Nina Hagens Swing steckt fröhlich an

Nina Hagen: Irgendwo auf der Welt
Nina Hagen: Irgendwo auf der Welt

Robbie Williams (32) hat es getan. Und das klang gar nicht schlecht. Als er mit großer Big  Band auftrat und die Klassiker des Swing sang, waren viele von dem Entertainer  begeistert. Nina Hagen (51) hat es jetzt auch getan – und bei ihr klingt es noch viel besser! Kein Wunder, bei der Stimme!

Zusammen mit dem Berliner „The Capital Dance Orchestra“  interpretiert die Hagen die Klassiker der Big Band-Ära. Selbst Schnulzen wie der Hildegard-Knef-Song „Für mich soll’s rote Rose regnen“ kommen kraftvoll daher. Ihre stimmliche Bandbreite, ihre Lust am Inszenieren, Verkleiden und in andere Rollen schlüpfen kommen ihr voll zugute. Nina Hagens Spaß an diesen für sie ungewöhnlichen Songs überträgt sich auf die Hörer. Der Swing sorgt garantiert für gute Laune. Nina Hagens Spiele mit der Stimme verstärken das noch. Wer bei Summertime nicht den Sommer riecht, der lebt verkehrt.

Für die Punk-Diva ist der Ausflug zum Swing auch eine Rückkehr. Vor ihrer Ausreise aus der DDR 1977 trat die gelernte Opernsängerin mit Schlagern auf – und zu denen spielten Big Bands auf. Wie sie an allen ihren Eskapaden gereift ist, erklingt jetzt auf dieser schönen CD.

Wladimir Kaminer kocht in der „Küche Totalitär“

Offensichtlich hat der Sozialismus gut geschmeckt. Den Eindruck muss gewinnen, wer sich über Wladimir und Olga Kaminers Rezepte aus „Küche totalitär – Das Kochbuch des Sozialismus“ hermacht.

Die kulinarische Reise durch die Ex-Sowjetrepubliken ist deftig. Wladimir Kaminers passende Erzählungen aus der Gegenwart zu all diesen Ländern sind zudem eine feine ironische Brechung alter Vielvölkerstaatsträume. Sie handeln vom Leben der Exilanten in
Berlin, von ihren Träumen und Erinnerungen an die Heimat. Und sie erzählen von der postsozialistischen Geschichte Weißrusslands, Lettlands oder Tschetscheniens.

Eine als Kochbuch getarnte literarische Geschichtsstunde also. Und sie ist kraftvoll angerichtet.

Otto Sander und Götz Alsmann lesen Max und Moritz

Der alte Wilhelm Busch (1832- 1908) ist seit einigen Jahren wieder richtig in. Spätestens seit Robert Gernhardt (69) die wunderbare Auswahl „Da grunzt das Schwein, die Englein sangen“ veröffentlichte, wird sein Humor wieder ernst genommen.

Schauspieler Otto Sander (65) und Entertainer Götz Alsmann (49) haben sich auch durch
das Werk gelesen und für eine herrliche CD ihre Busch-Favoriten vorgelesen. Dabei legen sie viele verschüttete kleine Gedichte und Texte frei. Natürlich lesen sie „Max und Moritz“. Dieser Einstieg in die CD soll die lachenden Hörer nur einfangen. Die vielen kleinen Bosheiten, die danach folgen, machen das Hörbuch zu einem echten Knüller – inklusive Alsmanns Ukulele-Improvisationen.

Paul Berman analysiert die Generation Joschka Fischer

Joschka Fischer (57) ist der Inbegriff eines 68ers, der den Marsch durch die Institutionen vollendete. Paul Berman, ein amerikanischer Intellektueller, hat die Karriere Fischers vom Straßenkämpfer bis zum Außenminister analysiert.

Sein Blick von außen lässt die Debatte über Fischers Vergangenheit kleinkariert erscheinen. Zu Recht. Denn Bermann zeigt in seinem Buch auf, wie sich eine Generation
nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa aufmachte, um das Leben freier, friedlicher und fröhlicher zu machen. Und welchen Erfolg die Generation gesellschaftlich
hatte. Problematisch bleibt aber sein Vorwurf, dass Fischer und Co. den Irakkrieg
ablehnten.

