbar gestaltet ist. Und das ist keine Lüge. Echt nicht. Ganz wirklich nicht. Und wer es nicht glaubt, muss halt selber lesen.

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Leo Perutz ist eine lesenswerte Entdeckung

Leo Perutder_judas_des_leonardo-9783423133043z ist einer dieser Schriftsteller, deren Name ich schon immer kenne, für dessen Bücher ich aber noch nie den nötigen Impuls bekam. Für seinen letzten Roman, „Der Judas des Leonardo“, gab es jetzt so einen Anlass. Und siehe da: Es hat sich gelohnt, Leo Perutz zu lesen.

Zum einen ist der Roman aus dem Mailand des frühen 16. Jahrhunderts historisch dicht. Beim Lesen entsteht ein vielschichtiges Bild des Lebens, der kulturellen und der gesellschaftlichen Zustände. Zum anderen ist der Stoff faszinierend erzählt. Leonardo da Vinci kommt mit seinem berühmten „Abendmahl“ nicht voran. Die Auftraggeber werden schon ungeduldig. Aber Leonardo fehlt ein Gesicht. Und nicht nur das. Es fehlt ihm vor allem der Ausdruck des Gesichts. Deshalb ist er auf der Suche nach einem Mann, der ihm als Judas zum Vorbild taugen könnte.

Das Wesentliche am Verrat des Judas ist die Bereitschaft, seine Liebe gegen Geld zu verraten. Von einer solchen Liebe und ihrem Verrat handelt das Buch deshalb vor allem. Von den zarten Banden, die ein deutscher Kaufmann und eine junge Mailänderin knüpfen. Leo Perutz schildert das wunderbar zart und ergreifend. Auch wenn man als Leser sehr bald weiß, auf welches Ende die Geschichte zu laufen wird, bleibt das Wie immer spannend. Und natürlich steht der Verrat als das zentrale Thema des Buches für mehr als nur einen Liebesverrat. Er steht für die Suche nach den Motiven, die Menschen dazu bringen, das zu verraten, was ihnen am wichtigsten ist. In diesem Fall ist es die Gier und die vernichtende Kraft, die ein zu großes Gerechtigkeitsempfinden entwickeln kann.

Dass Perutz dies nicht mit erhobenem Zeigefinger geschrieben hat, macht die Qualität des Romans aus. Es lohnt sich also, Leo Perutz zu lesen und für sich zu entdecken.