Steinmetzkunst auf dem Dom zu Mailand

Steinmetzkunst auf dem Dach des Doms zu Mailand

Bild 1 von 23

Steinmetzkunst auf dem Dach des Doms zu Mailand

Schon von unten ist der Dom zu Mailand kaum mit den Augen zu fassen. Die vielen Details lösen ihn fast auf, machen den massiven Baukörper zu einem luftigen Etwas, das wirkt, als sei es nicht von dieser Welt. Wer die Stufen erklimmt, um auf das Dach des Doms zu gelangen (es gibt auch einen Aufzug), der kann die vielen Figuren und Ornamente aus Marmor en detail bewundern. Aber angesichts der Fülle von Hunderten Statuen, Ornamenten und Figürchen ist das Auge auch hier sehr schnell satt. Was bleibt ist die Bewunderung für diese Vielfalt. Und die handwerklich und künstlerische Fertigkeit der Mitarbeiter der Dombauhütte. Die wird mit ihrer Arbeit nie fertig. Wenn die letzten der mehr als 3000 Figuren saniert sind oder die 130 Türmchen ausgebessert sind, dann sind die ersten durch die Witterung und die Umwelteinflüsse schon wieder brüchig. Und so finden sich neben den alten Motiven auch manch neues, mit denen die Bildhauer und Steinmetze zeigen, dass sie mehr können als nur zu reparieren.

Hammelburg Einst und Jetzt (12) – Kissinger Straße

Hindenburg Straße  (1935)

Der Blick von der Amtsgerichtskreuzung in Richtung Marktplatz zeigt die Kissinger Straße in der Hammelburger Altstadt. 1935 war die Straße nach dem Feldmarschall und Reichspräsidenten Hindenburg benannt, der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und damit die Nationalsozialisten an die Macht brachte.

Die auffälligste Veränderung ist neben den Leuchtreklamen am Deutschen Haus zu sehen. Nur noch das Erdgeschoss ist in Sandstein. Alles andere wurde mit Fachwerk neu aufgesetzt und erweitert. Bis in die 1990er-Jahre war im Deutschen Haus eine typische Wirtschaft. Heute ist ein Hotel und mit der Wandelbar eine neue Form Gastronomie im Deutschen Haus.

Kissinger Straße

 

Mehr Einst und Jetzt aus Hammelburg:
(1)  – Stadtpfarrkirche
(2)  – Rotes Schloss vom Weiher aus
(3)  – Am Kellereischloss
(4)  – Hüterturm
(5)  – Ruine Aura
(6)  – Baderturm
(7)  – Kloster Altstadt und Schloss Saaleck
(8)  – Kreuzigungsgruppe des Altstädter Kreuzwegs
(9)  – Blick von Schloss Saaleck auf die Stadt
(10) – Freibad (heute Saaletalbad)
(11) – St. Nepomuk
(12) – Kissinger Straße

Aschaffenburg gedenkt 1954 der Kriegsgefangenen in der Sowjetunion

Tag der Kriegsgefangenen 1954 in Aschaffenburg

Zwölf Aschaffenburger sind 1954 noch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Unter ihnen Ernst Oppermann, mein Großvater. Am 24. Oktober 1954 ist er bereits seit 10 Jahren und fünf Monaten in Gefangenschaft. Seit dem 14. Februar 1954 ist er im Arbeitslager in Taliza bei Perwouralsk, im Oblast Swerdlowsk im Ural. Es ist seine achte Station seit dem 14. Mai 1944.

Ernst Oppermann bekommt vom Tag der Kriegsgefangenen nichts mit. Die Post wird gelesen. Aber für die Familie, seine Frau und die vier Kinder, muss es schon ein beeindruckendes Zeichen der Anteilnahme gewesen sein, wenn tausende von Kerzen in den Fenstern der Aschaffenburger Häuser standen. Zehn Jahre nach Kriegsende war für sie nicht absehbar, ob Vater und Mann jemals wider heimkehren würden.

In der Aschaffenburger Zeitung vom 25. Oktober 1954 wird der Festakt im Stadttheater, der heute vor genau 60 Jahren stattfand, beschrieben.