Paul Berman: IDEALISTEN AN DER MACHT – DIE PASSION DES JOSCHKA
FISCHER. SIEDLER. 19,95 EURO

Mikael Niemi So witzig treibt es die Welt mit uns

Wer glaubt, dass die Welt durch den Urknall entstanden ist, der ist auf dem Holzweg. Denn eigentlich ist alles viel verrückter. Mikael Niemi hat in seinem aktuellen Roman „Das Loch in der Schwarte“ eine skurril-witzige Erklärung der Welt vorgelegt.

Niemi wurde mit seinem Debüt „Populärmusik aus Vittula“ weit über seine schwedische Heimat hinaus bekannt. Die Verfilmung des Buches verstärkte die Resonanz auf den etwas schrulligen Schweden noch. In „Das Loch in der Schwarte“ wandelt Niemi ein bisschen auf den Spuren von Douglas Adams und dessen „Per Anhalter durch die Galaxis“. Der Held seines Romans lebt irgendwann in der Zukunft und arbeitet als Fährmann eines  Transport-Raumschiffs, das quer durch alle Galaxien fliegt. Die Betonung liegt auf alle.

Denn Niemis Menschen kennen das Geheimnis der Welt inzwischen. Sie wissen, wo das Ende der Welt ist. Sie wissen sogar, dass danach noch etwas kommt. Ein Reich der Zwischenmaterie. Oder so ähnlich.

Der Roman beginnt mit einer ganz beschaulichen Geschichte. Irgendwo am Polarkreis geht ein Mann in eine Sauna direkt an einem unberührten See. Und dann passieren die  unglaublichsten Dinge. Die sind der Anfang vom Verständnis der Welt. Denn Außerirdische
besuchen die Erde. Sie sind recht seltsam und schauen sich die Welt aus anderen Zeitwinkeln an.

Diese Geschichte ist der Rahmen für all die Erlebnisse, von denen der Raumfahrer als Chronist zu erzählen weiß. Er berichtet von Figuren, die Krokodilen gleichen und intergalaktische Konzerne besitzen. Er erzählt vom abgedrehtesten Club der Galaxis, der
Schwarte, in der sich alles versammelt, was durch das Universum kreucht und fleucht. Und das ist einiges! Er erläutert, wie die ersten Freaks mit gebrauchten Raumschiffen
ins All vorgestoßen sind – und was sie da alles so erlebten.

Dabei weiß er auch noch, wie der Markt für gebrauchte Raumschiffe damals auf der Erde in Schwung kam, wie Siedler auszogen und auf Kometen und Planeten neue Zivilisationen
gründen wollten. All das ist extrem witzig geschrieben. Kein Gedanke ist Niemi zu abgedreht. Und so formt er eine literarische Welt, die der guten alten Erde aufs Vergnüglichste den Spiegel vorhält.

MIKAEL NIEMI: DAS LOCH IN DER SCHWARTE. BTB. 19.90 EURO

Eulenspiegel veröffentlicht das erste Satire-Jahrbuch

Klaus Stuttmann (56), der Berliner Karikaturist, muss sich aus Angst vor islamistischen Morddrohungen verstecken. Und das nur wegen einer sehr gelungenen Karikatur
gegen die politische Weltsicht von Innenminister Schäuble. Die Welt ist kompliziert. Aber Satiriker schaffen es immer wieder, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und das tut dann oft weh.

Der Eulenspiegel-Verlag hat mit „Die geballte Ladung“ erstmals ein Jahrbuch  herausgegeben. Wiglaf Droste (44), Matthias Biskupek (55), Ernst Röhl (68) und andere kommen zu Wort. Haderer, Mette oder Stuttmann illustrieren. Das alles ist ein wunderbar böser Rückblick – ganz ohne Mohammed. Die Eiferer, die sich darüber aufregen,
sollten sich anschauen, wie böse der Westen zu sich selbst ist!

Friedrich Küppersbusch liest eine Biografie von Joseph Beuys

Der Mann irritiert auch 20 Jahre nach seinem Tod noch immer. Joseph Beuys (1921 – 1986) ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Aktionen mit Fett und Filz, seine Objekte aus Blut, Kabeln und sonstigen Alltagsmaterialien lassen noch immer viele Betrachter ratlos zurück.

