Bettina Baltschev lässt den Querido-Verlag hochleben

Bettina Baltschev schlendert durch Amsterdam. Dabei spürt sie einem Verlag, seinem Verleger, den Lektoren und den Autoren nach. Die hießen Joseph Roth, Heinrich und Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Alfred Döblin oder Irmgard Keun. Der Querido-Verlag war einer der wichtigsten Exil-Verlage für die Deutschen Schriftsteller, die vor den Nazis fliehen mussten. „Hölle und Paradies“ ist das Buch, in dem Baltschev ihre Liebe zu Amsterdam und zur Exil-Literatur auf eine lesenswerte Art zusammenführt.

Für all jene, die sich für die Exilliteratur interessieren, erzählt Bettina Baltschev wenig neues. Aber das macht nichts. Denn die meisten Bücher sind schon etliche Jahre alt. Außerdem sind sie vor allem wissenschaftliche Texte. Baltschev schließt deshalb eine doppelte Lücke: Sie erschließt das Thema für ein breiteres Publikum und für ein nach gewachsenes. Dass die Kulturwissenschaftlerin vor allem als Hörfunkjournalistin arbeitet, kommt ihr dabei sehr zugute. Sie weiß, wie Bilder im Kopf entstehen. Sie kann Geschichte in Geschichten erzählen. Und mit dem steten Bezug auf das Amsterdam der Gegenwart erzeugt sie eine Nähe, die man den meisten Büchern aus dem Querido-Verlag auch heute noch wünscht.

Die Geschichte des Querido-Verlages ist älter als 1933. Emanuel Querido hat als Verleger die Chance gesehen, die  berühmten von den Nazis verschmähten Autoren weiter zu drucken und zu vertreiben. 1933 gibt es in Österreich, der Tschechoslowakei, der Schweiz und auch in Teilen Polens, Rumäniens und etlichen anderen Ländern ein Deutsch lesendes Publikum. Und in Belgien und den Niederlanden ist Deutsch im Bildungsbürgertum als wichtigste Fremdsprache verankert. Querido verbindet Geschäft und Kultur. In Fritz Landshoff kann er den Mann gewinnen, der die Autoren kennt und an den Amsterdamer Verlag binden kann. Denn als Lektor des Kiepenheuer Verlags hat er die Kontakte. Außerdem ist sein Verlag von den Autoren-Verboten und der Kulturbarbarei der Nationalsozialisten besonders betroffen.

Bettina Baltschev gelingt es, das mit viel Einfühlungsvermögen und großem historischen Wissen zu erzählen. An keiner Stelle wird ein Referat oder gar eine Faktenhuberei daraus. Genauso wie bei der Schilderung der Sorgen, der Sucht und der Liebe Joseph Roths oder den Bemühungen von Klaus Mann um eine Bündelung der Exilierten in seiner Zeitschrift „Die Sammlung“.

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