Angelika Klüssendorf begleitet April in den Westen

Angelika Klüssendorf: AprilDas Mädchen“ hat jetzt einen Namen. April nennt sie sich. Und genauso heißt der Roman von Angelika Klüssendorf, mit dem sie es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. April, diese Wort klingt nach Frühling und nach Extremen, nach Schnee und Badewetter in einem, nach Frieren und Schwitzen, nach Unzuverlässigkeit und Überraschungen. Insofern passt dieser Name sehr gut zur Hauptperson des aktuellen Romans von Angelika Klüssendorf, in dem sie „Das Mädchen“ fortsetzt.

Auch in diesem Buch beeindruckt die fast schon harte Sprache. Sie steht für die Schonungslosigkeit, mit der Klüssendorf April beschreibt. Da es sich um einen stark autobiografisch beeinflussten Roman handelt, geht sie nicht nur mit ihrer Protagonistin, sondern auch mit sich selbst sehr ehrlich um. Das gilt auch für ihren Blick auf die Gesellschaft; sowohl in der DDR als auch nach der Ausreise in die Bundesrepublik.

Wo im ersten Roman die fürchterliche familiäre Situation im Vordergrund stand, rückt jetzt vor allem die Gesellschaft in den Blick. Die äußeren Umstände, die Freunde und Beziehungen werden wichtiger. Und damit auch die Auseinandersetzung mit dem Staat, in dem April lebt. Angelika Klüssendorf erzählt davon, wie der äußere Druck die innere Verbundenheit in Beziehungen stärkt und die Freiheit in West-Berlin diese zerstört. Sie fühlt sich schmerzhaft in Aprils Ängste, Phobien und psychische Verletzungen ein. Und das so intensiv, dass es den Leser fast körperlich schmerzt.

Dennoch entfaltet auch der zweite Band der geplanten Trilogie einen enormen Sog, der nichts mit Voyeurismus zu tun hat, sondern mit Empathie für April.  Die vermittelt Angelika Klüssendorf mit ihrer knappen, präzisen Sprache. Der Roman war zu Recht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Martin Suter baut einen Krimi um eine Sage

Martin Suter: Der Teufel von MailandEigentlich wollte ich ein Buch über Mailand. „Der Teufel von Mailand“ lockte mich. Doch dann habe ich einen Krimi ohne Kommissar oder Detektiv aus einem Wellness-Hotel in einem Dorf in der Schweiz gelesen. Martin Suter hat mich zumindest so gefesselt, dass ich das Buch trotz meiner Enttäuschung nicht weglegte.

Nach der Scheidung will Sonia Abstand zu ihrem alten Leben finden. Sie kehrt in ihren alten Beruf als Physiotherapeutin zurück und nimmt eine Stelle in einem neu eröffneten Wellness-Hotel im Unterengadin an. Gäste gibt es wenige, Kolleginnen und Kollegen auch. Aber zunächst tut Sonia die räumliche und mentale Distanz zu ihrem Leben mit dem prügelnden Mann gut. Doch als um sie herum immer mehr Menschen sterben, wird ihr Leben zur Hölle.

Martin Suter baut seinen Krimi um eine alte Sage, die vom Teufel aus Mailand handelt, der aus der Stadt in die Berge kommt und sein Unwesen treibt. Sämtliche Todesfälle passen ins Schema der Sage. Aber weshalb ein solcher Teufel im Dorf wütet, das ist der eigentliche Kriminalfall. Der Plot hat alles, was man für einen spannenden Roman benötigt. Was stört, ist der Gegensatz von Stadt und Dorf, der mit zu vielen Klischees bearbeitet wird. Aber die psychologische Bearbeitung ist wirklich faszinierend. Auch das seltene Krankheitsbild, das Sonia plagt, wirkt nicht aufgesetzt, sondern für den Roman selbst schlüssig und notwendig.

Insofern ist das Buch trotz aller Klischees gute Unterhaltung. Und wenn man so wie ich, das Buch nur bestellte, weil einen das Wort „Mailand“ auf den Onlineseiten der heimischen Buchhandlung verlockte, dann darf man nicht meckern. Sondern sich freuen, dass auch ein Irrtum als Gute-Nacht-Lektüre durchaus funktionieren kann.