Obwohl er die Kunst aus der Welt der elitären Ästheten zu den Menschen brachte. Heiner
Stachelhaus (1930 – 2002) hat den Künstler, Lehrer, Politiker Beuys in seiner Biografie nicht nur beschrieben. Er hat ihn übersetzt. Friedrich Küppersbusch (44) liest
sie als erstes Hörbuch einer Portrait-Reihe von Roof Music. Das ist sehr lehrreich. Die Passagen über Bildung sollte Pflicht an allen Bildungseinrichtungen und für alle
Bildungspolitiker werden.

Josef Haslinger erzählt wunderbar von Zugvögeln

Eigentlich ist der Untertitel Erzählungen für Josef Haslingers Buch „Zugvögel“ die falsche Ergänzung. Beobachtungen würde den Kern der Geschichten besser treffen. Denn beobachtet hat Haslinger ganz genau. Beobachtet, wie misstrauisch der amerikanische Polizist dem Autofahrer begegnet, beobachtet, wie es dem Fremden in der Ostdeutschen Pampa ergeht, beobachtet, wie die Landbevölkerung mit einem „Fehlgeleiteten“
umgeht …

Im Zentrum dieser Reiseberichte stehen keine historischen Sehenswürdigkeiten oder Landschaften, sondern immer die Menschen. Und diesen gibt Haslinger mit wenigen
Worten eine charakterliche Tiefe und Abgründigkeit. Sie ist allerdings nicht immer frei von Klischees.

Josef Haslinger: Zugvögel, S. Fischer; 18,90 Euro

Lukas Hammerstein schreibt das Drehbuch eines Politiker-Todes

Ein grüner Spitzenpolitiker bringt sich im Juli 2005 um. Kurz vor der realen Abwahl der Grünen. Lukas Hammerstein (47) hat mit „Video“ genau zum richtigen Zeitpunkt das Buch über eine Generation geschrieben, die nach dem Ende von Rot-Grün nicht mehr weiß, was eigentlich ihr Ziel war.

Piet Escher ist Jahrgang 1958. Er gehört also nicht zu den echten 68ern, sondern zur Generation der Nachgeborenen. Er studiert in Freiburg Jura und stürzt sich mit der Gründung der Grünen in die Politik. Von den Sitzblockaden in Mutlangen bis zum Fraktionschef im Bundestag beobachtet der Leser Piets Auf- und Ausstieg.

Der wird aus der Sicht seines besten Freundes geschildert. Das beginnt beim gemeinsamen Studium 1979, also zur Gründung der alternativen Partei. In der Folge gibt es immer wieder Beschreibungen von Piet, die für die Etablierung der gesamten Generation stehen. Bis eben 2005, als sich Piet aufgibt und umbringt.

Hammerstein entwirft ein sehr bitteres Porträt seiner eigenen Generation. Er selbst ist – wie Piets Freunde – auch Jahrgang 1958. Bei der Trauerfeier für Piet versammeln sich die ehemaligen Kommilitonen. Sie sind erfolgreich, haben keine Kinder. Ihr Leben haben sie in einer Mischung aus Hedonismus, Gier nach Erfolg und einem unklaren Kampf für Ideale verbraucht, die eigentlich schon von den 68ern formuliert wurden. Letztlich ist das auch der Grund, aus dem sich Piet umbringt.

Damit schließt sich die Klammer. Denn er folgt einer Mitstudentin, die sich schon 1979 das Leben nahm. Sie, weil ihr das Leben schon mit 20 zu viel wurde. Er, weil sein Drang zur Selbstdarstellung mit dem Ende von Rot-Grün keine Konjunktur mehr hat. Eine neue Form von Ernsthaftigkeit ist auch in der Partei gefragt. Eine Tugend, die Piet nur leben konnte, wenn sie seinem Lustgewinn entgegenkam. Hammersteins Blick ist gnadenlos. Der Text deshalb etwas zu abgehackt. Er erinnert an ein Drehbuch, das Piets letztes Video zu einem Spielfilm ausbauen könnte.

