Poros der Komischen Oper bleibt nette Unterhaltung

Zwar heißt der Eroberer in Indien Alexander, aber er ist kein Grieche. Sir Alexander ist englischer Eroberer voll Würde und Verstand. Ganz anders als Poros, der indische König, auf dessen Reich es Alexander abgesehen hat. Denn der ist voller Emotionen, voller Liebe und Eifersucht. Und natürlich geht es ihm um Ehre und Pflicht. Wo Alexander ganz kühl abwägt und die eigenen Gefühle für den Erfolg unterdrückt, ist Poros zu keinem klaren Gedanken fähig, weil ihn stets seine Gefühle übermannen.

Georg Friedrich Händel hat die Oper Poros geschrieben, als England in Richtung Indien expandierte. Er schuf eine Kammeroper, in der nur ein kleines Ensemble von sechs Personen die Arien und Recitative singt. Einen Chor gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, dass die Stimmen tragen und die Rollen gut gespielt werden. Letzters können die sechs Solisten der Komischen Oper. Beim Gesang läß sich das allerdings nicht sagen.

Countertenor Eric Jurenas als Alexander gelingt es nicht immer das gesamte Haus mit seiner Stimme zu erreichen. Das gilt auch für die Frauenpartien (Ruzan Mantashyan als Mahamaya und Idunnu Münch als Nimbavati). So etwas kann immer mal passieren, aber da die Anlage als Kammeroper keinen Chor vorsieht, sind stimmliche Probleme doch ärgerlich.

Harry Kupfers Inszenierung versucht den alten Stoff mit politischer Interpretation aufzuwerten. Das Bühnenbild erzeugt mit wenigen Effekten eine übersehbare Varianz. Auf der Drehbühne ist ein großes Podest in den Farben eines Herbstblatts und je nach Drehung der britischen Insel. Sir Alexander wirkt mit seinem Tropenhelm wie eine Witzfigur. Aber bei aller musikalischen Brillanz des Orchesters, sorgt das gesamte Setting nicht für ernsthafte Eindrücke. Poros bleibt nette Unterhaltung. Die Inszenierung berührt nicht. Handlung und Geschehen bleiben seltsam entfernt.

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