„Das Mädchen“ von Angelika Klüssendorf ist ein Meisterwerk der Reduktion

Angelika Klüssendorf: Das MädchenDas Mädchen hat keinen Namen. Nur ein „Ich“ der Erzählerin. Die Geschwister und die Freunde des Mädchens dagegen haben Namen. und damit etwas ganz entscheidendes für die Definition von Individualität. Angelika Klüssendorf arbeitet sich in ihrem Roman „Das Mädchen“ am Schicksal dieses Mädchens ab. Kein Wunder, ist das Leben des Mädchens doch die autobiografische Vorlage für das Buch.

Die Mutter des Mädchens säuft. Der Vater des Mädchens nimmt es in einer Krise auf, will sein eigenes Leben verändern. Aber auch bei ihm ist der Alkohol das wichtigste im Leben. Das Mädchen wird verdroschen. Das Mädchen flüchtet sich in Lügen und gefährliche Spiele. Schließlich muss das Mädchen in ein Kinderheim. All das spielt in der DDR. Und doch ist das bei dieser Geschichte nicht wichtig. Das Mädchen selbst steht im Mittelpunkt. Der staatliche Bezug ist eher der Hintergrund.

Was Angelika Klüssendorf in diesem Roman malt, erinnert an die Arbeit einer Bildhauerin. Da ist ein Stein, der behauen werden muss, um das Kunstwerk hervorzubringen. „Das Mädchen“ ist ein Kunstwerk, das das Leben dieses Kindes wie unter den von Hammerschlägen in die Härte der Erinnerung hineingetriebenen Meißel freilegt. Die Sprache ist frei von allem Überflüssigen. Die Sprache ist spröde wie Stein. Und doch bringt sie das Schmerzhafte des Lebens dieses Mädchens so klar und leuchtend zum Ausdruck.

Leser müssen einiges aushalten. Aber sie kommen dafür mit einem wunderbar stolzen Kind in Berührung, das trotz der Narben der Prügel und psychischen Grausamkeiten der Eltern – und manchmal auch der Erzieher – seinen Weg geht. Ein beeindruckender Text. Ein Meisterwerk der Reduktion.

Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

Bild 1 von 10

Elfershausen macht gegen die Nord-Süd-Stromtrasse mobil

Die Transparente sind in Elfershausen nicht zu übersehen. Überall im Ort gibt es Hinweise auf die große Nord-Süd-Stromtrasse, die entlang der A 7 das Saaletal nach dem Willen der Bundesregierung queren soll. Der Unmut über die Verschandelung der Landschaft ist groß. Und damit auch der Unmut über die Energiewende.

Wer durch das Dorf geht, sieht auf vielen Haus- und Scheunendächern Photovoltaikanlagen. Erneuerbare Energien sind den Elfernshäuserern also nicht fremd. Hier erzeugen sie regenerativen Strom, nutzen die Chancen, die vor allem unter rot-grün für Häuslebauer und Landwirte geschaffen wurden. Grüner Strom für gutes Geld. Sie sind Teil einer Bewegung, die Deutschland zu dem Land gemacht, in dem der Umstieg von Atom- und Kohlestrom auf Sonne, Wind, Wasser und Biogas den großen Energieversorgern das Leben schwer macht.

Keine 30 Kilometer südlich von Elfershausen ist das Atomkraftwerk Grafenreinfeld. Es soll im Mai 2015 stillgelegt werden. Schweinfurts Industrie benötigt auch dann noch sehr viel Strom. Mengen, die von den tatsächlich sehr vielen Solaranlagen auf den Dächern der Region nicht gedeckt werden können. Und weil Grafenreinfeld kein Einzelfall in Bayern ist, könnte es dort in den kommenden Jahren zu Stromengpässen kommen. Deshalb will der Bund den Windstrom von der Küste, aus Schleswig-Holstein, Brandenburg oder Niedersachsen und von den projektierten Offshore-Windparks mit der großen Nord-Süd-Stromtrasse mach Bayern bringen.

