Berliner Fußballplätze – FC Viktoria 1899 Berlin an der Osdorfer Straße

Der FC Viktoria 1899 Berlin hat im Süden Lichterfeldes nicht seinen Sitz. Aber auf dem Sportplatz an der Osdorfer Straße spielt auch die Jugend des aus dem LFC Berlin und dem BFC Viktoria 1899 fusionierten Vereins. Etwas verloren zwischen westberliner Plattenbau und Gewerbestraße, zwischen Spielplatz und den Wiesen, die sich nach Süden in Richtung des ehemaligen Mauerstreifens öffnen, liegt der Kunstrasenplatz. Sein Zustand ist gut, die Sporthalle auch. Aber anders als viele andere Berliner Fußballpläzue hat dieser nichts, was ihm eine eigene Identität, eine besondere Wiedererkennbarkeit verleihen würde. Hier wirkt der Charme der 1970er-Jahre. Und sonst nichts weiter.

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Concordia Wilhelmsruh – Nordendarena

Marko Martin langweilt mit seinen weltweiten Sexabenteuern

Mirko Martin: Die Nacht von San Salvador
Marko Martin: Die Nacht von San Salvador

Die Bücher der Anderen Bibliothek schaffen es fast immer, mich zu fesseln. „Die Nacht von San Salvador“ von Marko Martin ist da offenbar eine Ausnahme. Obwohl Protagonist Daniel quer durch die Welt reist und in San Salvador genauso wie in Berlin oder Damaskus, Danzig oder Istanbul seine Abenteuer erlebt, bleibt der Roman irgendwie leblos. Vielleicht liegt es an den vielen homoerotischen Erlebnissen in Saunen, Hotels und Wohnungen, die Daniel selbst erregen, den Leser aber kalt lassen. Vielleicht liegt es aber auch an der angestrengten Ambitioniertheit, die dem Buch Leichtigkeit und Lesefluss raubt. „Marko Martin langweilt mit seinen weltweiten Sexabenteuern“ weiterlesen

Erri de Luca erinnert sich an die ersten Momente nach der Kindheit

Erri de Luca: Fische schließen nie die Augen
Erri de Luca: Fische schließen nie die Augen

So zart wie die Haut eines zehnjährigen Kindes ist die Geschichte, die Erri de Luca in seinem neuen Buch erzählt. Es ist seine eigene Geschichte von den ersten Schritten in Richtung des Erwachsenwerdens. Die erste Begegnung mit einem Mädchen, die mehr in ihm auslöst als Nettigkeit. „Fische schließen die Augen nicht“ entführt die Leser in die Zwischenphase zwischen Kindheit und Jugend. Und das macht Erri de Luca ganz vorsichtig, ganz zart. „Erri de Luca erinnert sich an die ersten Momente nach der Kindheit“ weiterlesen

Zeit für das alte Olympia-T-Shirt

Olympia-T-Shirt für Peking 2008
Olympia-T-Shirt für Peking 2008

Ich habe es noch. Das T-Shirt das ein Kollege vor sechs Jahren anlässlich der Olympischen Spiele in Peking entworfen hat. Heute ist es wieder aktuell. In Sotchi lässt sich Wladimir Putin feiern, weil er die Olympischen Spiele ans Schwarze Meer geholt hat.  Statt „Made in China“ müsste heute „Made in Russia“ auf ihm stehen. Und die Disziplin Homophobie müsste eigentlich auch noch hinzugefügt werden. Aber sonst?

Sonst ist diesmal der Größenwahn noch irrsinniger. Im Winter 2014 spielt der Sport eine noch größere Nebenrolle und die politischen Aussagen des Internationalen Olympischen Komitees sind noch peinlicher. Insofern stimmt das olympische Motto „Höher, schneller, weiter“. Die Kosten sind noch höher. Die Umweltzerstörung für dieses aberwitzige Großereignis ging noch schneller von statten. Und die Sportfunktionäre gehen in ihrer Verlogenheit noch weiter.

Ärgerlich ist das alles für die Sportler, die viele Jahre dafür trainiert haben. Sie sind der Spielball der geldgierigen Funktionäre, denen nichts heilig ist: keine Menschenrechte, keine Freiheit und keine Schöpfung. Selbstverständliche demokratische Menschenrechte werden ihnen genommen. Wer bei Putins und Thomas Bachs Spielen mitspielen will, muss sich Meinungs- und Versammlungsfreiheit abgewöhnen. Ansonsten droht Ausschluss. Das ist immer noch besser als der Einschluss in den GULAG, der russischen Demokraten droht. Aber es ist unerträglich, dass das geduldet wird, um es Russlands Diktator zu ermöglichen, sich in der Weltöffentlichkeit zu sonnen. Eigentlich müsste man den Spielen die Aufmerksamkeit entziehen. Aber damit wären auch die Sportler bestraft.

Aber solche T-Shirts sind immerhin eine Möglichkeit, die Abscheu gegenüber IOK, NOK und anderen korrupten Sportfunktionären zum Ausdruck zu bringen. Ich werde gleich mal bei dem Kollegen aus Cottbus nachfragen ob er eine überarbeitete Neuauflage plant.