Lukas Hammerstein: Video. S. Fischer. 14,90 Euro

Raymond van de Klundert über Brustkrebs und Sterbehilfe

Raymond van de Klundert
Raymond van de Klundert

Als seine Frau im Alter von 36 Jahren an Krebs starb, ging Kluun (41), mit bürgerlichem Namen Raymond van de Klundert, nach Australien, wo er seinen Roman „Mitten ins Gesicht“ schrieb. Das Buch des Schriftstellers aus den Niederlanden wurde zum Bestseller und bot vielfach Zündstoff zur Diskussion.

Ihr Buch handelt davon, wie der Brustkrebs das ganze Leben einer 35 Jahre jungen Frau und vor allem ihres Mannes verändert. Auf dieses Thema reagieren viele mit Abwehr.

Ich habe bei Lesungen viele erlebt, die sagten: „In dem Buch geht es um einen Mann, der fremdgeht, weil seine Frau stirbt? Das möchte ich gar nicht lesen!“ Mein Buch ist eines
von denen, die von anderen Lesern empfohlen werden müssen. Die wissen dann, dass es vor allem ein Buch über eine tiefe Liebe ist.

War Ihnen klar, dass das Leben mit und das Sterben an Brustkrebs ein so heikles Thema ist?

Ja. Für die Betroffenen, im Buch für Carmen und Stijn, ist das ein Thema, das viel wichtiger ist, als für Freunde und Familienangehörige. Für die zählt nur die Gesundheit und das Überleben. Aber für Carmen und Stijn geht es um mehr. Das, was sie erleben, habe ich auch mit meiner Frau erlebt. All unsere Freunde haben den Krebs mitbekommen. Wir waren junge, urbane Leute. Da wurde mit Freunden und Freundinnen auch immer über Sex geredet. Aber was die Brustamputation mit meiner Frau gemacht hat, danach hat keine von den Freundinnen gefragt. Keine wollte wissen, wie es ist, ohne Brust zu leben. Und keiner meiner Freunde hat mich gefragt, wie das ist, mit einer Frau ohne Brust zu leben.

Also ein richtiges Tabu?

Ob Tabu das richtige Wort ist? Es ist mehr eine Art Verdrängung. Wenn du eine lebensbedrohende Krankheit bekommst, dann ist für die Außenwelt nur dein Überleben
wichtig. Alles andere ist unwichtig. Genau das hat meine Frau und mich frustriert. Diese Reaktion der Außenwelt ist Quatsch.

Warum?

Ich glaube, dass Brüste das Symbol für Sexualität schlechthin sind. In Werbung, Film oder Mode, überall werden die Brüste als das Symbol für Weiblichkeit inszeniert. Wenn eine junge Frau krank wird, dann ist das für die Umwelt aber auf einmal nicht mehr wichtig.

Kluun: Mitten ins Gesicht
Kluun: Mitten ins Gesicht

Noch nicht bei der ersten Diagnose. Da war eine Brustamputation noch keine Option, weil der Tumor zu groß war. Aber als dann die Ärzte über die Brust meiner Frau diskutierten, war uns klar, dass sich unser Leben verändern wird. Wenn meine Frau noch zehn oder fünfzehn Jahre gelebt hätte, wäre die Wirkung eine andere gewesen.

Aber die Amputation kann doch nicht rückgängig gemacht werden.

Ich glaube, dass mit den Jahren der Einfluss der Brustamputation auf die Beziehung unwichtiger wird. Wenn eine Frau mit 30 oder 40 Jahren ihre Brust verliert und dann
noch 70 oder 80 Jahre alt wird, dann ist der Zustand irgendwann bestimmt normal. Dann ist es wie eine Art Schönheitsfehler. Aber wir hatten diese Zeit nicht. Uns blieb nur ein Jahr. Wir hatten nicht die Chance, damit leben zu lernen.

War es eine schreckliche Erfahrung, wie die Ärzte damit umgehen?

