Sabine Friedrich bringt uns die Rote Kapelle sehr nah

„Wer wir sind“ heißt der große Roman über den deutschen Widerstand gegen das Dritte Reich von Sabine Friedrich. Auf mehr als 2000 Seiten hatte sie akribisch und fesselnd die Geschichte über die Deutschen literarisiert, auf die wir heute stolz sind. Das Thema hat Friedrich nicht losgelassen. Jetzt ist der erste Band einer angekündigten Trilogie über den Widerstand erschienen. „Einige aber doch“ ist ein großartiger Roman über die Rote Kapelle, dem man eine weite Verbreitung wünscht. Denn Vergleichbares gibt es derzeit auf dem deutschsprachigen Buchmarkt nicht.

Wer die 2000 Seiten ihres ersten Widerstand-Romans gelesen hat, fragt sich, warum es jetzt eine Trilogie des gleichen Stoffs geben soll. Aber wer das Buch anfängt zu lesen, kann es nicht mehr weglegen. Sabine Friedrich formt den Stoff der „Roten Kapelle“ zu einem Roman, der nicht nur fesselnd zu lesen ist, sondern auch noch die ganze emotionale Dramatik des Geschehens erfasst. Dabei bleibt sie nah an den Fakten, wagt es aber dennoch die Geschichte von Arvid uns Mildred Harnack-Fish, von Harro und Libertas Schulze-Boysen, von Kurt und Elisabeth Schumacher, von Adam und Marie Kuckhoff, Hans und Hilde Coppi und all den anderen, die in Berlin, Brüssel oder Moskau gegen den Nationalsozialismus ihr Leben aufs Spiel setzten, als bewegende Geschichte zu erzählen.

Während in „Wer wir sind“ das faszinierende Netzwerk all der Menschen im kommunistischen, militärischen und bürgerlichen Widerstand war, das Friedrich faszinierte, geht es im aktuellen Roman eher um den inneren Zusammenhalt der losen Gruppe, die sich selbst nie „Rote Kapelle“ nannte. Und natürlich auch um die persönlichen Schwächen, die genau diesen Zusammenhalt gefährdeten. Sabine Friedrich gelingt es, allen Charakteren gerecht zu werden. Sie denunziert niemanden, auch nicht diejenigen, die dem Druck bei den Verhören durch die Nazi-Schergen nicht standhalten können.

Sabine Friedrich ist leider noch immer „nur“ ein Geheimtipp. Obwohl sie mit ihrem ersten Roman das Opus Magnus zum deutschen Widerstand vorlegte. Jetzt bricht sie die Chronologie des ersten Buches auf und verdichtet den Erlebnis- und Erfahungshorizont der Roten Kapelle aus der Logik der Handlung heraus. So entsteht große Literatur, die den historischen Ereignissen und Menschen immer gerecht wird und den Leser zutiefst berührt.

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