Friedrich Ani schickt Tabor Süden in den Neonazi-Sumpf

Friedrich Ani: M
Friedrich Ani: M

Tabor Süden ist fast schon so jemand wie Miss Marple. Die Romane mit ihm als Helden gehen langsam in Richtung Dutzende. Und dennoch hat  Friedrich Ani immer wieder neue Ideen für seinen kauzigen Privatdetektiv, der lange als Kommissar Vermisste suchte, bevor de rzum Privatdetektiv mutierte. Im aktuellen Buch „M“ schickt Ani seinen Süden auf die Suche nach einem Mann, der sich mit Neonazis eingelassen hat. „Friedrich Ani schickt Tabor Süden in den Neonazi-Sumpf“ weiterlesen

Wenn der Staatssekretär vom Steuervernichter Wowereit Steuern hinterzieht

Wie nennt man es, wenn ein Aufsichtsratschef einen Flughafen in den Sand setzt? Und wenn er das finanzielle Desaster, für das er (mit-) verantwortlich ist, vom Steuerzahler finanzieren lässt? Nennt man das einen Skandal? Nein! In Berlin nennt man das politische Verantwortung. Oder auch Wowereit, Klaus Wowereit. Der zwar als Aufsichtsratschef zurücktrat, aber nicht als Regierender Bürgermeister. Warum auch? Es handelte sich ja nur um einige Hundert Millionen Euro, die allein Berlin zuzahlen musste. Geld, das in Schulen fehlt. Oder bei der Polizei, die ohne die von den Polizisten privat finanzierten Handy schon längst eine wesentlichen Teil der innerbetrieblichen Kommunikation eingestellt hätte. Weil der Dienstherr sich das nicht leisten kann.

Und wie nennt man es, wenn der oberste Wahlbeamte der Stadt erfährt, dass sein wichtigster Mitarbeiter über Jahre Steuern hinterzogen hat? Wenn also sein André Schmitz sich vom Steuerzahler finanzieren lässt, selbst aber zur Finanzierung des Staatswesens nicht so viel beitragen will, wie es das Gesetz vorsieht? Wenn also ein Sozialdemokrat, für den die soziale Verantwortung des Einzelnen für das Gemeinwohl die zentrale Konstante allen politischen Handelns ist – denn deshalb ist er ja einst in die SPD eingetreten, sich einen feuchten Kehricht um genau dieses Gemeinwohl schert, sobald es ihm persönlich etwas kostet? Nennt man das einen Skandal? Wir vielleicht. Aber nicht Klaus Wowereit. Der macht den Deckel drauf. Und bezeichnet seinen Staatssekretär als „hochverdient“.

Aber in einer Stadt, in der Wowereit wieder Aufsichtsratsschef seines Pleite-Fughafens BER werden kann, wäre es auch tatsächlich zu viel verlangt, wegen einiger Tausend Euro Steuerhinterziehung zurückzutreten. Da gilt das altes Sprichwort: „Wie der Herr, so sein Gescherr“. Wenn der Herr keine politische Verantwortung übernimmt und fröhlich weiter dilettiert, warum sollte das sein Staatssekretär?

P.S. Die Kapitalertragssteuer ist eine Steuer, deren Einnahmen zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden. Wenn der Schmitz die gezahlt hätte, hätte er sich also quasi selbstfinanziert. Das geht natürlich nicht. Das wäre ja so absurd wie eine Berliner Stadtregierung, die mit Geld umgehen kann. Oder ein Regierender, der weiß, was politische Verantwortung bedeutet…

Die Liebe des FCN zum Olympiastadion

Das Stadion ist ja eigentlich ein Stimmungskiller. Nirgendwo ist man weiter weg vom Spiel. Die Akustik ist miserabel – selbst die  lautesten Fangesänge verflüchtigen sich im weiten Rund des Berliner  Olympiastadions. Und dennoch ist es immer ein besonderes Fest, wenn der Club in Berlin spielt.

Das Pokalfinale 2007 gegen den Stuttgart war sicherlich das beste und aufregendste Spiel des FCN, das ich im Olympiastadion gesehen habe. Aber auch der Sieg gegen die Hertha, der den Hauptstadtclub Richtung 2. Liga brachte, war nicht schlecht. Das lag aber viel mehr am Spiel selbst als an der Stimmung, für die das Stadion eben kein guter Resonanzkörper ist. Ganz außergewöhnlich war die Freude, die Begeisterung beim Kellerduell 2010. Wie der Club durch das Tor in der Schlussminute durch Charisteas nach der Vorlage von Gündogan gewonnen hat, ist ein unvergesslicher Moment. Der Jubel der Clubberer, das Entsetzen der Herthaner, die Erleichterung bei mir – einfach großartig.

Genauso wie heute, als Nürnberg der Hertha wieder drei Punkte weg nahm. Als die Fans die Meisterschaft von vor 90 Jahren feierten. Als Josip Drimic einen Elfmeter verwandelte und davor schon wunderbar abstaubte – und damit in die Spitzengruppe der Bundesliga-Torschützen aufschloss. Als es wieder einmal Turbulenzen in Schäfers Strafraum vor der Ostkurve gab – und die Hertha-Fans wieder Raphael Schäfer auspfiffen, so oft es nur ging. Der sich aber nicht wirklich aus der Ruhe bringen ließ.

Wieder einmal hat der Club gewonnen. Wieder einmal ist die Stimme weg. Wieder einmal habe ich mich über die brutalst mögliche Kommerzialisierung des Fußballs geärgert, die man sich denken kann. Denn darin ist die Hertha Meister. Jetzt sogar mit Kapitalbeteiligung einer Heuschrecke von der Wallstreet. Zumindest in der Ablehnung dieser Beteiligung sind sich die Ultras in blau-weiß und rot-weiß einig. Auch das ist ein schönes Erlebnis in diesem Stadion, das dem Club so liegt. Und mir schon so viele schöne Auswärtssiege direkt vor der Haustür bescherte. Es ist eben eine besondere Liebe, die der Club zum Olympiastadion pflegt.