Eine Idee, die angesichts des aktuellen Situation gar nicht so falsch ist. Aber nur, wenn man vergisst, wie in den vergangenen 15 Jahren die Diskussion über die Energiewende lief. Da waren es vor allem CSU, CDU und FDP, die verzögerten, wo es nur ging. Jetzt sind es genau die Vertreter dieser Parteien, die den Widerstand gegen die Stromtrassen anführen. Und die Aktivisten der Energiewende, die stets für eine dezentrale Energieversorgung stritten, stehen auf einmal als die Verteidiger der Stromtrassen da. Denn die Blockade des frühen Umbaus des Energiesystems von zentral auf lokale und dezentrale Versorger führte dazu, dass es jetzt zu wenig Stromversorgung – gerade in Bayern und Baden-Württemberg – vor Ort gibt, um das Wegfallen eines Atomkraftwerkes zu kompensieren.

Wer die Energiewende heute also noch immer will, obwohl in der Vergangenheit die Weichen wegen der Blockierer falsch gestellt wurden, muss für die Stromtrassen sein. Und damit für eine weitere Verschandelung des Saaletals. Das ist absurd. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Trassen auch mit billigem Braunkohlestrom verstopft werden. Aber anders wird es nicht gehen. Ärgerlich ist nur, dass sich heute die gleichen Parteien und Politiker gegen die Stromtrasse stellen, die sich in der Vergangenheit gegen den schnellen Umbau des Stromsystems stellten. Und diejenigen, die solche Stromtrassen eigentlich nie wollten, weil sie keine zentralen Versorgunsgeinheiten mehr wollten, sind heute dafür.

Das ist schon seltsam. Und für die Elfershäusener, die keine Stromtrasse im Saaletal wollen, ist das auch kein Trost. Egal, ob sie eine Solaranlage auf dem Dach haben oder nicht.

 

Henning Klüwer lockt nach Mailand

Gebrauchsanweisung für mailandIm kommenden Jahr ist Mailand die Stadt der Weltausstellung. Zu den vielen Touristen, die ohnehin in die Hauptstadt der Lombardei kommen, werden zur Expo 2015 noch Millionen zusätzliche kommen. Kurz davor ist es ein optimaler Zeitpunkt, um eine „Gebrauchsanweisung für Mailand“ zu veröffentlichen. Henning Klüwer hat genau das getan – und eine Lücke der Reiseliteratur angenehm geschlossen.

Die „Gebrauchsanweisungen“ des Piper-Verlags sind eine seit langem eingeführte Reiseliteratur-Reihe, der es weniger um eine Auflistung von touristischen Highlights geht, sondern eher um ein vielschichtiges Bild der beschriebenen Stadt oder Region. Und damit tatsächlich um Reiseliteratur. Henning Klüwer, Kulturkorrespondent u.a. für die Süddeutsche Zeitung, lebt seit etlichen Jahren in Mailand. Ihm gelingt es, den Anspruch zu erfüllen und ein lesenswertes Buch zu schreiben.

Natürlich sind die Basis einiger Kapitel Reportagen und Texte, die er für Zeitungen geschrieben hat. Aber er geht immer über die simple Zweitverwertung hinaus. Alle Kapitel haben einen angenehmen Tonfall, der Mailand und seine Designer, Architekten, Kultur und Baudenkmäler nicht anpreist, sondern aus der jeweiligen Zeit heraus verständlich macht. Da er mit Frau und Kindern in der Stadt lebt, kann er auch den Alltag schildern und einfließen lassen. Wer sich davon allerdings Geheimtipps verspricht, wird kaum etwas finden. Denn Klüwer geht es nicht darum, die Expo-Touristen des kommenden Jahres an bestimmte Orte zu führen. Er will das Mailand der Gegenwart verständlich machen – und ordnet historische Erläuterungen diesem Ziel unter.

Das liest sich alles gut. Stilistisch weiß Henning Klüwer, was er tut. Manchmal plaudert er etwas zu viel, gibt einen Einblick zu viel in sein Familienleben preis. Doch genau das wird vielen Lesern vielleicht gefallen. Wer sich auf nach Mailand machen will, findet auf jeden Fall einen kompetenten Begleiter in Klüwers „Gebrauchsanweisung für Mailand“.