In Holland ist gerade ein Foto-Band von Frauen erschienen, die nur noch eine Brust haben. Die Herausgeberin ist Chirurgin. In ihrem Vorwort hat sie geschrieben, dass sie die Probleme bis zur Lektüre meines Buches nie sah. Obwohl sie selbst eine Frau ist, habe sie Brüste immer genauso operiert wie Arme oder Ohren. Aber jetzt verstehe sie, welche Belastung eine solche Operation für die Frau und auch den Mann sei.

Stijn, der Mann der kranken Frau, geht fremd. Irgendwie ist er ein Drecksack, aber ein sympathischer.

In Stijn habe ich die schwarze, die schlechte Seite von mir selbst vergrößert. Stijn schaut jeder Frau hinterher – und auf jeden Busen.

Wenn man Umfragen trauen darf, wird Treue wieder wichtiger.

Viele Menschen hoffen, dass das Treue-Versprechen bei der Hochzeit gehalten werden kann. Auch ich hoffte, dass das Versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten treu zu bleiben, bis dass der Tod uns scheidet, hält. Mein Buch hält den Spiegel in dem Moment vor, in dem es schlecht geht. Märchen funktionieren nur in guten Zeiten. Aber was passiert in schlechten? Das weiß keiner. Deshalb ist das Buch so hart. Ich denke, es ist mir gelungen, Stijn als Drecksack darzustellen. Und dennoch die Frage aufzuwerfen: Wie wärst du selbst, wenn dir so etwas passiert?

Stijn geht nicht nur fremd. Er hat auch ein Verhältnis.

Von allen Arten des Fremdgehens ist ein Verhältnis die moralisch verwerflichste. Von vielen Lesern habe ich jedoch gehört, dass Stijn die One-Night-Stands, das rein sexuelle Fremdgehen, mehr verübelt werden als das Verhältnis mit Roos. Die Leser verstehen, dass dieses Verhältnis wichtig ist.

Ihr Buch kann einem die Tränen in die Augen treiben. Ging Ihnen das beim Schreiben auch so?

Ja. Der dritte Teil ist zu 99 Prozent autobiografisch. Hier sind die Briefe von Carmen an die Tochter Luna, fast genauso wie die meiner Frau an unsere Tochter. Der Abschied von Luna ist zu 100 Prozent so geschehen. Das war beim Schreiben emotionaler  als in Wirklichkeit. Da war ich ein Manager des Trauerns. Da wollte ich mich um den Abschied kümmern, um es meiner Frau so schön wie möglich zu machen. Das Buch ist die zwölfte Version des
Originalmanuskripts. Am Ende ist das Buch kein Roman mehr, sondern eine Lebensgeschichte.

Es ist auch ein Buch über Sterbehilfe. Die beschreiben Sie als etwas Selbstverständliches

Ja, in Holland ist das selbstverständlich, aber in Deutschland nicht. Auch deshalb bin ich stolz darauf, dass die Deutsche Krebshilfe das Buch adoptiert hat. Sie sagt, dass ich keinen Leitfaden für Sterbehilfe geschrieben habe. Aber dennoch habe ich wohl den Vorgang so beschrieben, wie man es noch nie gelesen hat.

Ich habe das Buch als Plädoyer für Sterbehilfe wahrgenommen, weil eine junge, starke Frau bewusst entscheidet, wann für sie Schluss ist.

Mir geht es nicht um die Auseinandersetzung, ob Sterbehilfe gut oder schlecht ist. Ich verstehe, dass es für deutsche Politiker ein sehr schwieriges Thema ist. Nachdem die Nazis
ihre Morde an Behinderten als Euthanasie, als Sterbehilfe bezeichneten, ist das in Deutschland sehr problematisch. Insofern ist es gut, dass ein Ausländer wie ich darüber
schreibt. Dann können die Leute selbst darüber nachdenken und sich fragen: Was ist so schlimm daran?

Worum geht es im nächsten Buch?

Das neue Buch fängt da an, wo „Mitten ins Gesicht“ aufgehört hat. Fertig ist die Geschichte erst am Ende des zweiten Buches. Das heißt „Der Witwer“. Witwer ist ein Wort, das nur für Leute im Alter von 70 oder 80 Jahren benutzt wird. Zu 30- oder 40-Jährigen sagt man das
nicht. Aber die Betroffenen sind es tatsächlich.