Die Trostlosigkeit der Bahnhöfe am Beispiel Bad Kissingen

Die Empfangshalle ist geheizt. Immerhin. Aber sie ist leer. Nur für ganz wenige Reisende gibt es Sitzplätze. Doch eine Zeitschrift, ein Buch oder einen Kaffee kann man im Bahnhof von Bad Kissingen noch kaufen. Und doch wirkt der einst herrschaftliche Gebäude heute nur noch kahl und trist.

Wo einst Otto von Bismarck oder kaiserliche und königliche Hoheiten mit dem Zug zur Kur ankamen, ist der einstige Glanz verblichen. Jahrzehnte arbeitete die Bahn daran, aus einem eindrucksvollen Bahnhof eine trostlose Empfangshalle zu machen. Und damit hat Bad Kissingen noch Glück. Der Bahnhof ist noch ein Bahnhof. Er wurde noch nicht verkauft und entwidmet. Ja, im Winter kann man sich sogar noch aufwärmen und muss nicht in der Kälte einen der wenigen Plätze in einem Unterstand aus Stahl und Glas suchen, um dem Wind besser trotzen zu können.

Säulen, schön gestaltete Fußböden mit Ornamenten aus Fliesen, klare Sichtachsen und Räume von herrschaftlicher Höhe sind heute noch zu erkennen. Aber die Fliesen sind teilweise durch grauenvollen Industriefliesen ohne das passende Muster ersetzt worden. Banale Alutüren wurden eingebaut. Möbel gibt es im einstigen Wartesaal nicht mehr. Stattdessen wurde ein Video-Reisezentrum abgestellt. Nichts symbolisiert den Niedergang der Kultur des Reisens mit der Bahn besser.

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