Eine spanische Nacht in Potsdam

Ganz spanisch war die Nacht in Potsdam. Die erste ohne Regen und mit einigermaßen Wärme. Das Universitätsgebäude gegenüber dem Neuen Palais erstrahlte in rot-gelb-rot. Und die Musik der Brandenburger Symphoniker, des Euskal Barockensembles und vor allem von der spanischen Solisten beim Sanssouci Prom Concert überzeugten.

Alles in allem also genau das, was einem Open-Air-Konzert den eigenen Charme verleiht. Frische Luft, eine anregende Umgebung und gute Musik. Wären da nicht so manche Zuschauer. Die klatschen nämlich ständig mit, sobald sie meinen eine Melodie oder einen Takt zu erkennen. Da kann Rocio Marquez noch so ergreifend singen oder Enrike Solínis die erstaunlichsten Töne aus seiner Gitarre hervorholen, sie werden gnadenlos niedergeklatscht. Meist sogar im Takt, aber wenn die Musik komplexer wird, dann kann auch das daneben gehen.

Der Gipfel ist aber das Feuerwerk. Das Zischen, Zünden und Zerstäuben der Raketen, Feuerfontänen und Glutvorhänge ist schon vom Orchester kaum zu übertönen. Aber wenn dann die Masse ständig noch „Oh“ und „Ah“ und „Guck mal“ raunt und ruft, dann spielt die Musik nur noch die letzte Geige. Da kann sich Michael Helmrath mit seinen Brandenburger Symphonikern noch so abmühen, ein musikalischer Genuss kommt nicht mehr zustande. Nur noch ein Akustikbrei, der die Frage provoziert, ob das Abspielen einer CD im eigenen Garten nicht die bessere Alternative wäre. Mit Tapas und Wein, als eigene kleine spanische Nacht.

Mehrforte begeistert in Eichwalde

Mehrforte singt in der evangelischen Kirche Eichwalde

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Mehrforte beim Rosenfest-Konzert

Wenn „Engel“ von Rammstein in der evangelischen Kirche Eichwalde als mehrstimmiger Choral erklingt, dann singt Mehrforte. Wie jedes Jahr beim Rosenfest stimmt der Chor um Thomas Merfort Songs von Coldplay, Queen, Otis Redding und vielen anderen an. Und wie jedes Jahr ist die Kirche voll.

Es ist wirklich enorm, welchen Klang die Sängerinnen und Sänger erzeugen. Einmal pro Woche proben sie nur. Aber die Mischung aus Freude am Singen, Musikalität und guter Chorleitung ist der Garant für ein gutes Konzert. Das für das Publikum nicht nur aus Zuhören, sondern auch aus Mitsingen besteht. Denn Thomas Merfort lässt den ersten Kanon schon anstimmen, bevor sich der Chor vor dem Altar aufgestellt hat. Da bleibt einem – auch wenn man nicht singen kann – nicht anderes übrig, als einzustimmen. Und die Begeisterung von Mehrforte zu teilen. 

Steffen Möller entdeckt für uns Warschau

Steffen Möller: Viva WarszawaWarschau ist eine Reise wert. Davon ist Steffen Möller, der viele Jahre in der polnischen Hauptstadt gelebt hat, überzeugt. Aber da Warschau bei den Touristen immer den Kürzeren im Vergleich mit Krakau zieht, erklärt uns Deutschlands bekanntester Polen-Versteher und -Kenner den Reiz der Stadt. Mehr als 280 kurzweilige Seiten locken uns nach Warschau.

Steffen Möller geht wie ein Flaneur durch die Stadt an der Weichsel. Er zeigt uns seinen Lieblingskonditor genauso wie die Orte der Moderne oder der Hipster-Szene. Vor allem aber bringt er uns beim Gang durch die Stadt deren Geschichte nahe. Angesichts des Leids, das die Deutschen über Warschau brachten, ist das nicht immer ganz leicht. Weder für ihn als Autor, noch für den Leser. Aber Steffen Möller hat eine wunderbare Art, ernsthaft und doch unterhaltsam zu sein. Das heißt nicht, dass die Passagen über die Vernichtung Warschaus, den Aufstand des Warschauer Ghettos und den späteren der Warschauer Heimatarmee die Ernsthaftigkeit fehlen würden. Steffen Möller gelingt es, selbst die grausamsten Passagen der Warschauer Geschichte in Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Dabei verbindet er die Gegenwart mit der Geschichte – und bringt uns so die Hauptstadt Polens sehr nahe.

Möller hat recht, wenn er bemerkt, dass die Deutschen über Warschau fast nichts wissen. Umso angenehmer ist es dann, wenn er uns an seinem Leben, seinen Bekannten und seinen Beobachtungen teilhaben lässt. Seine Faszination vom Kulturpalast, seine Offenheit, mit der er von seinen Vorurteilen und Missverständnissen plaudert und sein immer wieder leicht aufblitzender Stolz, dass er Polen so gut kennt, zeugen von einer Haltung, die dem Leser immer auf Augenhöhe begegnet. Und nie überheblich. Viva Warszawa macht Lust auf Warschau und auf Polen. Es wird Zeit, wieder einmal den Zug von Berlin nach Warschau zu besteigen, und sich an die Hand von Steffen Möller nehmen zu lassen.

Ein Urteil und viele Unklarheiten – Urteil im Maskenmann-Prozess

Der Maskenmann ist verurteilt. Das Landgericht Frankfurt (Oder) schickt den Angeklagten lebenslänglich hinter Gitter. Die Deutlichkeit, mit der das Gericht von der Schuld des angeklagten Dachdeckers aus Berlin überzeugt ist, verblüfft im ersten Moment, denn die 59 Prozesstage brachten vor allem eines zu Tage: Zweifel an der Anklage, Zweifel an der Polizeiarbeit und – noch schlimmer – Zweifel an der Verfassung der gesamten Justiz- und Ermittlungsbehörden in Brandenburg. 

Der ganze Kommentar steht auf rbb-online.de…